Mein langer Weg nach Ecuador

Ein farbenfrohes Wohn-Ess-Zimmer

Insider Merle ist nach einem langen Flug in Ecuador angekommen. Ihr langer Weg brachte bereits erste Bekanntschaften.

Raus aus der Komfortzone und rein ins Abenteuer!
Was gibt es Schöneres, als an einem kalten, ungemütlichen Regentag in Deutschland zu entfliehen und über London, New York und Miami nach Quito in Ecuador zu fliegen? Nun, einen Direktflug. Der wäre tatsächlich noch ein bisschen schöner gewesen – aber man kann eben nicht alles haben. So saß ich Stunde um Stunde an besagten Flughäfen, kam dafür aber auch in den Genuss von vier Starts und vier Landungen und konnte mir zwischendurch mal ein bisschen die Beine vertreten. Außerdem trifft man an internationalen Flughäfen oft auf eine Menge interessanter Gestalten, Frauen in langen Saris, Männer mit Turbanen auf dem Kopf, gehetzte Geschäftsmenschen mit Aktentaschen, andere Backpacker, die sich auf der Damentoilette die Haare schneiden. Mir macht es Spaß, solche Szenen zu entdecken, die Anzeigetafeln zu übefliegen mit all den verlockenden Zielen – man bekommt das Gefühl, die Welt würde einem offen stehen. Man bräuchte nur in eins der vielen Flugzeuge zu steigen und das Leben passieren zu lassen.

Und ich mag es, andere Reisende zu treffen, mich mit ihnen zu unterhalten und ihre Geschichten zu erfahren. In London lernte ich eine junge irische Ingineurin kennen, die eine Woche in Arizona verbracht hatte, und meine Wartezeit in New York verbrachte ich mit einer Italienerin, die auf dem Weg nach Montreal war, um dort ein Auslandssemester zu machen. Meine Sitznachbarin zwischen Miami und Quito gab mir sogar eine Menge wertvoller Tipps, was ich in meiner Zeit dort tun und lassen sollte (z.B. so viele der verschiedenen Früchte dort wie möglich probieren, aber immer schälen).

Ein farbenfrohes Wohn-Ess-ZimmerTrotzdem muss ich sagen, ich bin kein großer Fan von langen Wartezeiten. Ich liebe zwar das Reisen und das Fliegen, aber dreiunddreißig Stunden ohne Badezimmer, Bett und Dusche entsprechen dann doch nicht meiner Komfortzone. Wobei gerade das Verlassen ebendieser ja eigentlich zu dem gehört, was das Reisen ausmacht. Und das ist gut so! Denn wie heißt es doch so schön? „Das Leben beginnt außerhalb deiner Komfortzone“. Okay. Also raus da und rein ins Leben und ins Abenteuer.

Mein Abenteuer heißt Ecuador. Zwei Monate werde ich dort verbringen, werde Spanisch lernen, in einer psychologischen Praxis arbeiten, die Kultur erleben und das Land entdecken. Seit Wochen freue ich mich wahnsinnig darauf, besonders, seit das weder winterliche noch frühlingshafte Regenwetter Deutschland erobert hat.

Was mich dort erwartet? Ich bin mir nicht sicher. Sonst müsste ich ja gar nicht hinfahren. Worauf ich hoffe: neue, interessante Menschen kennen zu lernen. Eine spannende Kultur zu erleben, zu sehen, wie Psychologen in einer lateinamerikanischen Hauptstadt arbeiten. Am Ende eine mir jetzt noch fremde Sprache wenigstens einigermaßen sprechen zu können, Inspirationen und Erfahrungen zu sammeln, ein großes Abenteuer zu erleben und viele kleine. Und natürlich ganz viel Sonne.

Ich verbrachte meine Anreise also damit, diese Hoffnungen nur Hoffnungen sein zu lassen und ihnen nicht zu erlauben, zu Erwartungen zu werden und mich nach und nach mit dem Gedanken anzufreunden, die europäischen Standards hinter mir zu lassen. Ich versuchte, so gut es ging, nur die Motivation in meinem Kopf Platz haben zu lassen und ein paar vereinzelte spanische Wörter, die ich mir aus meinem kauderwelsch-Sprachführer zusammengeklaubt hatte.

Schließlich stand ich tatsächlich am Flughafen in Quito. Ich sammelte mein Gepäck ein, ließ Visums- und Sicherheitscheck über mich ergehen und stellte fest, dass mir die Höhe doch zu schaffen machte (Quito liegt auf etwa 2.800m). Vielleicht war es auch die lange Reisezeit oder der Schlafmangel, wahrscheinlich eine gute Mischung aus allem, jedenfalls drückten mir Kopfschmerzen, Schwindel und ein bisschen Übelkeit aufs Gemüt. Nichtsdestotrotz waren selbstverständlich auch meine Motivation und Neugier, endlich etwas von diesem Land zu sehen, mit am Start.

Der Blick aus dem Fenster geht aufs gelbe Nachbarhaus mit DachterrasseEs dauerte dann doch noch geschlagene eineinhalb Stunden, bis ich in den klapprigen roten Chevrolet meines spanischen Abholers einstieg – wir warteten nämlich eigentlich noch auf zwei andere Mädchen. Die nicht auftauchten.

Mein erster Eindruck von Quito: chaotisch, ein bisschen heruntergekommen, aber sehr lebendig. Überall Menschen, Straßenhunde, Autos, die gar nicht daran denken, sich an das Tempolimit zu halten, eingebettet in eine Kulisse aus zusammengewürfelten und für meine (doch noch etwas europäischen) Augen leicht baufällig wirkenden Häusern an den Berghängen, Schluchten, die sich überall unerwartet auftun, und sehr viel Grün – Bäume, Sträucher, Palmen, die Natur bahnt sich überall ihren Weg.

Wir brauchten etwa eine Stunde, um uns unseren Weg zu bahnen, dann waren wir am Apartment. Meine drei Mitbewohnerinnen wirkten auf den ersten Blick echt nett, trotzdem wollte ich primär einfach duschen und ins Bett. Die Dusche war kalt (ich finde noch heraus, wie man die dazu bringt, warm zu werden – angeblich geht das!), das Bett umso gemütlicher.

Das war gestern Abend – jetzt bin ich ausgeruht und gespannt auf meine Einführungstour und den Sprachunterricht, der heute beginnt! Natürlich werde ich euch auch davon berichten, aber alles zu seiner Zeit.

¡Hasta luego!
Eure Merle

Psychologie in Ecuador