Teufelsnasenzugfahrt, Inkaruinen & die schönste Stadt Ecuadors

Pia sitzt im Schneidersitz auf einem Felsen, im Hintergrund ein See und die Berge

Insider Pia hat mal wieder einen sehr abwechslungsreichen Ausflug gemacht. Unter anderem hat sie die wohl schönste Stadt Ecuadors besucht. Sie berichtet von ihren Erlebnissen.

Hola ihr Lieben!
Letzte Woche haben wir das erste Mal einen längeren Trip unternommen.
Donnerstagmorgen sind wir mit dem Bus als erstes nach Riobamba gefahren, wo wir den Tag verbracht haben, bevor es abends nach Alousi ging. Dort haben wir übernachtet und am nächsten Tag die sogenannte Teufelsnasenzugfahrt gemacht. Danach ging‘s dann mit dem nächsten Bus weiter über Ingapirca (Inkaruinen) nach Cuenca. Cuenca ist mit Abstand die schönste Stadt, die ich in Ecuador bisher gesehen habe!

Aber nun einmal von vorne 😉 Donnerstag sind wir um 06:45 Uhr morgens mit dem Bus nach Riobamba gefahren. Riobamba liegt etwa vier Stunden südlich von Quito und ist eher weniger touristisch. Im Vergleich zu anderen ecuadorianischen Städten hat Riobamba nicht sooo viel zu bieten, aber da es auf dem Weg nach Cuenca liegt haben wir uns trotzdem den Tag Zeit genommen, um uns die Stadt ein wenig anzuschauen. Es war auch irgendwie mal ganz schön, als fast einzige „Touris“ unterwegs zu sein. 😉 Wir sind ein wenig durch die Stadt gelaufen, haben uns ein paar Parks angeschaut und sind über den Markt geschlendert, wo wir ein super leckeres Almuerzo (Mittagessen) für 1,50 Dollar gegessen haben. Als wir später einfach ein bisschen im Park die Sonne genossen haben, haben wir dann wirklich hautnah erlebt, dass außer uns und vielleicht noch zwei oder drei anderen Gestalten, hier wirklich keinerlei „Gringos“ rumlaufen – ein paar junge Ecuadorianer haben uns plötzlich einfach so angesprochen, ob sie ein Foto mit uns machen können. 😀 Na klar, gar kein Problem! Also haben wir ein paar Fotos geschossen und uns im Anschluss von unseren neuen Amigos verabschiedet, bevor wir uns auf den Weg zum Bus gemacht haben.

Zwei Busstunden später sind wir dann in Alousi angekommen. Wir hatten einen wirklich super süßen Busfahrer: als wir ihm erzählt haben, in welchem Hostel wir sind und dass wir aber vorher noch was essen gehen wollen hat er uns ein Restaurant empfohlen und dann sogar noch selber mit dem Bus hingefahren. Ecuadorianer sind echt wirklich sehr hilfsbereit. Nach einem leckeren Abendessen hatten wir dann die nächste Begegnung mit unseren lieben Ecuadorianern. Da es schon sehr dunkel war und unser Hostel ein wenig außerhalb lag, hat uns der Besitzer des Restaurants dann sogar noch auf der Ladefläche seines Pick-Ups dort hingefahren. Am Hostel angekommen hat ein sehr gemütliches Hostelzimmer auf uns gewartet. Da wir alle hundemüde waren und am nächsten Tag um 8:00 Uhr morgens die Zugfahrt zum Nariz Del Diablo anstand, sind wir relativ schnell ins Bett gegangen. Unser Zimmer haben wir uns statt zu fünft am Ende dann zu sechst geteilt – Rock, der Hund des Hostelbesitzers, hatte uns so gern, dass er sich gar nicht mehr von uns trennen wollte und am Ende bei Clemens mit im Bett geschlafen hat. 😀 Am nächsten Morgen hat um 7:00 Uhr dann unser Wecker geklingelt und wir haben uns auf den Weg zum Bahnhof gemacht. Die Teufelsnasenzugfahrt führt durch die Berge hin nach Simbabe und dem Berg „Nariz Del Diablo“, wo ein kleiner Zwischenstopp gemacht wird.

