Insider-Diary Sabrina: Farmlife

Behälter mit Gemüse in Australien

Unsere Insiderin Sabrina erlebt diese Woche viele spannende Dinge auf einer Farm in Australien. In ihrem Bericht erzählt sie von ihren Erfahrungen. Mehr Informationen zu Sabrinas Reise findest du unter Work-and-Travel-Abenteuer in Australien.


Eine Zugfahrt, die ist schön…

Hallo ihr Weltenbummler,

Es ist nun ungefähr eine Woche her, dass ich mich mit einer Freundin auf den Weg nach Brisbane zu meinem allerersten Job in Australien gemacht habe. Die Zugfahrt war 16 Stunden lang und es gab leider keine gemütliche Schlafmöglichkeit. Dennoch hatte ich Zeit, die vergangenen Wochen nochmal Revue passieren zu lassen. Außerdem konnte ich beobachten, wie sich die äußere Umgebung von Großstadt in Feld und Wälder veränderte, bis sich die Sonne schließlich mit einem wunderschönen Sonnenuntergang verabschiedete.

Ankunft in Brisbane

Wir kamen bereits sehr früh in Brisbane an und auch die neue, „go Card“ (ähnlich wie die Opal Card in NSW) war schnell besorgt. Wir saßen dann in der Regionalbahn nach Caboolture, wo sich die Farm befindet. Während der Zugfahrt konnten wir den Sonnenaufgang über den endlosen Weiten bewundern. Diese wurden ab und zu durch kleine Farmen und Baumgruppen unterbrochen. Als wir ausstiegen, fiel uns sofort auf, dass es viel wärmer war, als zuvor in Sydney. Vorfreude und Aufregung machte sich breit. Wie wird die Farm sein? Wie genau sieht unsere Arbeit dort aus und wie sind die Leute bei und mit denen wir leben werden?

Erste Begegnung mit der Farmerin

Kurze Zeit später bog dann auch schon die Farmerin mit ihrem roten Pick-up auf den Parkplatz des Bahnhofs ein. Bei ihrem Anblick freute ich mich noch mehr auf das bevorstehende Farmabenteuer, denn sie sah genauso aus, wie man sich eine Farmerin in Australien vorstellt. Unter ihrem Strohhut konnte man blonde Locken erspähen, die ein freundliches braungebranntes Gesicht umrundeten. Sie trug ein weinrotes T-Shirt mit dem Label der Farm und eine graue Shorts. Mit federnden Schritten kam sie auf uns zu. Wir stellten uns vor und sie half uns die Backpacker-Rucksäcke auf die Ladefläche des Pick-ups zu hieven. Als ich in das Auto einstieg, wehte mir ein starker Tiergeruch entgegen. Der Motor sprang an und auf ging es in ein ungewisses Abenteuer.

Farmlife

Die Farm ist der australische Traum schlecht hin, genau wie man sich eine australische Farm vorstellt. Hier gibt es Babyziegen und Lämmer, die mit der Flasche gefüttert werden müssen. Außerdem ein Kälbchen welches immer noch täglich nach der Flasche verlangt, obwohl es langsam zu alt dafür wird. Es gibt Miniaturpferde und einen Esel, der unter einen Aufmerksamkeitsdefizit leidet, jedenfalls seiner Meinung nach. Außerdem mehrere Hühner und Enten, die man kaum zählen kann. Besonders interessant sind hier die kleinen „Piggies“, für die ebenfalls Milch zubereitet werden muss und bei denen das Füttern öfter in einem Chaos endet. Besonders stolz ist man hier auf die Lamas und Alpaccas. Es sind sehr schöne Tiere. Auch deren Nachwuchs ist hier zu bestaunen. Besonders gut habe ich mich jedoch mit der Kameldame verstanden. Sie ist sehr entspannt und liebt es zu kuscheln.Maedchen fuettert Lamm in Australien

Die Farmumgebung

Das alles ist umgrenzt von trockenem Buschland. Die Farm gleicht also wirklich einer Kulisse aus einen Film. Auch die Arbeit hier beschreibt vollkommen meine Vorstellung von australischer Farmarbeit. Besonders beeindruckend war noch die Begegnung mit echtem australischem Känguru, kurze Zeit nach unserer Ankunft. Wir lernten sofort, dass es hier normal ist, Kängurus und Schlangen zu sehen.

