Man wächst mit seinen Aufgaben

Ein sonniger Tag auf der Farm

Unser Insider Robert untersützt seine Gastmutter in Neuseeland bei der Spargelernte.  Dies war anfangs gar nicht so einfach aber nach einer Eingewöhnungszeit klappt es jetzt sehr gut!

Wenige Tage vor meiner Abreise von Deutschland nach Neuseeland erhielt ich eine E-Mail von Cathryn, meiner persönlichen Ansprechpartnerin rund um meinen Farmstay in Neuseeland. Darin wurde mir erstmals offenbart, welcher Art von Farm ich für die zwölf Wochen meines Aufenthaltes dort zugeteilt wurde. In gespannter Erwartungshaltung öffnete ich also jenes Dokument und warf einen Blick auf die ersten Worte: „Asparagus and Lifestyle Farm“. Vier Worte, drei davon bekannt, doch das entscheidende kannte ich nicht: Asparagus. Ich bemühte meinen Freund, den stets zuverlässigen und hochkompetenten Google-Übersetzer, und blickte ungeduldig auf dessen Ergebnis: Spargel. Meine erste Reaktion fiel relativ ernüchternd aus, und das aus gutem Grund: Es gibt auf dieser Welt nun wirklich nicht viele Dinge, die ich nicht gern zu verzehren pflege. Ganz im Gegenteil, in den allermeisten Fällen ist es eher schwierig, mich von der Speise fernzuhalten denn mich zu deren Verzehr zu animieren. Doch Spargelgerichte haben in mir, gelinde gesagt, noch nie sonderlich große Heißhungerattacken ausgelöst. Allerdings -und das wurde mir wenige Augenblicke später bewusst- soll ich ja bei der Ernte, und nicht beim Verzehr mithelfen, was die Herausforderung für mich nur noch interessanter machte, und interessante Herausforderungen waren genau das, wonach ich eigentlich suchte.

Die Spargelernte-anfangs noch etwas gewöhnugsbedürftig

Mit dieser wonnetrunkenen Geisteshaltung begab ich mich in meinen ersten Arbeitstag, den Sonntag nach dem Sabbat. Rosina führte mich nach dem Frühstück zu ihrer Spargelplantage unweit von ihrem Haus und stattete mich in ihrer Scheune, die direkt danebenstand, mit den vier grundlegendsten Utensilien der Spargelernte aus: Gartenschere, Handschuhe, Eimer und natürlich Gummistiefel. Anschließend ging es aufs Feld, wo sie mich mit den Kriterien vertraut machte, die guten von schlechtem Spargel unterscheiden. Kurzfassung: nicht zu kurz, wenn zu lang, kürzen, nicht zu dünn und an der Spitze nicht zu offen, da das der Kunde nicht gerne sieht. Alle guten mit der Gartenschere vom Boden abtrennen und in den Eimer legen (vorsichtig, der Spargel soll schließlich unversehrt bleiben). Da der Spargel tief am Boden wächst, bedarf es beim Abschneiden auch einer nicht ganz unerheblichen Belastung des Rückens und Kniegelenkes, was -auf mehrere Reihen übertragen- für mich besonders am Anfang noch etwas gewöhnungsbedürftig war, erst recht unter praller Sonnenstrahlung oder immanentem Dauerregen.

Doch bekanntlich heilt ja die Zeit alle Wunden, sodass jene Belastung nach wenigen Tagen Eingewöhnungszeit keine allzu große Schwierigkeit mehr für mich darstellte. Während ich mich in den ersten Tagen ausschließlich auf die Auslese des guten Spargels fokussiert habe, habe ich nunmehr mein Aufgabenfeld erweitert und unterstütze Rosina seither auch bei der Eliminierung des verhassten Unkrauts und unnützer Spargelreste. Abgesehen von der Arbeit mit dem Spargel am Morgen zwischen 8 und 11 Uhr fielen bisher am Nachmittag meist unterschiedliche Tätigkeiten an; vom Autowaschen, Staubsaugen und Wäscheaufhängen hin zum Unkrautjäten, Rasenmähen und Feuerholzsammeln. Und ich blicke gespannt auf all jenes, was noch vor mir liegt und an neuen Herausforderungen auf mich zukommen mag…
In diesem Sinne überbringe ich Euch, unversehrt von bewegungsfreudigem Grunde aus, beste Grüße in die Heimat nach Deutschland,
Euer Robert

►Farmstay in Neuseeland