Ein Abenteuer in Kanadas Wildnis -Wwoofing

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Mein Wwoofing Abenteuer beginnt in Beaver Valley in Kanada. Ich fahre einen 4-Gang Pick Up, voll beladen mit Feuerholz auf dem Weg zur „Burn Pile“. Rechts auf dem Fahrersitz mein Begleiter, ein Schäferhund. Ich drehe das Fenster runter und Neil Young voll auf. Wildnis liegt in der Luft! 


Into the Wild

Ich kam als Greenhorn auf meine erste Wwoof-Farm. Anstatt eines Rucksacks wie alle anderen Backpacker hatte ich schwere Koffer dabei. Dass Koffer unpraktisch sind merkte ich erst, als ich sie über Farmland rollte. Ich hatte eigentlich nie vor Wwoofing zu machen, weil ich mit meinem Working Holiday Visa in Vancouver arbeiten wollte. Aber es kommt immer alles anders als man denkt. Dadurch, dass ich mich vorher nicht um einen Job gekümmert hatte und das Hostel in Vancouver langsam teuer wurde, bewarb ich mich schnell auf einer Farm auf der Wwoof-Webseite. „Wwoof“ steht für Worldwide, Opportunities on Organic Farms. Man arbeitet 4-6 Stunden bei einer einheimischen Gastfamilie auf einer organischen Farm, wofür man kein Geld bekommt, sondern Kost und Logis. Die Einbindung in eine andere Kultur ist unbezahlbar und man spart mit Wwoofing unheimlich viel Geld.

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Der kanadische Busch

Von Vancouver geht es also direkt in die Wildnis. The Canadian Bush! Die erste Farm, die ich besuche ist 70 km abseits von Williams Lake in British Columbia gelegen. Meine Unterkunft: ein Zelt. Meine Begeisterung hält sich in Grenzen, ich wollte diesen Sommer unbedingt ein Abenteuer und da hatte ich es. Das Zelt ist wenigstens groß genug um darin zu stehen. Es hat eine richtige Matratze, eine Kiste mit Decken und eine Leine für meine Wäsche. Der Elektrozaun um mein Zelt beunruhigt mich etwas, aber als ich höre, dass wir in Bären-Gebiet sind, bin ich mehr als froh über den Zaun. Nachts im Zelt höre ich alle möglichen Geräusche und kann nicht einschätzen ob ein Elch oder Eichhörnchen gerade neben mir im Busch schnauft. Ich habe Angst und drücke mir Ohropax rein. Zu diesem Zeitpunkt weiß ich noch nicht, dass dieser Ort den größten Platz in meinem Herzen einnehmen würde.kanada-camp-zelt-wwoofing

Erster Tag – Ich Greenhorn!

An meinem ersten Arbeitstag fahren wir zu einem Steinbruch, um riesige Steine mit dem Pick Up zu holen. Ich wusste nicht, was für eine Arbeit mich erwartet und tanze im Kleid an. Ohne Handschuhe, ohne Trinkflasche, aber mit Kleid. Super! Noch nie zuvor fühlte ich mich so sehr wie ein Stadtmensch wie jetzt. Dabei wollte ich so gerne zeigen, dass ich es auch in der Wildnis packe. Ich lasse mir nichts anmerken und stemme Steine wie ich sie noch nie gestemmt habe. Aus den Steinen bauen wir einen Brunnen, den wir hinterher stolz betrachten. Sich draußen soviel zu bewegen und mein Kleid schmutzig zu machen tut unfassbar gut! Davon will ich mehr. Auf dem Rückweg von dem Steinbruch rennt plötzlich ein Schwarzbär über die Straße und verschwindet im Wald. Spätestens jetzt bin ich mitten im Abenteuer drin!

Wo einem die Bären beim Duschen zusehen

Das Leben auf der Farm in Beaver Valley spielt sich hauptsächlich draußen ab. Wenn ich mal drinnen bin, dann nur im Zelt und das zählt nicht. Meine Gasteltern praktizieren einen selbstversorgenden Lebensstil und bauen das meiste selbst an, was sie essen. Jedes Gemüse, dass ich dort probiere ist eine Geschmacksexplosion in meinem Mund, denn alles ist organisch angebaut. Das Herz der Farm ist die Outdoor-Kitchen mit dem Lagerfeuer in der Mitte. Ja, hier ist alles „Outdoor“. Auch die Zähne putzt man sich unter den Sternen am See. An solchen glasklaren Nächten in Kanada wo man die Milchstraße sieht, merke ich was wirklich wichtig im Leben ist. Genau das hier!

