Erste Eindrücke und Abschiedsschmerz

Insider Madeline in Ghana

Unser Insider Madeline berichtet für euch über ihre Reise und den ersten Tag in Ghana.

Es ist 12.39 Uhr Ortszeit. Wir schreiben den vierten April 2016. Ich bin auf dem Flughafen in Istanbul. Es ist sehr warm hier. Die Reise ist bisher ohne Probleme verlaufen. Der Abschied fiel jedoch sehr schwer. Gleich nachdem ich mich von Pierre verabschiedet hatte, ging es durch die Sicherheitskontrollen. Ich musste nicht lange warten, dann ging es schon weiter.

Ich hatte Glück und bekam für mich alleine eine Sitzreihe am Fenster. Es war noch sehr früh und die Sonne stand somit noch sehr tief. Doch es war ein klarer Himmel mit nur wenigen Wolken. Kurz nach dem Start gab es auch schon die Menükarte in Form einer Fledermaus. Voll die Batmanwerbung. Es gab ein leckeres, warmes Brötchen mit Marmelade, eine Käsetoast, ein Stück Käsegratin mit Spinat und leckeren Kuchen. Aber irgendwie hatte ich nicht wirklich Hunger. Die Aufregung hing mir noch im Magen.

Die restliche Zeit des Fluges hörte ich Musik und nickte ein paar Mal ein. Leider saß ich zu weit von diesen Monitoren entfernt, wo man beobachten kann, wo man gerade lang fliegt. Wir waren auf einmal über schneebedeckte Berge und später schon über dem Wasser. Und plötzlich hieß es dann auch schon Landung. Das Flugzeug flog immer tiefer und das Wasser war jetzt sehr nah. Es glitzerte im Sonnenlicht und es tauchten immer wieder kleine Schiffe auf.

Natur in Ghana

Der lange Flug nach Ghana

Nun warte ich auf den Weiterflug. Der Flughafen kommt mir riesig vor. Und ich glaube auch, dass er um einiges größer ist, als der in Berlin Tegel. Bald beginnt meine Boarding Time. Noch mehr warten. Viel mehr gibt es derzeit nicht zu berichten außer das mir warm ist, ich Durst habe und naja, dass es endlich weiter geht.

Gate 306. Boarding. Mein Ticket und Pass werden nochmal kontrolliert. Dann trete ich durch die elektronische Glastür hinaus zum Bus, der bereits sehr voll ist. Drinnen ist es warm und stickig. Die Sonne knallt. Im Bus findet sich auch gleich die erste ghanaische Bekanntschaft, die mir Tipps für das Land gibt. Minuten später sitze ich im Flieger. Wieder ein Fensterplatz.

Das Flugzeug rollt langsam zur Startbahn und startet wenig später in den dumpf-blau-grauen Himmel hinein. Dieses Mal gibt es Pasta in Tomaten-Parmesansauce mit Auberginen, Quark, Brötchen, Knäckebrot und total leckeres Mousse au chocolat. Auf jeden Fall nicht schlecht. Zudem gibt es als Begrüßung ein leckeres, türkisches Toffee und ein kleines Täschchen mit Ohropax, Socken und einer Schlafbrille. Zudem kann sich die Filmauswahl auch sehen lassen. Ich habe mich neben Joy, Spotlight und Mucking Jay für „The Revenant“ entschieden. Turkish Airlines überzeugt.

Jetzt heißt es wieder die Zeit rumzubringen. Ich bin echt gespannt, wie die anderen alle so sind. Ich schaue immer öfter aus dem Fenster hinaus. Die Sonne formt sich zu einem goldenen Streifen am Horizont. Wie aus einem Meer von Nebel steigen riesige Wolkenformationen hinauf. In einigen sehe ich wie Regen fällt und Blitze nieder gehen. Es ist unbeschreiblich schön anzusehen und magisch zugleich.

Endlich: Ankunft in Accra!

18.50 Uhr Ortszeit lande ich in Accra, Katoka Airport. Schon als ich aus dem Flieger aussteige, weiß ich, dass ich in einer anderen Welt gelandet bin. Es ist schwül, warm und die Luft scheint zu stehen. Ich gehe durch die Eingangshalle. Nach ein paar Metern erreicht mich ein kleiner Kontrollstand, wo der Impfausweis verlangt wird. Doch zuvor muss ich eine Kamera gucken und meine Brille dafür abnehmen. Ich krame im Rucksack nach meinem Impfpass. Es wird kurz rein gesehen, dann darf ich weiter. Ich reihe mich in die Schlange ein. Ein deutscher Mann, den ich schon zuvor im Bus in Istanbul kennengelernt habe, erkundigt sich, ob es klar ist und ich all meine Impfungen habe. Na klar 🙂

