Roadtrip von Perth nach Adelaide

Mara kniet an einem Strand im Sand, ein Känguru beschnuppert sie neugierig

Unser Insider Mara hat einen unvergesslichen Roadtrip von Perth nach Adelaide unternommen und dabei Freundschaften und Erinnerungen für’s Leben gesammelt.

Der Tag meines nächsten und unbestreitbar mit am spaßigsten Abenteuers fing alles andere als vielversprechend an. Es war kühl und regnerisch und ich hatte eine Nachricht der Jungs auf dem Handy, ob ich den Bus zu ihnen nehmen könnte, da sie mit dem Packen noch lange hinter dem Zeitplan lägen. Ich sammelte meine gewaschene Wäsche von der Leine draußen und musste sie nun doch noch in den Trockner verfrachten um sie einpacken zu können. Ich frühstückte mit dem Niederländer aus meinem Zimmer und verabschiedete mich ein wenig wehmütig von meinen anderen Zimmerkameraden und dann von Perth City.

Ich nahm eine Bahn nach Midland und dann den Bus: Ich bat die Busfahrerin, mir an der Station Bescheid zu sagen, und sie sagte zu, vergaß es aber dann. Ich hatte mir die Strecke auf einer Karte angeschaut und mich deshalb gewundert, warum wir schon so lange unterwegs waren und sie immer noch nichts sagte. Als wir dann auf den Highway zurückfuhren, wusste ich, dass es höchste Zeit wurde auszusteigen. Ich musste also bei einsetzendem Niesel, voll bepackt 2,5km am Highway zurücklaufen. 2 besorgte Australier hielten sogar neben mir und fragten mich, ob sie mich ein Stück mitnehmen sollten, einer hatte sogar extra gewendet, als er mich auf der anderen Seite hatte laufen sehen. Ich lehnte allerdings dankend ab, da ich nicht ganz genau wusste wo ich hin musste, die Leute nicht aufhalten wollte und auch ein wenig zu stolz war, um zu erzählen, dass ich meinen Ausstieg einfach verpasst hatte. Als ich dann endlich bei Leons und Laurins Adresse ankam war ich durchgeschwitzt und ein wenig erschöpft, aber konnte schon über die Situation lachen. Ich lud meine Backpacks ab und begann den Jungs zu helfen, das Chaos zu beseitigen, das noch immer in dem Haus und vor dem Auto herrschte.

Die Roadtrip-Gruppe: Mara und die beiden Jungs am Auto

Tatsächlich dauerte es noch weitere 1,5 Stunden bevor wir überhaupt alles im Auto hatten und losfahren konnten. Allerdings auch nur, um zu tanken und einzukaufen. Das Auto war brechend voll, sogar auf dem Dachträger war eine Menge untergebracht. Aber verglichen zu dem ersten Roadtrip waren die beiden Jungs auch einfach nur wahnsinnig gut ausgestattet und ich hatte immer noch massig Platz auf meinem Rücksitz. An diesem Punkt muss ich den beiden defintiv den höchsten Respekt zollen, was sie aus einem „einfachen“ Allradfahrzeug gemacht haben: Im Kofferraum ist ein Regal eingebaut, mit einem fast perfekten Boxensystem und ausziehbarem Kühlschrank. Das Equipment selbst macht mancher Studentenbude mit Sicherheit Konkurrenz. Von Werkzeug über Kochutensilien, Waschzeug und natürlich das übliche Campingequipment war nämlich mehr als nur alles Nötige dabei. Zelte, Luftmatratze für mich und richtige Campingbetten für die beiden, Schlafsäcke, Decke, Kissen, eine Lichtleiste an der Außenseite des Autos, eine Solarplatte zum Laden einer Batterie für Handys und sonstige Elektronik auf dem Dach. Stühle und Tisch, verschiedene Planen, falls es regnen sollte, mehrere Wasserkanister, ein Benzinkanister, eine große Gasflasche und einige Kisten mit noch mehr Werkzeugen, Zubehör und sogar Angelequipment.

