Insider Diary Mareike: In einem Dorf vor unserer Zeit

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Mareike macht einen Ausflug zu einem Dorf in Ghana, wo die Menschen mit einem anderen Lebensstandard leben als wir es kennen. Was sie dort für Eindrücke gesammelt hat, erfahrt ihr hier. Auch du möchtest eine andere Kultur kennen lernen? Dann informiere dich über unsere Freiwilligenprojekte in Ghana


Auf in ein neues Abenteuer

Am Samstagmorgen gegen halb sechs machten wir uns auf in ein neues Abenteuer. Was uns dabei dort genau erwarten würde, war uns nicht bewusst.

Eine typische Trotro Fahrt

Mit dem Trotro, einem alten VW-Bus mit in der Regel 9-15 Plätzen, fuhren wir in Richtung Westen. Vorbei an unzähligen Straßenständen, über zahlreiche Straßenerhöhungen, die dazu dienen, dass die Autofahrer langsamer fahren und bremsen, folgten etliche Polizeikontrollen und Mautstationen (vollkommen normal in Ghana). Musik in überhöhter Lautstärke und sich laut unterhaltende Einheimische machten unsere Fahrt zu einer typischen Trotro-Fahrt in Ghana.

Ankunft in Nzulezu

Als uns während der Fahrt der Hunger überkam, kauften wir uns direkt aus dem Fenster beim Straßenverkäufer ein leckeres Erdbeereis. Später dann noch knusprige Plantain Chips. Nach über neun Stunden Fahrt und einmal umsteigen, kamen wir endlich an in Nzulezu. Ein kleiner Ort Nähe der Grenze zur Elfenbeinküste. Vom Mitarbeiter des öffentlichen Büros in Empfang genommen, ging es mit einem Guide weiter mit dem Motorboot über den riesigen Tadane-See durch den Jungle hinweg bis nur noch die Ferne zu sehen war. Dort lag es dann: Das auf Stelzen gebaute 500-Seelen-Dorf. haeuser-auf-steg-mit-see

Zurückversetzt in eine andere Zeit

Wir fühlten uns direkt in der Zeit zurückversetzt, denn uns war nicht bewusst, dass es noch Menschen gibt, die auf solch Art und Weise leben. Über mehr oder weniger heile und fest gemachte Holzbretter wurde uns das Dorf gezeigt. Dieses besteht aus unzähligen kleinen Holzhütten. Zwei von diesen fungieren unter anderem als Bar, über dem See gibt es aber auch zwei Kirchen und eine Schule (die zum größten Teil von Spenden lebt). Außerdem ein größerer Aufenthaltsort, in dem Sitzungen stattfinden und die Kinder trommeln und tanzen können.

Zehn Quadratmeter

Unsere ca. zehn Quadratmeter Einzelzimmer bestanden lediglich aus einem aus Bambus gebauten Bett und einem winzigen Tisch. Das Plumpsklo war über zwei breite Bretter, eher provisorisch auf Stelzen befestigt, zu erreichen. Ansonsten gab es noch drei weitere öffentliche Dixi-Toiletten am Ende des Dorfes, die leider dementsprechend aussahen. Geduscht wurde mit einem Eimer voll Wasser aus dem See und einer Seife.

Das Wasser wird für alles verwendet

Sie schwören auf ihr Wasser. Es wird für alles verwendet, vom Wäsche waschen bis zum Kochen. Ihrer Meinung nach sei es sehr rein. Daher schlugen sie uns vor, in ihrem See schwimmen zu gehen. Dies lehnten wir jedoch freundlich ab, als wir sahen, dass die Kinder sowohl in den See urinieren als auch andere Geschäfte verrichten. Wir machten lieber Fotos von den Häusern – und ein paar wenige von den Menschen dort. holzhuette-im-wald

Wir fühlten uns etwas unwohl

Wohl fühlten wir uns in dem Dorf leider nicht. Die Menschen schauten uns sehr genervt und böse an. Irgendwo verständlich, wenn täglich etliche Touristen vorbeikommen, um sich ihr Leben dort anzusehen. Wir machten dennoch das Beste draus und quatschten bis in den späten Abend auf unserem Steg vor den Schlafräumen. Zwischenzeitlich wurde für uns gegen eine kleine Summe gekocht. Es wurde direkt frisch zubereitet und war sehr lecker.

Wir wollten nicht anders behandelt werden

Als wir dann zu unserem Steg zurückgingen, brachten uns Einheimische einen Tisch und vom Boden aus der benachbarten Hütte eine Tischdecke (voller roter, großer Ameisen). Wir wollten in den Dorf keine besondere Stellung einnehmen und anders als alle anderen behandelt werden, aber sie wollten und taten es.

Abendtour mit dem Kanu

Abends bat uns dann einer aus dem Dorf an, mit dem Kanu auf die gegenüberliegende Uferseite zu paddeln, um die im See lebenden Krokodile beobachten zu können. Das mitzumachen, war bisher meine beste Entscheidung in Ghana. Die Fahrt mit dem Motorboot hin zum Dorf und wieder weg war schon ein Highlight aber diese Abendtour hat nochmal alles getoppt. So schipperten wir bei Mondschein und unendlich vielen Sternen am Himmel über diesen weiten See bis zum anderen Ufer – und hatten sogar Glück, denn wir sahen dort immerhin ein Krokodil.

Ein Ort fernab jeglicher Zivilisation

Hinter dem Krokodil befand sich ein Haus, wovon uns ein Einheimischer erzählte, dass es einem spanischen Ehepaar gehört, die mehrmals im Jahr zu ihrem Haus dort fahren würden, seit letztem Jahr kamen sie jedoch nicht wieder. Ob sie krank geworden oder gar gestorben sind, dass wird man in Nzulezu wohl nie erfahren – in einem Ort fernab von jeglicher Zivilisation.


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