Vom Fitnessstudio ins Praktikum

Büroräume der Praktikumsstelle von Insider Kerstin

Stipendiatin Kerstin erzählt von ihrer tollen Arbeit in Kanada:

Drei Wochen verbringe ich jetzt bereits bei einer Agentur, die für ausländische (Hoch-)Schulen englischsprachige LehrerInnen rekrutiert. Das Büro im fünften Stock eines Reihenhauses befindet sich in Gastown, der Altstadt Vancouvers, umgeben von vielen Cafés und Shops. Mit dem Schlüssel zum Eingang lässt sich der Fahrstuhl in Gang setzen (auch wenn ich nach meinem Stillstand gleich am ersten Tag lieber zu Fuß gehe), der Fahrradraum öffnen und verschließen und – ja wirklich – das Fitnessstudio betreten. In der einstündigen Mittagspause lässt sich so eine kleine Sporteinheit integrieren, Duschen sind vor Ort – toll oder? Neben dieser Möglichkeit der Pausengestaltung bietet sich auch die Gelegenheit auf ein Tischsoccer-Match, der Manager ist verdammt gut! Und wer es etwas ruhiger angehen lassen mag, der genießt von der großen Essküche aus den Ausblick auf die See und North Vancouver…

Büroräume der Praktikumsstelle von Insider KerstinMein Tag beginnt um gemäßigte 9 Uhr mit dem Aufrufen der neuen Bewerbungen für einen Lehrer-Job in Südkorea. Ich führe entsprechend festgelegter Kriterien ein erstes Screening durch, aktualisiere die Daten im System und versende im günstigen Fall Einladungen für Job-Interviews, die sie selbstständig buchen können. Zu einem späteren Zeitpunkt rufe ich diese Personen an und erinnere sie an das Buchen eines Interviews, bzw. buche es für sie. Warum das Ganze? Der Chef legt Wert auf den persönlichen Kontakt! Für mich waren diese Gespräche zu Beginn des Praktikums eine große Herausforderung. Ich war immer sehr aufgeregt, denn die vielen verschiedenen Akzente sind zum Teil nicht einfach zu verstehen und gewiss ist meine Aussprache nicht immer perfekt und Fehler mache ich ohnehin. Andererseits, dachte ich mir, wenn diese Personen im Ausland Englisch unterrichten wollen, dann müssen sie auch mit mir zurechtkommen.  Nun ja, in dieser Woche hatte ich nun erstmals das Gefühl, dass die Hemmschwelle nicht mehr so groß ist und ich entspannter an die Aufgabe gehen kann… Gute zweieinhalb Wochen habe ich damit verbracht, eine über eine Suchmaschine erstellte Liste mit 700 Einträgen (zumeist ausländische Schulen) zu prüfen und ggf. Kontaktdaten aufzunehmen. Die Idee dahinter liegt in der Gewinnung neuer Auftraggeber weltweit. Expansion lautet ein Stichwort! Ein anderes: Suchmaschinenoptimierung. Vielleicht hat der oder die eine oder andere schon einmal davon gehört. Ziel ist es, über gezielte Maßnahmen (Keywords, Social Media usw.) mehr und für Google „bessere“ Klicks zu erhalten, um so im Ranking aufzusteigen. Denn nach Aussage des Chefs klicken nur 1 Prozent der User auf Seite 2 der Seite ihrer Suchergebnisse, 80-90 Prozent hingegen auf den ersten bis dritten Rang. Es ist logisch, was das bedeutet. Mehr Klicks, mehr Interessenten, mehr Rekrutierungen, mehr Geld! Business as usual! Das Unternehmen steht momentan auf Rang 9-10 und investiert viel, um seine Performance zu verbessern: Es wurde eine neue Website erstellt und seit dieser Woche eine neue Software zur Bearbeitung der Bewerbungen eingeführt. Mit Rina, ebenfalls eine Praktikantin, arbeite ich daran, auf Universitäten-Websites Jobs zu posten und relevante Personen per E-Mail zu kontaktieren, sie über die erfolgreiche Vermittlung eines ihrer Studentinnen oder Studenten zu informieren und sie anzuregen mit dieser und gern auch mit Footprints in Kontakt zu treten. Optimal wäre es, einen Link auf die Website der Uni zu setzen, aber ich denke, dass das mit dieser Strategie noch nicht gelingt. Anyway, es ist spannend einen solchen Prozess der Orientierung und Optimierung mitzuerleben!
Trotz oder auch aufgrund der sehr freundschaftlichen und lockeren Arbeitsatmosphäre arbeitet jeder, der aktuell 9 hier arbeitenden MitarbeiterInnen (+ zwei Praktikantinnen) fleißig und zielorientiert. In den wöchentlichen Teamsitzungen werden aktuelle Zahlen mitgeteilt, Probleme angesprochen und offen nach Lösungen gesucht. Gerade in der aktuellen Phase werden die Mitarbeiter motiviert, eigene Ideen einzubringen.

Zugegeben, es fällt mir schwer, einen Vergleich (m)eines kanadischen Unternehmens mit einem deutschen zu machen, denn meine bisherigen Praktika und Arbeitsverhältnisse verbrachte ich (mit Ausnahme einer Supermarktkette) in nicht gewinnorientierten Einrichtungen. Ich könnte mir allerdings vorstellen (und diese Vorstellung geht auch aus Unterhaltungen hervor), dass die Arbeitsatmosphäre in der Regel lockerer und kameradschaftlicher ist, als in Deutschland, der Druck auf den einzelnen Mitarbeiter zum Teil geringer ist und Ideen schneller und einfacher umgesetzt werden (wobei das natürlich u.a. auch besonders von der Unternehmensgröße abhängt). Was den Fleiß anbetrifft, da nehmen sich meiner Ansicht nach KanadierInnen und Deutsche nichts: In der Regel sind beide Nationen fleißig!

Kerstin

Praktikum in Kanada