Auch wenn es ein bisschen bewölkt war, war die Aussicht atemberaubend und die Natur um uns herum echt beeindruckend. In Simbabe, dem kleinen Bahnhof mitten in den Bergen, haben wir dann eine Stunde Pause gemacht, Fotos geschossen, uns die Tänze der Einheimischen angeschaut und die Sonne, die dann endlich rauskam genossen. Der Rückweg war durch die Sonne dann wesentlich schöner als der Hinweg. Wir haben viele Bilder gemacht und sind nach einer Stunde Rückfahrt glücklich wieder in Alousi angekommen.

Im Anschluss ging es für uns dann auch gleich weiter zur nächsten „Touri-Attraktion“. Mit dem Bus sind wir nach zwei weiteren Stunden Fahrt in Ingapirca gewesen. Ingapirca ist bekannt für seine Inkaruinen, die auch wir uns diesen Freitag anschauen wollten. Wir haben eine Führung gebucht und uns dann in die Ruinen begeben. Obwohl die Führung auf Spanisch war, haben wir alles mehr oder weniger verstanden und waren fasziniert von den Inkaruinen. Sogar das Wetter hat mitgespielt, sodass man neben den Ruinen noch einen tollen Blick über die umliegenden Berge hatte. Einfach ein rundum gelungener Tag!

Um 15:45 Uhr haben wir dann unsere erst mal letzte Busfahrt angetreten und sind nach Cuenca gefahren. Cuenca liegt insgesamt knappe 550 km südlich von Quito und ist die drittgrößte Stadt Ecuadors. Die Altstadt ist UNESCO-Weltkulturerbe. Generell hat Cuenca kulturell mit vielen Museen und mehr als 50 Kirchen sehr viel zu bieten.

Nachdem wir um ca. 18:00 Uhr angekommen waren, haben wir uns zuerst auf den Weg ins Hostel gemacht. Wir haben die beiden Nächte im „Hostal Yakumama“ verbracht. Sehr empfehlenswert – große geräumige Zimmer auf deutschem Jugendherbergsstandard, eine tolle Bar mit Happy Hour (2,50 Dollar für einen Cocktail!), einem gemütlichen „Restaurant“, leckerem Frühstück und überwiegend netten Leuten. Im Hostel haben wir dann auch Leo, den Jungen den Kati und ich das Wochenende zuvor in Tena kennengelernt haben, wiedergetroffen. Wir haben dort bereits festgestellt, dass er auch für das kommende Wochenende einen Trip nach Cuenca plant. Zusammen dann also das Hostel gebucht und uns dort dann Freitagabend wiedergesehen. Außerdem haben wir in Cuenca Kari und Isabel, zwei norwegische Mädels die wir in der Sprachschule in Quito kennengelernt haben und die jetzt ihr Volunteering in Cuenca machen, wiedergetroffen. Ich habe mich wirklich gefreut, die beiden dort zu sehen, weil wir uns bereits in Quito toll verstanden haben. Nach dem Abendessen haben uns die beiden dann noch ein bisschen durch die Stadt geführt. Cuenca ist echt traumhaft schön. Man merkt, dass die Stadt spanische Kolonialstadt war – wenn man so durch die Straßen läuft, hat man teilweise das Gefühl man geht durch Barcelona. 😉 Wieder zurück im Hostel haben wir uns in unsere gemütlichen Betten gekuschelt (es gab sogar „richtige“ Bettdecken und nicht wie sonst nur ein dünnes Laken mit Wolldecke drüber) und alle erst mal tief und fest bis zum nächsten Morgen geschlafen.

