Sierras der Provinz Córdoba

Gemüse auf dem Grill

Unser Stipendiat Lukas berichtet von seinen ersten Tagen in Argentinien und erzählt vom leckeren Asado Grillfest:

Kaum angekommen, stand am Samstag, meiner ersten Woche in Córdoba, auch schon der erste Ausflug an. Wir, meine Gastfamilie und ich, wollten in die Sierras de Córdoba fahren. Meine Gastfamilie ist übrigens ein junges, argentinisches und sehr sympathisches Pärchen und lebt in einer Wohnung im Zentrum Córdobas.
Gemüse auf dem GrillDas Ziel der einstündigen Fahrt durch die Provinz Córdoba, war ein kleines Haus in den Sierras der Gegend „Valle de Paravachasca“, das dem Freund und Chef meines „Gastvaters“ (alterstechnisch eigentlich wohl eher Gastbruder, er ist Anfang 30) gehört. Der Name „Paravaschasca“ stammt aus dem Vokabular der indigenen Bevölkerung und bedeutet Ort verknäuelter, verworrener Vegetation. Was diese Beschreibung in Natura bedeutet durfte ich bald sehen.

Etwas übermüdet, in Córdoba kann man und sollte man auch gar nicht dem Nachtleben entkommen, ging es morgens um 8 Uhr mit einem roten Renault 4 los. Für das Alter des Autos äußerst leistungsstark, wenn auch mit hin und wieder anspringender Alarmanlage, tuckerten wir also durch die Unebenen. Die unterschiedlichen Altersgruppen der Autos und die wechselhafte Infrastruktur sind in Córdoba signifikant.
Seine Kraft konnte der 30jährige Franzose besonders auf dem letzten und unbefestigten Teil der Strecke beweisen. Schlagloch für Schlagloch inspizierten wir die Gegend, bis wir vor einem Gatter einer alten Rinderzucht zum Stehen kamen. Auf dem Grundstück fand sich ein kleines, modernes Haus. Es erinnert an den Stil van der Rohes. Viel Glas, grob und einfach verarbeitet, kubistische Form. Durch die grobe Betonverarbeitung, aus der hin und wieder ein Naturstein hervorlugte, gliederte sich das Haus trotz seiner unnatürlichen Form sehr gut in die felsige und verwachsene Umgebung der Sierras.

Nachdem wir uns ein wenig eingerichtet hatten tranken wir Mate und entspannten in Hängematten und Liegestuhl. Die Ruhe und Abgeschiedenheit der Natur war eine erholsame Abwechslung zum lauten und schnellen Stadtleben. Abgesehen von Vogelgezwitscher und Grillengesängen war hier wirklich nichts zu hören. Der einzige und regelmäßige Besucher war ein Zorro, ein Fuchs, der wahrscheinlich die frische Pasta, vor allem aber wohl das Fleisch gewittert hatte. Abends gingen wir noch für einen kleinen Snack in ein Café und spielten anschließend Karten und Kniffel. Die Kommunikation zwischen mir und meinen Gasteltern war und ist immer noch sehr schwer, aber es mangelte trotzdem nicht an lustigen Momenten. Im Gegenteil, beide sind sehr humorvoll und ich bin sehr glücklich darüber, dass sie mich in ihrem Haus aufgenommen haben.

Am nächsten Tag machten wir ein Asado, ein Grillfest. Eine typisch argentinische Gelegenheit ordentlich Fleisch zu essen, weshalb dieser Festschmaus in der deutschen Umgangssprache auch als „Fleischberg“ übersetzt wird. Insgesamt garten wir aber tatsächlich alles über oder in der Glut. Aubergine, Paprika, Zucchini und Zwiebeln legten wir einfach in die heißen Kohlen. Anschließend wurde das Gemüse von der verkohlten Schale befreit und zu einem Salat zubereitet, während das Fleisch langsam über der Restglut gegrillt wurde.
Lachend und äußerst passend zum Asado hieß mich meine Gastfamilie nochmals in Argentinien willkommen.
Das Gemüse hatte natürlich einen sehr rauchigen Geschmack war aber sehr lecker und zusammen mit dem Fleisch blieb kein Wunsch unerfüllt.

Der Name der Gegend „Ort verkrauteter, verknäulter Vegetation“ war im Übrigen eine treffende Beschreibung, wie ich auf einem gemeinsamen Spaziergang herausfand. Tatsächlich wuchs hier alles über- und ineinander. Zwischen den Bäumen spannten sich Schling- und Kletterpflanzen und zwischen den Büschen und kniehohem Gras wuchsen Kakteen. Weil diese Gegend zu Waldbränden neigt, gab es auch viele verkohlte Bäume, deren Kronen dennoch durch andere Pflanzen begrünt wurden, ein wunderbares Bespiel dafür, wie sich die Vegetation hier verknäult!

Humanmedizin in Argentinien