Wie ich einem kleinen Vogel das Leben rettete

Papageien in einem Wildlife-Projekt in Guatemala.
Yasmin kümmert sich in ihrem Projekt auch um Papageien.

Insider Yasmin berichtet darüber, wie sie einen kleinen Vogel aus dem Stacheldrahtzaun befreite:

Hallo 🙂

Zunächst begann heute Morgen wieder ein normaler Arbeitstag, um 06:30 Uhr aufstehen, was allen sehr schwer fiel, Papageienfutter machen und dann ging es zu den Schreihälsen füttern. 🙂 Beim Frühstück hat sich dann Anna, unsere Freiwilligenkoordinatorin, vorgestellt, die für unsere Sorgen, Probleme und alles Mögliche immer ein offenes Ohr hat.

Das habe ich auch direkt in Anspruch genommen, da ich mit Cecil nicht gut klar komme. Sie liebt ihre Papageien, redet aber kaum und lässt mich kaum etwas machen. Sie arbeitet oft, ohne mir Bescheid zu sagen. Ronja und Max dürfen ein paar Käfige sogar schon alleine machen. Jedenfalls war ich dann bei Anna, die mich sofort verstanden hat und meinte, dass Cecil eigentlich immer alleine arbeitet und ich nur mit ihr gearbeitet habe, weil sie eine Woche frei hatte und daher erst ab morgen wieder die Pläne macht. Fazit: Ab morgen werde ich mit Benji zusammen arbeiten und wir werden kleine Affen, ein Rehkitz, Papageien, Enten und ein Gürteltier versorgen 🙂

Zwischen Frühstück und Schicht 2 um 11:00 Uhr werden immer Arbeiten erledigt, die neben der Tierpflege anfallen, wie z.B. gestern die Säuberung aktuell leerer Ställe. Heute sollten Ronja, Tatjana und ich die Schafe und Ziegen ausmisten. Daher haben wir uns auf den Weg gemacht. Angekommen fiel Ronja und mir sofort ein Vogel auf, der auf einem Zaun saß und wie wild mit seinen Flügeln geschlagen hat. Als wir näher herangegangen sind, sahen wir dass der Vogel sich schrecklich im Stacheldrahtzaun verfangen hatte. Ich bin dann über den Zaun geklettert, um den Vogel ruhig zu halten und Ronja hat Tatjana und Carlos – einen Mitarbeiter, der mit uns da war, Bescheid gesagt. Zu dritt haben wir dann in der prallen Sonne versucht den Vogel zu befreien und es sah noch schlimmer aus, als es vorher schien. Er hatte sich mittlerweile nicht nur mit den Federn verhangen, sondern sogar durch seine Haut ist der Stacheldrahtzaun gegangen und so haben sich Federn, Haut und Zaun komplett verheddert. Tatjana und ich haben den Vogel dann versucht ruhig zu halten und Oscar hat Anweisungen gegeben, wie wir den Vogel drehen und ziehen müssen, damit er befreit werden kann. Nach einer halben Stunde Fummelei in der prallen Sonne waren wir alle total durch, aber hatten ihn – stark blutend – befreit.

Ronja und ich sind dann – ich mit Vogel in der Hand – schnell in das Camp und in die dazugehörige kleine Tierpraxis gegangen, wo wir den Vogel dann bei Anna und Alejandro abgeben haben.

Nach dem Mittagessen haben ihn die Beiden unter Narkose genäht. Leider verlief die OP nicht reibungslos und er hat kurz aufgehört zu atmen. Zum Glück konnten sie ihn reanimieren und er war kurz danach auch wieder quicklebendig 🙂

Aber das Schönste war, als Anna mich nach der letzten Schicht in ihr Büro gerufen hat und mir die Aufgabe überlassen hat, wie sie sagte, „meinen Kleinen“ wieder freizulassen *.* Ich war so stolz und bin dann mit Tatjana, Ronja und Max zur Fundstelle gegangen und habe ihn dort freigelassen. Besonders schön war zu sehen, dass das Weibchen noch Stunden später da saß und die Beiden dann gemeinsam weggeflogen sind.

Am Nachmittag sind wir dann zu viert wieder zum Steg am See gegangen, weil es bei weit über 30° und mehr als 70 % Luftfeuchtigkeit anders kaum auszuhalten war. Die Abkühlung war perfekt, doch leider hat mich eine von den gelben Moskitos in den Zeigefinger gestochen, woraufhin mein Finger extrem anschwoll, so dass ich ihn kaum noch bewegen konnte. 😛

Insgesamt habe ich ordentlich mit Moskitos zu kämpfen, aber was erwartet man auch im Dschungel – im Moment sind es über 25 Bisse.

Naja ich werde dann mal schlafen gehen, morgen gibt es neue Tiere zu pflegen und es ist Flores-Tag *.*

Eure Yasmin

http://www.praktikawelten.de/freiwilligenarbeit/wildlife/wildlife-in-guatemala/projektinfo.html

Papageien in einem Wildlife-Projekt in Guatemala.
Yasmin kümmert sich in ihrem Projekt auch um Papageien.