Neben mir auf dem Rücksitz standen unsere drei Backpacks, eine Auswahl an Getränkedosen sowie ein meist sehr gutes Sortiment an Keksen (dafür war immer gesorgt), sowie jede Menge anderes Essen, das allerdings im Kofferraum landete.

Als wir also endlich bereit waren, aufzubrechen, war es bereits drei Uhr. Aber das war der Punkt, an dem definitiv der Spaß begann. Wir fuhren noch etwa drei Stunden, hörten Musik und sangen mit, erzählten Geschichten unserer Australien-Zeit und ich war schon ziemlich begeistert! Ich machte mich nützlich, indem ich einen günstigen Campingplatz aussuchte und Kekse nach vorne reichte.

Als wir ankamen, halfen mir die Jungs mit meinem Zelt und dem Kompressor für meine Matratze, bevor sie ihre Sachen aufbauten. Dann mussten wir alle lange Klamotten in unserem Backpack suchen, denn es war ziemlich kalt geworden. Danach übernahm ich das Kochen, nicht mit eigenem Equipment, sondern in der Campküche, während die Jungs Fernsehen schauten. Wir saßen noch einige Zeit zusammen und quatschten, beschlossen dann aber, schlafen zu gehen, da uns allen ziemlich kalt war. Die ersten paar Nächte waren grausam, um es vorwegzunehmen, es waren knapp unter 10 Grad und ich hatte nur einen wirklich sehr dünnen Schlafsack. Dementsprechend musste ich also erst mal frieren, bevor ich mir nach etwa einer Woche einen dickeren Schlafsack kaufen konnte. Nach einer heißen Dusche am nächsten Morgen packten wir unser Zeug zusammen und machten uns auf den Weg, die Stadt anzusehen, in der wir gelandet waren.

Ich habe die nächsten Tage allerdings so viel erlebt, dass ich besser wieder nur die Highlights zusammenfassen werde, und auch das wird noch mehr als ausführlich genug sein, um einen Eindruck davon zu gewinnen, wie überragend meine Zeit mit Leon und Laurin war!

Mara kniet an einem Strand im Sand, ein Känguru beschnuppert sie neugierig

In den insgesamt 16 Tagen mit den beiden Jungs hatte ich unglaublich viel Spaß und habe so viele wundervolle Dinge gesehen, dass ich wirklich meine Schwierigkeiten damit habe, nicht mal mehr zwei Wochen zu haben, bis ich nach Hause fliege. Wir haben keinen Tag auf dieselbe Weise verbracht, sind oftmals abseits der üblichen Routen unterwegs gewesen, denn wir hatten ja einen 4WD (Wagen mit Allradantrieb). So konnten wir teilweise direkt am Strand oder auf Klippen schlafen oder einfach nur die etwas unberührteren Plätze besuchen. Und das haben wir genutzt! Wir waren in einigen wunderschönen Nationalparks, haben unzählige Buchten besucht, sind durch Wälder und auf Berge gewandert, haben einige riesige Bäume erklettert und unsere Mahlzeiten direkt an Stränden zubereitet…

(Wenn jemand sich die Route mal auf einer Karte anschauen möchte, wir sind von Perth aus runter bis Cape Leuwin gefahren, von dort aus nach Denmark und Albany, danach nach Esperance. Anschließend ging es sehr lange geradeaus durch die Nullarbor Plains über die Grenze von West- und Südaustralien bis nach Ceduna, von dort aus in den Süden nach Port Lincoln. Ab dort ging es über Wyalla und Port Augusta wieder ein Stück in den Norden und dann nach Adelaide.)

Wir hatten fantastische Campingplätze, für die wir oftmals nicht einmal bezahlen mussten (Wikicamps sei Dank!). Und wir waren jeden Tag so begeistert von allem, was wir erlebt haben, dass es niemanden gestört hat, wenn es kein fließend Wasser in den Toiletten oder für Duschen gab. Wir hatten ja unsere Kanister für Trinkwasser, Kochen und Spülen. Unterwegs haben wir unglaublich viele Wildtiere wie Kängurus, Emus, Schlangen, Echsen und Käfer gesehen, aber auch eine große Gruppe wilde Seelöwen und sogar Delfine am letzten Tag, die wir in einem Hafen mit Fisch füttern konnten. Die Fotos, die wir alle gemacht haben, werden mich immer daran erinnern, was wir alles gesehen haben, können aber nur ansatzweise wiedergeben, was wir da an der Südküste alles erleben und sehen durften.