Am Samstag war dann Sightseeing in Cuenca angesagt. Nach dem Frühstück haben uns Isabel und Kari am Hostel abgeholt und wir haben uns gemeinsam auf den Weg gemacht.
Als erstes hat es uns zu dem bekannten Blumenmarkt (Mercado de las Flores) neben der neuen Kathedrale geführt. Die vielen Farben sahen wirklich traumhaft schön aus und es hat überall wunderbar geduftet.
Anschließend sind wir durch die Stadt zum Centro Municipal Artesanal geschlendert. Ein kleiner Kunsthandwerksmarkt mit vielen schönen, häufig handgemachten Souvenirs. Nach einer kleinen Shopping-Runde über den Markt wollten wir eigentlich zur, im Reiseführer angepriesenen, deutschen Bäckerei (mit über 30 Brotsorten!) gehen. Voller Vorfreude auf nach langer Zeit mal wieder richtiges Brot (sowas bekommt man in Ecuador nämlich normalerweise nicht) haben wir uns auf den Weg gemacht und mussten als wir da waren leider ernüchtert feststellen, dass das Café Samstag und Sonntag zu hat. Also sind wir woanders Mittag essen gegangen und im Anschluss dann zur Neuen Kathedrale, der Catedral Metropolitana, gelaufen. Wir haben uns entschieden, für 3 Dollar die geführte Tour zu machen. Unseren spanischsprachigen Guide konnten wir sogar relativ gut verstehen. 😉 Wir haben uns das beeindruckende Innere der Kirche angeschaut, herausgefunden, dass der Architekt aus Deutschland kommt, sind in die Gruft unter der Kathedrale gegangen und hoch auf‘s Dach gefahren. Die Kirche vereint 3 verschiedene Baustile miteinander und ist wirklich sehr beeindruckend. Wenn man reinkommt, fühlt man sich plötzlich ganz klein… Vom Dach aus hatten wir außerdem einen tollen Blick auf den Park vor der Kathedrale und generell über ganz Cuenca. Danach ging es weiter zur „Casa del Sombrero“, einem Museum in welchem wir die Herstellung der Panamahüte kennenlernen konnten. Wir haben eine kleine Führung gemacht – mal wieder auf Spanisch (jaja, es wird immer besser mit dem Verstehen).

Hinterher habe wir uns noch gemütlich in ein kleines Café oberhalb des Flusses gesetzt und das tolle sonnige Wetter genossen, bevor wir uns auf dem Markt ein bisschen Obst, sowie Avocado und Brot für‘s Abendessen gekauft haben.
Vor dem Abendessen ging es dann aber erst noch einmal mit dem Taxi los zum Mira del Turi, einem Aussichtspunkt, von dem aus man einen tollen Blick über Cuenca genießen kann. Besonders beim Sonnenuntergang sollte es, wie wir gehört haben, wunderschön sein – und wir wurden nicht enttäuscht! Während es langsam dunkler wurde und die Lichter in der Stadt nach und nach angingen, haben wir einfach nur den Moment genossen, tolle Fotos gemacht, gequatscht, gelacht und den Abend gemütlich ausklingen lassen.

Zurück im Hostel haben wir dann lecker gegessen und im Anschluss die Happy Hour in der Hostel-Bar mitgenommen – Cocktails für 2,50 Dollar sind einfach unschlagbar. 😉 Später sind dann Kari und Isabel wieder vorbeigekommen und wir sind in einen nahegelegenen Club („Zoociedad“) noch ein bisschen Salsa tanzen und feiern gegangen. Es war superlustig, da es dort im Gegensatz zu den Clubs in Quito-Mariscal mal nicht überfüllt mit „Gringos“ war, sondern wir hauptsächlich auf Locals getroffen sind. Am Sonntag haben wir uns den gesamten Tag Zeit genommen, um in den El Cajas, den Nationalpark nahe Cuenca, zu fahren. Nach dem Frühstück ging es gegen 09:30 Uhr los zum Busbahnhof. Dort hat sich dann ein kleines Problem aufgetan: man kann die Tickets nur direkt im Bus kaufen, was allerdings relativ schwierig ist, da alle Bus nach Cajas eigentlich nach Guayaquil fahren. Die Bustickets werden also vorzugsweise an Fahrgäste verkauft, die bis nach Guayaquil fahren möchten, weshalb im ersten Bus eigentlich bereits keine Plätze mehr frei waren. Nach langem Bittebitte konnte wir das Herz des Busfahrers dann aber doch noch erweichen und er hat uns erlaubt, auf dem Boden im Gang zwischen den Sitzen mitzufahren. 😀 Kein Problem für uns – Hauptsache wir kommen zum Cajas dachten wir. 😉 Eine dreiviertel Stunde mehr oder weniger bequeme Busfahrt später sind wir dann auch am Nationalpark gewesen. Die Berge rundherum waren schon beim Aussteigen beeindruckend schön. Wir haben uns entschieden, bis nach ganz oben auf den Berg zu wandern und auf dem Rückweg noch einen Abstecher zur Lagune zu machen.

