Prinzessin Zimperlich packt für Australien

Insider Kerstin berichtet aus München über ihre Vorbereitungen:

„Da kannst du aber nicht alle deine Handtaschen mitnehmen“, ist die erste Reaktion meiner Mutter, als ich ihr erzähle, dass ich mich für ein Work & Travel Programm in Australien anmelden will.

Diese Reaktion ist nicht ganz unberechtigt.

Ich bin 21 Jahre alt, wohne mietfrei in meiner eigenen Wohnung und gehe zum Essen regelmäßig zu meiner Mutter oder zu meiner Oma. Das hat zur Folge, dass ich mein Azubi-Gehalt komplett für mich ausgeben kann. So kommt es, dass mein Kleiderschrank aus allen Nähten platzt, mein Schuhregal längst nicht mehr ausreicht und ich meine Kosmetikartikel über zwei Schränke verteilen muss.

Wenn ich in den Urlaub fliege, buche ich 5* Hotels am Strand, ich will mich ja schließlich ordentlich von meinem stressigen Alltag erholen. Der Spitzname meiner Eltern für mich lautet „Diva“, und ich, „Prinzessin Zimperlich“, will ein Backpacker-Abenteuer in Australien buchen? Klar, dass ich da erst mal auf Bedenken stoße.

Ich selbst stand der ganzen Sache übrigens auch erst kritisch gegenüber.

Eigentlich wollte ich ausschließlich Praktika im Ausland machen. Da diese aber nicht vergütet werden und ich mich gerne für längere Zeit auf ein Land einlassen möchte, musste das Work & Travel Programm quasi als Plan B herhalten.

Bei meinem Beratungstermin bei Praktikawelten wurde ich aber besänftigt. Mir wurde erklärt, dass Backpacker keineswegs nur auf Farmen arbeiten würden. Vor allem in den Städten gibt es viele verschiedene Möglichkeiten Geld zu verdienen – als Promoter, Kellner, Rezeptionist oder sogar Surflehrer.

Meine Mutter ist beunruhigt, dass mir das Leben in Hostels und das unglamouröse Reisen mit dem Bus nicht zusagt und ich eine Menge Geld in den Sand setzte. „Keine Sorge“, erkläre ich ihr. Die Vermittlungspauschale von Praktikawelten ist unabhängig von der Aufenthaltsdauer. Damit kann ich sie beruhigen. Und ich mich auch.

 

8. Januar 2014 – noch 63 Tage.

Auf dem Rückflug habe ich die Option einen Zwischenstopp in Auckland einzulegen.

Mit der Frage, wie lange ich denn in Auckland bleiben möchte, bin ich allerdings überfordert.

„Was ist wenn du einfach nur heim willst?“, fragt meine Mutter. „Ich würde so viel mitnehmen wie geht“, sagt meine Freundin Anka. Ein netter Herr von Praktikawelten empfiehlt mir einen Aufenthalt von 3 Wochen. Ich mache mir eher Sorgen um mein Gepäck. Mit einem Koffer durch Neuseeland zu reisen klingt nämlich nicht besonders spaßig. Nachdem ich den ganzen Tag überlege, wie ich das mit meinem Gepäck am besten mache, weiß ich am Ende des Tages wer die Lösung zu meinem Problem kennt: Die Zukunfts-Kerstin. Die ist ohnehin viel älter und weiser, soll die sich um darum kümmern.

 

20. Januar 2014 – noch 51 Tage.

E-Mail von der Partnerorganisation von Praktikawelten: Ich habe ein Vorstellungsgespräch. Übermorgen. Übermorgen!

Sofort google ich das Unternehmen. Ein britischer Betreiber von 87 Freizeiteinrichtungen. Madame Tussauds. SEA Life. Legoland. Aaaah! Klingt wirklich cool.

Ich habe mich für ein Praktikum im Event Management beworben und vor allem auf die Planung von Hochzeiten spekuliert. Der Zusammenhang ist mir noch nicht klar, aber das Unternehmen macht wirklich was her. Ich rufe sofort meinen Vater an, auf so eine Chance will ich gut vorbereitet sein.

 

22. Januar 2014 – noch 49 Tage.

7:00 Uhr morgens. Ich rufe via Skype den mir genannten Ansprechpartner bei an.

Gut, dass kein Video Chat verlangt ist. So kann ich meine Notizen griffbereit über den Tisch ausbreiten.

Mein Gesprächspartner ist sehr freundlich. Er will, dass ich etwas von mir erzähle. Ich erzähle ihm, dass ich nächste Woche meine Ausbildung zur Kauffrau für Marketingkommunikation abschließe. Offenbar ist er gut über mich informiert und fängt an, vom Unternehmen und dem Aufgabenbereich der Praktikanten zu erzählen. Die Event Management Abteilung ist noch relativ neu, sie organisieren Geburtstage, Cocktailempfänge und Hochzeiten. Der Praktikant wird das Team unterstützen und viel mit einer Veranstaltungssoftware arbeiten. Er will sich nochmal mit seinem Chef besprechen und mir kommende Woche Bescheid sagen, ob sie mich anstellen.

 

25. Januar 2014 – noch 46 Tage.

E-Mail von der Partnerorganisation von Praktikawelten: “You got accepted!.” Juhu!

Ich bin schon voller Vorfreude und Zuversicht auf meine Zeit Down Under.