Oft sind wir einfach losgefahren, haben ein Infocenter besucht, uns Kartenmaterial besorgt und dann die Plätze angeschaut, die sich interessant anhörten. Mindestens ebenso oft sind wir aber auch in eine beliebige Straße abgebogen und mal kurz gucken gefahren, Schildern mit spannenden Namen gefolgt oder haben einfach auf der Strecke angehalten, wenn es etwas Interessantes zu sehen gab. Man muss dazu vielleicht sagen, dass ein Highway hier in Australien oft einfach nur wie eine Landstraße in Deutschland ist, das Geschwindigkeitslimit liegt zumeist bei 100 oder weniger. Uuuund… Die Straßen sind meist wirklich nicht sehr stark befahren, deshalb ist es keinesfalls so gefährlich einfach anzuhalten, wie es sich anhört.

Sonnenuntergang mit vielen Farben am Strand

Im Auto lief immer Musik und vor allem auf den langen Strecken haben wir die Lautstärke auch mal aufgedreht und mitgesungen, was hoffentlich niemand außer uns selbst je gehört hat. Unsere Route war durchaus typisch, ein französisches Pärchen haben wir 5 Tage lang zufälligerweise mindestens einmal am Tag getroffen.

Ein paar Mal haben die Jungs die Angel ausgepackt und im Laufe der Reise von einigen Australiern Tipps gesammelt, was sie verbessern könnten. Einmal haben die beiden nachmittags sogar innerhalb von 5 Minuten zwei Fische gefangen. Ansonsten waren sie (glücklicherweise wie ich finde, trauriger weise wie sie fanden) erfolglos, wenn sie abends mit der Angel an den Strand oder Fluss nahe des Campingplatzes zogen, aber Spaß hatten sie immer. Meistens habe ich die Zeit genutzt, um für die Jungs und natürlich mich zu kochen. Dann haben wir zusammen gesessen, unser Gläschen australischen Wein aus dem Kanister getrunken und gequatscht. Zwei Abende haben wir vor Kälte im Auto verbracht, ansonsten saßen wir unter Millionen Sternen, haben Kekse oder einmal sogar einen selbstgemachten Kuchen gegessen, als wir auf einem nobleren Campingplatz waren und den Abend genossen. Dabei kann ich leider nicht behaupten, dass es angenehm warm gewesen wäre, tatsächlich war es mindestens die Hälfte der Zeit sogar relativ kühl (etwa 20 Grad) und abends konnten wir unsere Jacken immer gut gebrauchen. Aber wir hatten auch einige wirklich heiße Tage (45 Grad), an denen wir uns aber immer in einer der vielen wunderschönen Buchten an der Küste abkühlen konnten.

Leider wurde zum Ende hin die Zeit ein wenig knapp, sodass wir ein wenig hetzen mussten, um nach Adelaide zu kommen, damit ich meine nächste Tour starten konnte. Trotzdem war es alles in allem eine so entspannte und ereignisreiche Zeit mit den beiden, dass ich mehr als froh bin, die beiden als neue Freunde bezeichnen zu dürfen und einige unglaubliche Erlebnisse und jede Menge Spaß mit ihnen geteilt zu haben. Ich hätte nie zu hoffen gewagt, dass wir uns so gut verstehen würden und ich sie so vermissen würde, wie ich es tue.

Ich bin fest entschlossen, den Kontakt mit ihnen zu halten und mich irgendwann nochmal mit ihnen zu treffen. Und das ist eine weitere Sache, die ich an Australien und meiner Reise hier liebe: Ich habe hier Menschen getroffen, mit denen ich Erinnerungen für immer teile, und das ist einer der besten Grundsteine für eine Freundschaft!

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