Das Wandern habe ich als eigentlich größter Wandermuffel mir etwas weniger anstrengend vorgestellt. 😀 Es gab quasi keinen Weg, wir sind die gesamte Zeit querfeldein durch die hohen Gräser steil bergauf geklettert. Außerdem habe ich schnell feststellen müssen, dass es eben doch etwas Anderes ist, hier eine Hiking-Tour zu machen, als im Sommerurlaub in Österreich. Die Tatsache, dass unser Ausgangspunkt bereits auf 3000 Meter Höhe lag, habe ich bereits nach der ersten „Etappe“ zu spüren bekommen. Die Luft ist einfach wirklich dünner und obwohl ich eigentlich eine relativ gute Kondition habe (dachte ich bis dato jedenfalls), habe ich mich an diesem Tag absolut unsportlich gefühlt, haha. 😀 Aber naja, der Ausblick von ganz oben, den wir knapp zwei Stunden später genießen konnten, hat für all das entschädigt – es war einfach atemberaubend! Ich musste echt erst mal realisieren, dass ich gerade wirklich hier oben bin und über diese Wahnsinnsnatur blicke. Die Berge, die Lagune, … einfach ein Traum!

Da es dort ganz oben dann doch sehr frisch war (es war echt verrückt, wir sind unten im T-Shirt gestartet und hatten oben Fleece- und Regenjacke sowie Schal und wenn man eine hatte sogar noch eine Mütze auf!), haben wir uns relativ schnell wieder auf den Rückweg gemacht, welcher uns an der wunderschönen Lagune vorbeigeführt hat. Der Abstieg war auf andere Art und Weise irgendwie genauso anstrengend wie der Aufstieg, da wir die ganze Zeit damit beschäftigt waren, möglichst nicht in irgendein Loch zu treten, auszurutschen oder umzuknicken. 😀 An der Lagune angekommen haben wir einen traumhaft schönen Blick auf den See und die Berge genossen. Da die Sonne geschienen hat, hat sich der Berg direkt hinter der Lagune im Wasser gespiegelt. Es war wirklich wunderschön, es sah fast schon unecht aus!

Anschließend sind wir dann zurück ins Tal gewandert und haben erst mal „gejaust“. Ich habe mir eins meiner ecuadorianischen Lieblingsessen geholt: eine süße gegrillte Kochbanane gefüllt mit Käse – sooo lecker. Nachdem wir uns alle nach dieser anstrengenden Wanderung wieder gestärkt hatten, haben wir uns auf den Rückweg nach Cuenca gemacht. Da wir nicht auf einen Bus warten wollten, haben wir es einfach mal mit Daumen raushalten versucht und nachdem die ersten 5 Autos an uns vorbeigefahren sind, hat dann tatsächlich eines angehalten. Der freundliche Ecuadorianer hat uns angeboten, dass er uns hinten auf der Ladefläche mitnehmen kann. Als er diese geöffnet hat, haben wir die nächste Überraschung an diesem Tag erlebt: morgens am Busbahnhof haben wir eine amerikanische Familie kennengelernt, welche auch zum Cajas wollte, dann aber einen anderen Bus genommen hat – wie es der Zufall wollte, haben wir genau sie bei unserer Mitfahrgelegenheit dann wiedergetroffen und uns die gesamte Rückfahrt nett unterhalten und über den Tag im Nationalpark ausgetauscht. Wieder in Cuenca sind wir zurück zum Hostel unsere Sachen holen gegangen, haben uns noch schnell ein Eis bei unserer neu entdeckten Lieblingseisdiele (Tutto Freddo – unbedingt die Sorte Selva Negra probieren!) geholt und sind im Anschluss zurück zum Busbahnhof gefahren. Um 18:30 Uhr haben wir den Bus nach Hause genommen, wo wir nach einer rekordverdächtigen Zeit von nicht mal ganz acht Stunden Fahrt wieder gesund und munter, aber auch extrem müde angekommen sind. Wir sind alle einfach nur noch ins Bett gefallen und haben die restlichen vier Stunden geschlafen, bevor es dann schon wieder hieß „off to work“!

Insgesamt waren es wunderschöne vier Tage! Cuenca sollte bei jedem Ecuador-Reisenden ganz oben auf der „To-Do-List“ stehen – so eine tolle Stadt darf man sich einfach nicht entgehen lassen! Kommenden Samstag (27.2.) fahren wir nach Otavalo. Die kleine Stadt mit ca. 50000 Einwohnern liegt etwa 100km nördlich von Quito und ist bekannt für den wunderschönen Markt – jeden Samstag verwandelt sich quasi die gesamte Stadt in einen riesigen farbenfrohen Mercado! Ich bin gespannt und hoffe, nicht zu viel Geld für Souvenirs, Mitbringsel etc. dort zu lassen. 😀

Bis dann und Saludos aus Ecuador! Pia

Sozialarbeit in Ecuador