Farmarbeit ist ziemlich anstrengend

Eines muss man sich klarmachen, bevor man auf einer australischen Farm arbeitet. Farmarbeit ist anstrengend und es gibt immer etwas zu tun. Man hat also keine Freizeit und arbeitet von morgens bis abends. Ein typischer Arbeitstag beginnt ziemlich früh morgens und endet mit dem Sonnenuntergang. Typische Aufgaben sind das Zubereiten von Futter, sowie das Füttern selbst und das anschließende Saubermachen und Aufräumen. Außerdem das Sauberhalten der Gehege und das Bewegen von Tieren, die von einer Koppel zur nächsten müssen.

Doch solange die Arbeit Spaß macht, ist das alles zu bewältigen. Nach eins zwei Tagen verfielen auch wir in eine Routine und haben auch vieles viel schneller bewältigt. Jedoch ist die Arbeit dann auch nicht mehr so abwechslungsreich.

Für Kost und Logis arbeiten

Womit ich jedoch Probleme hatte, waren die Umstände. Es ist üblich, dass man auf Farmen gegen Kost und Logis arbeitet und kein Geld verdient. So war es auch bei unserer Arbeit. Davor weiß man nicht, ob Unterkunft und Essen den eigenen Gewohnheiten und Ansprüchen gerecht werden. Leider hatten wir das Pech, dass unsere Unterkunft ziemlich schmutzig und verranzt war und wir uns darin nicht wohl gefühlt haben. Ich habe mir sagen lassen, dass Kakerlaken hier normal seien. Deshalb konnten wir den kleinen nächtlichen Besucher unter unserem Bett noch mit Humor nehmen. Jedoch verging uns das Lachen dann, als wir den Schimmel an der Decke sahen und nach der ersten Nacht bereits komische kleine rote Punkte an Armen und Beinen zu beklagen hatten.

Stimmung am Tiefpunkt

Leider wirkten sich das Gefühl von mangelnder Hygiene und die Unzufriedenheit über das Essen ziemlich auf unsere Stimmung aus. Wir konnten irgendwann auch die Arbeit, die uns eigentlich Spaß machte nicht mehr genießen. Also beschlossen wir, dass wir bald gehen würden und sahen uns nach neuen Jobs um. Richtig Zeit hatten wir dafür auch erst an unserem ersten freien Tag nach der ersten Arbeitswoche. (Auch hier müsst ihr damit rechnen, dass nicht alles so ist, wie es zuvor versprochen wird. Uns wurde neben der Unterkunft und Essen auch freies Internet versprochen, welches jedoch in unserer Unterkunft gar nicht vorhanden war. Das gab es nämlich nur im Haupthaus. Dies machte es ziemlich schwierig dort zum Beispiel ungestört zu Telefonieren oder zu Skypen.)

Endlich weg!

Schwierig ist es auch anzukündigen, dass man die Farm demnächst verlässt. Gerade wenn die Farmer dort eigentlich sehr nett sind, ist es schwer, sich über die Lebensumstände zu beklagen. Allerdings war es uns auch rätselhaft, das Unzumutbare daran nicht zu erkennen.
Zusammenfassend würde ich behaupten, dass ich das australische Farmabenteuer bekommen habe, was ich mir gewünscht habe. Ich habe richtige australische Farmarbeit geleistet und kann nur meinem Hut vor allen Farmern hier ziehen, die Tag täglich solche Arbeit leisten. Jedoch habe ich auch das erste Mal in meinem Leben erlebt, wie es ist, unter bestimmten Lebensbedingungen leben zu müssen. Das hat mir zu denken gegeben und ich habe daraus gelernt.

Mein Rat für dich

Trotzdem rate ich jedem, sich so gut es geht vorher zu versichern, an welchen Ort man kommt und unter welchen Bedingungen man dort leben muss. Außerdem solltet ihr so schnell es geht dort weg und nach etwas neuem suchen, wenn ihr das Gefühl habt, zu wenig für eure Leistungen zu bekommen. Ausbeutung kommt leider überall vor und gerade in einem fremden Land solltet ihr darauf und auf euch selbst aufpassen.

Auf meine erste Arbeitserfahrung in Australien werde ich nun immer mit gemischten Gefühlen zurückblicken, doch ich bin mir sicher, dass sich mir die guten Sachen mehr einprägen werden und ich später die schlechten belächeln kann. Gerade durch meine Leidensgenossinnen konnte ich die Zeit hier dennoch genießen.

Bis zum nächsten Mal,
Sabrina


Mehr Informationen zu Sabrinas Reise findest du unter Work-and-Travel-Abenteuer in Australien.