Mmmmhhh! 😋 Das flüssige Gold aus Québec!

Im Frühling, wenn der Schnee noch liegt und die Tage wärmer werden, beginnt die Sirupzeit in Kanada. Dann leiten die Bäume ihren nährstoffreichen Saft hoch in die Blätter.

Eimer an Bäumen zum Ahron sammeln

1. Tapping

Es ist wirklich ein witziges Phänomen, dass von heute auf morgen an fast jedem Baum in Quebec diese Eimer hängen. Es müssen tausende sein! Unser Host ist in Quebec geboren, aufgewachsen und ein wahrer Québécois durch und durch. Er wollte also hausgemachten Ahornsirup produzieren.
Zunächst sind wir von Baum zu Baum gegangen, um die kleinen „taps“ in die Ahornbäume zu hämmern (bzw. erst bohren, dann hämmern – es sich einfacher 😉). Mit traditionellen Worten: „Courir les érables“. Die taps sind kleine Trichter, durch die der aufsteigende Saft abgezapft werden kann. Unterhalb der Trichter sind Hacken befestigt, an denen Julia und ich Eimer aufgehängt haben.

Sobald wir alle Eimer befestigt hatten, konnten wir schon das „Tock-Tock “ des tropfenden Baumsafts hören. Im Optimalfall fließt der Saft in einem stetigen Strahl, weshalb wir später oft nachschauen mussten, ob die Eimer schon voll sind. An einem Tag haben wir sie beispielsweise viermal ausleeren müssen.

Einige fragen sich wahrscheinlich: Baumsaft?! Wo ist denn da der Sirup? Wir waren zuerst auch verwirrt. 😄  – Der gesammelte Saft „sap“, muss erst gekocht werden, um zu Sirup zu werden.

2. Das Kochen

Also haben wir unsere vollen Eimer in einen riesigen Kochtopf umgefüllt. Tag und Nacht war der Ofen heiß und der Saft stillschweigend am Kochen. Schon am nächsten Tag konnten wir sehen, wie der vorher durchsichtige Saft, allmählich dunkler geworden ist. Aber wir wollten am Ende ja mehr als einen Schluck Sirup haben, also haben wir den Kochtopf mehrmals mit frischem Saft aufgefüllt.

Dann wurde es hektisch! Der Sirup begann zu blubbern! Denn den fertigen Ahornsirup vom Herd zu nehmen bedarf präzisem Timing.

  • Nimmt man ihn zu früh runter, ist er noch flüssig, darf aber nicht wieder erhitzt werden.
  • Lässt man ihn zu lange, wird er später zu fest.

Das erste Mal war unser Host leider nicht da. Julia, ich und seine Frau waren in Panik verfallen und der zweite Fall war eingetreten. Dann ist der Sirup nur noch zu einem zu gebrauchen > TIRE!

3. Endprodukt Sirup

😋 Tire ist eine typische Touristenattraktion. Dafür wird frischer Schnee ausgewalzt und der Sirup in Streifen ausgegossen. Durch den Schnee kühlen die Streifen ab und können aufgerollt werden. Wir hatten den Mund voll Ahornsirup. Für Julia zu viel, für mich der Himmel auf Erden.

Endprodukt: Sirup - Tire

 

Mmmmhhh!

Beim nächsten Mal war unser Host zum Glück da und wir konnten den Sirup in Gläser abfüllen. Die Gläser werden vorab im Ofen erwärmt und die Deckel in einem Topf gekocht. Ich glaube, dadurch wir später ein besseres Vakuum erreicht. Dann haben wir den Sirup durch Mullbinden gegossen. Normalerweise werden Filtertücher aus Lein oder Baumwolle genommen. Bevor das Glas verschlossen wird, darf der Sirup auf gar keinen Fall umgerührt werden, sonst erhärtet er im Glas. Viel Spaß, ihn wieder raus zu bekommen!
Den Fehler habe ich schon gemacht. 😄

Am Ende konnte unser Host, 18 neue Gläser mit ca. 14 Litern Sirup, aus 8 Ahornbäumen, seinem Vorrat hinzufügen. Beeindruckend! Und das war noch nicht alles. Jetzt durften wir all die süßen, aus Sirup triefenden Rezepte ausprobieren. 😍

Habt ihr Lust zu erfahren, wie Ahornsirup im großen Stil produziert wird? Dann lest weiter: Sirupzeit (2) – Sugar Shacks

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