Insider-Diary Annalena: Ein Kulturschock

Tempel auf Bali

In ihrer ersten Woche erlebt unsere Insiderin Annalena einen heftigen Kulturschock. Wie sie bisher mit dem fremden Land zurechtgekommen ist, erfährst du in ihrem Bericht. Weitere Informationen zu Annalenas Projekt findest du unter Building-Projekt auf Bali.


Mein Rückblick auf die erste Woche

Im Rückblick auf die erste Woche kann ich versichern, dass der Kulturschock kommt, aber auch wieder geht. Nicht, weil ich das Essen nicht gemocht hätte, oder mit den Menschen nicht klargekommen wäre. Vielmehr, weil man einfach in eine andere Welt eintaucht. Das Bad war ein Schock, der Müll und Dreck überall, die fremdartigen Gerüche, die Abgasbelastung. Da war es schön zu wissen, dass ich gemeinsam mit vielen anderen durch diese erste Woche gehen würde. Aus der großen Gruppe von 20 Neuankömmlingen haben sich mehrere kleine Grüppchen gebildet. Die, der ich mich angeschlossen habe, besteht aus fünf deutschen Mädels. Teilweise sind sie mit Praktikawelten, teilweise auch mit anderen Organisationen verreist. Unter ihnen ist auch Lea, deren Berichte hier neben meinen erscheinen und ich hoffe, dass wir es schaffen, ohne uns abzusprechen nicht deckungsgleich zu schreiben.Frühstück auf Bali

„Das Andere“

Gemeinsam haben wir angefangen die Probleme zu verstehen und „das Andere“ zu akzeptieren. Ausgelöst durch eine nicht zureichende Infrastruktur lässt sich das Müllproblem nicht in den Griff kriegen. Wir alle haben erlebt, dass Abfall einfach fallengelassen wird, aus Bequemlichkeit, aus Gewohnheit, aufgrund des Mangels an Mülleimern. Der wenige Müll, der gesammelt wird, wird dann auf freiem Feld einfach so verbrannt.

Flower-Offering

Hinzu kommen religiöse Riten, wie das Flower-Offering, das auch Teil unserer Einführungswoche war. Dabei wird ein rechteckiges Nest aus jungen Kokosnussblättern gesteckt und mit Bambus-Stäbchen vernäht, in dem verschiedene Blumen Platz finden. Diese repräsentieren verschiedene hinduistische Götter. Die Gestecke werden jeden Tag neu gemacht und manchmal zusammen mit Reis, einem Cracker oder einem Bonbon versehen und vor den Häusern oder dem Tempel niedergelegt. Natürlich treten die meisten Menschen im Vorbeigehen darauf und auch erst, wenn die Blumen welk sind, entsorgen die wenigsten Hauseigentümer die alten Gestecke.

Verschiedene Tempel

Im Anschluss an unser gemeinschaftliches Flower-Offering zog eine Zeremonie an unserer Unterkunft vorbei, die auf dem Weg zum Tempel war. Das war für uns ein gelungener Abschluss.

Den Tempel haben wir am Tag darauf auch selbst besucht. Wir haben auch einen buddhistischen Tempel besucht. Im Vergleich waren beide Tempel auf ihre Art einzigartig, genauso wie die Religionen auch, hatten aber auch ihre gemeinsamen Züge. Wenn auch der buddhistische Tempel ausladender und bunter gestaltet war, fanden sich doch die gleichen Steine, ähnliche Symbole und verwandte Bauweisen.Tempel auf Bali

Holy Springs

Am Tag darauf waren wir noch in den Holy Springs in Singaraja baden. Das sind Becken, die mit schwefelhaltigem, körperwarmem Wasser gefüllt sind, welches aus Bergquellen entspringt und sich auf seinem Weg durch’s Gestein aufwärmt.

Neben den Ausflügen haben wir auch einige Stunden „daheim“ verbracht, gemeinsam Bananen und Tempe frittiert, in zwei Einheiten einzelne Wörter Indonesisch und Balinesisch gelernt und uns ausgetauscht.

Vulkan-Tour

Zum Wochenende hin war uns klar, dass wir dennoch einen Tapetenwechsel brauchten. Da wir das Programm der Einführungswoche zusammengestaucht hatten, ging es für uns sechs schon in der Nacht von Donnerstag auf Freitag um 2 Uhr los zum Gunung Batur. Nach nicht ganz zwei Stunden fuhren wir auf den Parkplatz und waren von der Masse an Menschen erschlagen. Die gesamte Fläche war am Ende von gut 200 Autos zugeparkt.

Der Aufstieg

Unser Guide wartete schon mit Taschenlampen auf uns und so konnte der zweistündige Aufstieg beginnen. Der Untergrund reicht von rutschigem Sand über einen Mix aus Sand und faustgroßen Steinen hin zu Felsbrocken, die teilweise nicht mehr aus dem Stand zu erklimmen waren. Unseren zügigen Laufschritt, den ich anfangs als angenehmes Tempo wahrnahm, verlangsamte sich zunehmend. Einerseits kam das dadurch, dass wir uns mit den Händen abstützen mussten, aber auch wegen der vielen Menschen vor uns, die sich in ungleichmäßigen Schritten fortbewegten. Die Lichterkette an Taschenlampen, die den ganzen Berg heraufführte, schien kein Ende zu nehmen. Ich hatte echte Zweifel daran, dass wir überhaupt ankommen würden.

Endlich am Gipfel

Um 5:50 Uhr saßen wir auf der Bergspitze, mir lief der Schweiß das Gesicht herunter, meine Wangen waren rot vor Anstrengung. Trotz Pulli war es kalt. All das war jedoch egal, denn der Ausblick war atemberaubend! Die ersten Sonnenstrahlen am Horizont tauchten alles in warmes Licht. Wir staunten, stärkten uns mit Obst und Keksen und nachdem der Feuerball aufgestiegen war, gingen wir die wenigen Minuten bis zu einem Krater des Vulkans. An einigen Stellen stieg heißer Wasserdampf aus dem Gestein auf – der Beweis, dass wir uns tatsächlich auf der Spitze eines aktiven Vulkans befanden.

Der Abstieg

Gemeinsam mit vielen anderen Touristen und einigen streunenden Hunden machten wir uns an den Abstieg, der verdammt rutschig war und nicht schneller vonstattenging, als der Aufstieg. Im Anschluss fuhren wir mit dem Taxi nach Ubud, wo wir den Rest unseres Wochenendes verbringen würden, aber dazu an anderer Stelle mehr.


Weitere Informationen zu Annalenas Projekt findest du unter Building-Projekt auf Bali.