Wie wird man ein echter Cowboy? Unser Niko berichtet aus Australien!

Die Peitsche schnalzen lassen
Niko lernt es die Peitsche zu schwingen :-)

Sydney ist meine absolute Lieblingsstadt in Australien, einfach eine Weltmetropole. Es ist Sonntagmorgen um 08 Uhr in Sydney, natürlich viel zu früh, als ich den Großstadtdschungel hinter mir lasse und mich auf einen 5 stündigen Roadtrip ins wirkliche Australien, nach Tamworth aufmache. Gleichzeitig ist es auch ein Weg ins Ungewisse, denn meine Reiterfahrung ist gleich Null und meine Farmerfahrung beschränkt sich auf die Besuche meines Kumpels, der einen Rinderhof im Nordwesten Deutschlands besitzt.

Die Fahrt nach Tamworth ist dann schon einmal ganz cool, man durchkreuzt das Hunter Valley, eines der größten Weinanbaugebiete Australiens. Kurz überlege ich, eine kleine Pause einzulegen und ne 3-5 stündige Weinprobe zu genießen, doch dann komme ich wieder zu Sinnen – Tamworth, die Pferde und das Cowboytraining warten auf mich. Tamworth ist ein schönes, kleines und irgendwie wohliges Städtchen mit einer riesengroßen goldenen Gitarre. Spätestens als ich versuche den Radiosender zu wechseln und nur Sender finde, die Country spielen, weiß ich auch wofür diese Gitarre steht – Tamworth ist das Country Music Capital von Australien. Ich verschaffe mir einen Überblick über die Stadt und suche die YHA Tamworth, mein Quartier für die nächsten Tage. Die YHA ist echt ein cooles Hostel, liegt direkt im Stadtzentrum und gegenüber vom Bahnhof, alles nur einen Steinwurf entfernt. Ich ziehe noch ein bisschen durch die Stadt, hier ist es verglichen zu Sydney echt schön ruhig, trotzdem gibt es einige Bars plus die Fastfoodprominenz wie KFC, McDonalds, Hungry Jacks, Subway, Red Rooster, Nandos…ne gute Mischung aus Ruhe, Landleben und dennoch wird der ständig vorhandene Hunger nach Fastfood gestillt.

Am nächsten Morgen geht’s dann richtig los, ich verlasse die YHA und will zu Tims Farm, den Ort des Cowboytrainings fahren. Nach einigen Minuten überquere ich eine Brücke, die sprichwörtlich die Grenze zwischen Zivilisation und Natur Pur ist. Ab diesem Punkt kennt mein Navi keine Straßen mehr, mein Handy hat keinen Empfang mehr und geteerte Straßen gibt es dort vielleicht ab 2024 (meine eigene Schätzung). Es ist wirklich ein geiles Gefühl, mal das Stadtleben hinter sich zu lassen!!! Alle paar Kilometer kommt mal eine Farm, ich sehe freilaufende Pferde, viele Rinder, paar Leguane (teilweise bis zu 80cm lang), eine wunderschöne Landschaft, hügelig, viele Bäume, ein entlang schlängender, kleiner Flusses – echt idyllisch.

Nach knapp 40 Minuten bin ich bei Tim angekommen und staune nur über die Größe seiner Farm und seines Landes. Tim besitzt allein knapp 40 Pferde, die sich frei bewegen und irgendwo in den Hügeln rumrennen. Ich werde von Tim und seiner Familie mit frisch gemachtem Schokokuchen empfangen. Dazu gibt es einen Tee bei ca. 35 Grad und überraschenderweise kühlt der wirklich runter. Nach dem netten Kennenlernen wird Tim ein wenig charmant-direkter und sagt mir, dass wir an meinem Outfit arbeiten müssten – dies sei der erste Schritt zum echten Jackaroo.

Frisch eingekleidet startet dann die Action, wir fangen ganz easy mit dem Lasso werfen an. Ich hätte nie gedacht, dass das so Spaß machen kann. Und nach ein paar Minuten Training schaffe ich es wirklich, die beiden Kinder Tims zu fangen und das aus immerhin 4 Meter Entfernung. Einen Hut, wie Indiana Jones, trage ich ja nun schon, was fehlt da noch? Klar, die Peitsche!!! Tim bringt mir bei, wie man ordentlich die Peitsche schwingt. Wenn Tim schwingt hört man ein Riesenecho vom Hang gegenüber…ich probiere es so lange weiter, bis man immerhin einen kleinen Laut hört, aber ich bin mächtig stolz. Dann gings richtig los.

Zusammen mit den anderen Teilnehmern, Tim und einem weiteren Instruktor suchen wir uns jeweils ein Pferd, striegeln es, kratzen die Hufe aus und satteln das Pferd. Ich hatte bis dahin keinerlei Erfahrung im Umgang mit Pferden, aber man lernt es wirklich von Beginn an. Tim erklärte uns dann, wie man aufs Pferd steigt, wie man mit Hilfe von Natural Horsemanship (sowas wie Pferdeflüstern) mit Pferden umgeht, sie in verschiedene Richtungen manövriert und für mich elementar wichtig: Wie sehe ich am coolsten auf dem Pferd aus!!! Wir sind dann in der atemberaubenden Umgebung umhergeritten, haben Rinder zusammen getrieben, haben einen kleinen Fluss zusammen durchritten und das erfolgreich ohne vom Pferd ins Wasser zu fallen. Abends saßen wir zusammen am Lagerfeuer, haben typisches australisches Essen gekocht und einfach eine schöne Zeit gehabt. Leider war mein Abenteuer als Jackaroo nach einem Tag schon wieder zu Ende. Ich gebe es zu, ich war vorher wirklich skeptisch, weil man als Stadtmensch schon ein wenig einrostet und den Sinn für die Natur verliert. Ich als eigentlicher Münchener Grossstadtcowboy kann das Cowboytraining inmitten der Idylle und Natur des „Real Australia“ sowas von empfehlen. Was ich allein in dem einen Tag erlebt habe, vom Lasso schmeißen und Indiana Jones spielen mit Peitsche bis zum Clint Eastwood Blick auf dem Pferd hat mich einfach nur fasziniert. Ich habe Tim und seiner Familie versprochen, wieder zu kommen und dann wird ein richtiger Jackaroo aus mir gemacht. 🙂