Es gibt hier keinen Strom und kein fließendes Wasser. Eine richtige Dusche gibt es übrigens auch nicht, als ich nachfrage, wird mir gesagt alle baden im See. Für die Wwoofer gibt es aber sowas wie die „Solar Shower“. Das sind schwarze Wasserbehälter mit einem Schlauch und Duschkopf dran. Will man warmes Wasser, dann muss man sie für fünf Stunden in die Sonne legen. Aber in der Wildnis hat man ja Zeit. Die „Solar Shower“ hängt man dann in die Outdoor-Dusche. Einfach gesagt: drei Holzwände und hinten in den Wald offen. Noch nie habe ich mich beim Duschen so beeilt aus Angst, mir guckt ein Bär zu. Great!

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Daily Tasks – Die Wildnis ist der größte Lehrer

Jeden Morgen um 7 Uhr wache ich mit dem Duft von Blueberry Pancakes auf, der vom Lagerfeuer bis in mein Zelt zieht. Noch müde wanke ich zur Outdoor-Kitchen. Am ersten Tag schaffe ich noch zwei Pancakes, an meinem letzten Arbeitstag einen Monat später brauche ich fünf, weil ich so viel Muskelmasse aufgebaut habe. In Deutschland musste ich mich körperlich nie anstrengen, alles war so einfach. Hier ist es anders. Brauchen wir Wasser, dann tragen wir schwere Kettel zum See und füllen diese auf. Möchten wir Tee, dann müssen wir erst ein Feuer machen. Es mag sich anstrengend anhören, aber hier lernt man für das Leben und alles was man in Deutschland hat zu schätzen. Wir arbeiten von 8 bis 11 Uhr, dann gibt es eine Stunde Mittagspause. Meine Gastmutter versorgt uns zwischendurch mit kanadischen Snacks: Apfelscheiben mit Käsehäppchen. Von 12 Uhr arbeiten wir meist bis 14 Uhr und beenden das, was wir vor dem Mittagessen begonnen haben. Ich helfe mit ein Gewächshaus zu bauen, Unkraut zu jäten, Waldarbeiten zu machen und lerne sogar einen elektrischen Zaun zu bauen. Das Greenhorn, das ich noch am ersten Tag war, verabschiedet sich langsam.

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Nachmittage sind für Abenteuer da

Nach der harten Arbeit springen wir in den See oder fahren mit den Kanus zur Rope Swing. Ein Seil an einem langen Ast von dem aus man ins Wasser springen kann. Manchmal nehmen wir die Kajaks und paddeln durch schmale Schilfkanäle bis wir auf Biberdämme stoßen und umkehren müssen. Eins werde ich nie vergessen und das ist mein absolutes Kanada-Highlight: die Lachswanderung zu beobachten. Wir wissen nicht wie lange man dieses Naturspektakel noch sehen kann, da die Lachsbestände immer weiter zurückgehen. Die roten Fische gegen einen tosenden Fluss schwimmen zu sehen ist einfach magisch. Ich dachte sowas sieht man nur in National Geographic Dokus, aber noch besser, das hier ist gerade mein Leben.

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Time for S’mores!

Jeder Abend endet im kleinen Kreis am Lagerfeuer. Mein Gastvater erzählt seine besten Geschichten während wir S‘mores machen. Das sind Marshmallows, die man an einem spitzen Stock über das Lagerfeuer hält bis sie weich und bräunlich werden. Wenn der Marshmallow perfekt ist, kommt er zwischen zwei Graham Cracker und einem Schokoladenstück. Durch die Lagerfeuer Hitze schmilzt alles zu einer klebrigen Masse. Unfassbar lecker! Aber auch eine Kunst. Manch ein Marshmallow landet im Feuer und andere gehen in Flammen auf. Während wir dort sitzen, spiele ich immer wieder dieselben Campfire-Songs auf Gitarre. Oft bin ich die letzte Person, die dort dem ausgehenden Feuer zusieht. Dann mache ich mich langsam auf zum Zelt und freue mich schon auf die Pancakes mit heißem Ahornsirup am nächsten Morgen.

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