Julia und ich befanden uns inmitten der Ahorn-Sirupzeit im kleinen Dorf Sain-Jean-Port-Joli, Québec während unseres Work and Travels in Kanada.
Nicht unweit erstreckte sich ein mind. 100km2 großer Wald und dort fand die Ahornsirup Produktion im großen Stil statt. Ihr denkt, monströse Fabriken mitten im Wald? Nein, ganz anders.

Sirup-Ernte gestern & heute

Mit unserem Host, einem geborenen Québécois, hatten wir schon köstlichen eigenen Sirup hergestellt („Sirupzeit in Kanada“). Doch früher wurden auch zur Massenproduktion Eimer genutzt. Sein Vater hat einen Ahornwald besessen und eine eigene kleine Produktion. Ich vergesse jedes Mal, ob es 5.000 oder 9.000 Eimer waren, die sie jeden Tag mehrfach leeren mussten. Auf jeden Fall war das ein Knochenjob!  

Sirupernte
Sirupernte

Heutzutage bietet sich einem ein skurriler Anblick, wenn man sich einem Ahornwald nähert. Alle Bäume sind miteinander verkabelt. Die Schläuche werden mit typischen Taps am Baum befestigt und sind 30 bis 50 Jahre funktionsfähig. Jedoch müssen die Taps alle drei Jahre umgesetzt werden. Dazu wird eine neue Methode verwendet. Die Bäume werden im Kreis getappt, sodass das erste Loch nach einer kompletten Umrundung wieder zu gewachsen ist.

Die langen, meist blauen, Schläuche transportieren denn Baumsaft jedes Baumes durch dünne Schläuche zu einem dicken Hauptschlauch. Dieser Hauptschlauch führt dann in die sogenannte „Sugar Shack“. Das große Holzhaus ist nicht nur das Herzstück der Produktion mit dem großen Ofen, sondern auch das Herz des Familienunternehmens.

Vor Ort trafen wir beispielsweise einen Vater, seine Tochter und dessen Mutter. Sie zeigte uns ein winziges Häuschen neben der großen Sugar Shack und dem modernen Wohnhaus. Dort hatte sie während der Saison ihre sechs Kinder großgezogen ohne fließend Wasser und ohne Elektrizität. Wir waren tief berührt, denn die Sugar Shacks sind Zeugen von Jahrzehnte langer Tradition. In der Shack standen große, weiße Container, die mit dem Saft gefüllt waren und Fässer mit Sirup. In der Ecke stand ein gigantischer Sirupofen.

Sirup-Herstellung

Sirupherstellung
Sirupherstellung

In den großen Becken kochte der Sirup und unten wurden immer wieder sehr lange Holzscheite nachgelegt. Deshalb sieht man während der Sirupzeit hier und da auch immer wieder große Rauchschwanden aus dem Wald aufsteigen.😄 Der Dampf konnte durch eine Öffnung im Dach entweichen, das Wasser aber wurde durch die Schläuche rechts wieder aufgefangen und konnte wieder als Kühlungswasser verwendet werden. Smart! Früher wurde Bacon verwendet. Ich verspreche, das ist nicht gelogen! 😂 Sobald der Sirup zu überkochen drohte, wurden die Ränder mit Baconfett bestrichen und der Sirup sank wieder. Chemiker könnten mir das jetzt bestimmt erklären. Und auf der linken Seite floss der fertige Sirup in die Fässer, wo er durch etwas wie „übergroße Socken“ gefiltert wurde. Nebenan stand eine Maschine, die Dosen verschloss.

Verwendung des Sirups

Verwendung des Sirups
Verwendung des Sirups

Die Mutter des Besitzers zeigte uns auch kleine Waffeln, die mit cremigem Sirup gefüllt und dann mit hartem Sirup verschlossen wurden.🤤 Denn je länger Sirup gekocht wird, desto härter wird er später. Ein weiteres verrücktes Produkt ist Sirup Butter. Sie ähnelt Honig. Wusstet ihr, dass auch Eier in Sirup gekocht werden können? Sie verändern dann ihren Geschmack und sogar ihre Farbe! Julia und ich waren jetzt schon absolut überfordert 🤯 und dann kam der Hammer. Wir wussten bereits, dass es für die Familie unseres Hosts früher ganz normal gewesen war, alles mit Sirup zu essen. Doch sein Vater trank täglich eine ganze Tasse Ahornsirup!

Wie dem auch sei. Der Sirup ist weit mehr als ein Süßungsmittel, er hat eine lange Tradition in Québec. Es mit eigenen Augen zu sehen, ist wie eine Zeitreise zu machen.

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