Als ich dran bin, werde ich nochmals aufgefordert aus der Schlange zu treten und meine Einreisekarte auszufüllen. Ich fülle sie aus. Jedoch werde ich dann von der Passkontrolle mehrmals gefragt, wo ich schlafe, wer mich abholt und all so was. Ich sage mehrfach von welch einer Organisation ich komme und die Adresse, doch sind die nun drei Leute vom Kontrollposten um mich herum und wollen, dass ich dort anrufe. Ich erkläre ihnen, dass ich bei der angegeben Adresse schlafe und dass mich jemand abholt. Trotzdem soll ich anrufen. Ich zeige ihnen meine restlichen Unterlagen. Die beiden Männer treten weg, Sekunden später muss ich wieder meine Brille abnehmen und in eine Kamera gucken. Langsam wird die Situation unangenehm. Mürrisch wird mir ein Stempel in meinen Pass gedrückt, der es mir erlaubt, einzureisen. Ich bedanke mich für die Unfreundlichkeit und bin froh endlich weiter gehen zu können.

Ich hole meine zwei Koffer Gepäck und folge dem Gang runter in die offene Halle. Dort warten unzählige Leute am Rand. Viele haben Schilder in den Händen und viele rufen nach einem. Ich stelle mich halbwegs am Rand und schaue mich um. Bereits jetzt rennt mir überall der Schweiß hinunter und meine Haare sind verklebt. Ich werde mehrmals angesprochen, ob ich ein Taxi brauche, ob ich Hilfe brauche, ob jemand kommt, der mich abholt. Ich lehne die Hilfe vorerst dankend ab.

Leben in Ghana

Ich schaue mich die ganze Zeit um, ob ich jemand mit einem Schild mit meinen Namen sehe. Doch niemand ist zu sehen. Ich fühle mich von allen Seiten beobachtet. Ich sehe bestimmt verloren aus und langsam fühle ich mich auch so. Nun werde ich oft darauf angesprochen, jeder will für mich die Leute anrufen, die für meine Abholung zuständig sind. Doch ich will immer noch warten. Bei den Straßen, den Verkehr und … es ist normal in Afrika zu warten, jedenfalls war das in allen Büchern so zu lesen. Jedoch sind meine Helfer hartnäckig und einer bekommt mich überredet meine Organisation zu kontaktieren.

Er zückt sein Handy und wir wählen alle Notrufnummern, die ich habe. Jedoch geht niemand ran. Das Licht geht mehrmals in der Halle aus. Stromausfall. Wir gehen zusammen Geld tauschen, sodass ich mir eine neue Simkarte kaufen kann. Doch auch darunter erreiche ich niemanden. Ich schicke eine Nachricht in der Hoffnung somit jemanden zu signalisieren, dass ich dort bin. Ich schlage vor wieder aus den Laden zu gehen, um weiter Ausschau zu halten. Dann endlich höre ich, wie mein Name gerufen wird.

Ich sehe wie Evelyn, meine Koordinatorin, mir zuwinkt. Ich bin erleichtert sie zu sehen. Nachdem ich mich bei meinem treuen Helfer bedankt und verabschiedet habe, folge ich Evelyn mit meinen Koffern durch die Menge. Wir steuern auf den Parkplatz zu und werden immer wieder von Taxifahrern aufgehalten, die uns fahren wollen. Und schon beginnt eine wilde Taxifahrt, die ich nie vergessen werde.

Meine ersten Eindrücke

Der Verkehr ist dicht. Alle fahren, wie sie wollen. Uns kommen Menschen entgegen, die auf der Straße alles Mögliche verkaufen – Wasser in kleinen Plastikpackungen, Toilettenpapier, Nüsse… Einfach alles. Evelyn und ich unterhalten uns aufgeregt. Die ersten Eindrücke prassen nur so auf mich ein. Dann biegen wir in eine sandige Holperstraße, die vom Regen ausgewaschen ist.

Wir halten vor einem großen, grünen Tor. Wir sind da. Meine Koffer werden vom Taxifahrer reingebracht. Dann trete ich auf die Veranda und lerne die anderen Mädels kennen. Viele Gesichter, viele Namen. Ich erzähle, wie meine Reise war. Dann wird mir das Haus gezeigt und ich kann mir mein Zimmer aussuchen.

Die untere Etage eines Doppelstockbettes wird mir zuteil. Das Bad ist gleich nebenan und ist mit dem anderen Nachbarszimmer verbunden. Also muss man immer beide Türen abschließen. Wir sitzen noch eine Zeit lang zusammen, dann gehe ich duschen. Das eiskalte Wasser tut so gut. Eigentlich braucht man sich auch gar nicht abzutrocknen, weil es so warm ist. Ich beziehe mein Bett, das Moskito hängt schon durch meine Bettnachbarin. Es dauert eine Weile bis ich einschlafe.

Humanmedizin in Ghana