Das will ich mit jemandem teilen, dem es genauso geht. Die Mitreisenden-Liste erhalten wir erst zwei Wochen vor Abflug. Mal sehen, ob ich auf eigene Faust andere Weltenbummler entdecken kann.

Ich suche Instagram nach dem Hashtag „Praktikawelten“ ab. Und zack – so entdecke ich Stephanie.

Sie hat ein Bild mit Countdown gepostet „51 Days until Australia“. Ich hinterlasse ihr einen Kommentar und so kommt es, dass wir Handynummern tauschen.

 

29. Januar 2014 – noch 42 Tage.

Visum beantragen.

Nachdem ich trotz Hilfestellung von Praktikawelten ein bisschen ratlos auf der Website des Australischen Amts umher gesucht habe, habe ich das Formular für das Work & Holiday Visum gefunden. 24 Stunden später kam dann ’ne Mail: „You have been granted“.

Klasse. Schon mal ein Punkt auf meiner ellenlangen Liste mit „To Do’s“ erledigt.

 

11. Februar 2014 – noch 28 Tage.

Nachdem mein Traum von einer WG à la „L’Auberge Espagnole“ mit der Aussage: „Mehrbettzimmer mit meist etwa 4 Personen in einem Zimmer“ und „Bringe am besten deinen eigenen Schlafsack mit“ zerstört wurde, entscheide ich mich für eine Gastfamilie.

Diese wohnt in einem Vorort von Sydney, Croydon Park. Die Töchter der Familie sind in meinem Alter.

Ich als alter Social Network Stalker lasse es mir natürlich nicht nehmen, meine Gastfamilie auf Facebook zu suchen. Eines der Mädchen, Isabelle, habe ich auch tatsächlich gefunden. Ihr netter Eindruck beruhigt mich sehr und ich beschließe, dem Familienoberhaupt Alice eine E-Mail zu schreiben.

 

14. Februar 2014 – noch 25 Tage.

Als selbsternanntes „Fashion Victim“ mache ich mir natürlich schon wochenlang Gedanken über den Inhalt meines Gepäcks. Und auch wenn die erste Reaktion meiner Mutter bzgl. meiner Handtaschen nur sinnbildlich war, werden genau die jetzt zum Thema. Abgesehen davon, dass meine Louis Vuitton Tasche nicht unbedingt günstig war, ist sie auch ziemlich schwer.

Deswegen gehe ich zu Longchamp. Zwar ist die „IT-Bag“-Zeit des Modells „Le Pliage“ wirklich schon um, aber in Punkto Leichtigkeit und praktische Handhabung ist sie unschlagbar.

Nachdem mich die Verkäuferin für ein größenerweiterbares Modell begeistern konnte, stellt sich jetzt die Frage aller Fragen: In welcher Farbe kaufe ich sie? Und diese Frage endet beinahe in einer Panikattacke. Diese Farbe muss ich das ganze Jahr lang sehen. Was ist, wenn ich die Farbe schon bald nicht mehr mag? Was ist wenn ich schon zu bald das Damier-Muster meiner Louis Vuitton vermisse? Was ist wenn ich Australien schon bald nicht mehr mag? Und zu bald meine Freunde und Familie vermisse?

Mein Leben hier in München läuft doch so schön geregelt. Und meine Mama ist dann auf der anderen Seite der Erde. Oje oje oje. Was für ein dummer Einfall.

 

28. Februar 2014 – noch 12 Tage.

Ich bin ein Genie! Ich hatte den besten Einfall aller Zeiten!

Da ich die ersten 3 Monate in Australien ein relativ geregeltes Leben mit Sprachschule und Praktikum führe und ein eigenes Zimmer im Haus meiner Gastfamilie habe, kann ich mir den Luxus leisten mit einem Koffer und insgesamt 40 kg Gepäck zu reisen. Und weil ich zwar weniger zimperlich werden will, ich mich aber selbst nicht gleich ins Bootcamp schicke, gönne ich mir den Luxus von 40 kg Gepäck in Form von 4 Hosen, 4 Röcken, 3 Jacken, 10 Oberteilen, 2 Bikinis usw. So, und jetzt kommt der Clou – wie bekomme ich das alles in mein Gepäck? Vakuumpackungen! Mein Tchibo Einkauf hat sich bezahlt gemacht. Problemlos bekomme ich meinen halben Kleiderschrank in meinen Koffer. Die beworbene Platzersparnis von 75% war nicht übertrieben. Diesen super Tipp muss ich gleich Stephanie geben.

 

5. März 2014 – noch 6 Tage.

Stephanie und Luisa (eine weitere Weltenbummlerin) sind vorgestern von Frankfurt losgeflogen. Mittlerweile fühle ich mich auch startklar. Alle paar Stunden klicke ich auf Stephanie’s Instagram Profil. Ich kann es kaum abwarten bis sie das erste Bild von ihrer Ankunft in Down Under postet.

Mein Koffer wartet währenddessen auf seinen Einsatz, meine letzten Verabredungen mit Freunden und der Familie sind geplant und ich habe immer noch nicht alle Unterlagen ausgedruckt.

Im Organisieren war ich schon immer gut, aber wenn es um den Papierkram geht, verfluche ich meinen 18. Geburtstag. Die letzten Tage werde ich nun noch genießen, und melde mich aus Sydney wieder.

 

Making a big life change is pretty scary. But, know what’s even scarier? Regret.

http://www.praktikawelten.de/auslandspraktikum/sprachkurs-und-praktikum/kombi-sprachkurs-und-praktikum-in-australien/projektinfo.html