Ein Stückchen Himmel in Australien

Blick über den Zaun auf Pferdekoppel

Insider Mara erzählt von ihren Tagen auf einer Pferdefarm:

Anderthalb Wochen waren mir in diesem kleinen Stückchen Himmel vergönnt, bevor es jetzt schon wieder weiter geht.

Als Sandra und der Farmer Phil mich von der Bushaltestelle am Australia Zoo abgeholt haben, war ich ganz schön nervös. Meine erste Woofing Farm, und eigentlich ist das Haus schon voll, außerdem sind alle schon so lange da, kennen die Abläufe. Hoffentlich stelle ich mich nicht zu dumm an und verstehe, wenn ich Aufgaben bekomme. Phil machte aber sofort einen sehr beruhigend freundlichen Eindruck auf mich und da wir erst einmal einkaufen fuhren, konnte ich mich schon mal ein wenig an ihn gewöhnen, bevor ich den fünf unbekannten Backpackern und seiner Frau Belinda gegenüber treten musste.

Blick über den Zaun auf PferdekoppelAls wir dann mit dem Auto die versiegelte Straße verließen und über eine Schotterpiste an den ersten Koppeln mit Stuten und ihren Fohlen vorbeifuhren, im Rücken die wunderschönen abstrakten Glasshouse Mountains, verschlug es mir nicht nur die Sprache, sondern auch ein wenig den Atem. Ein fettes Grinsen im Gesicht durfte ich dann mein Zuhause für die nächsten anderthalb Wochen betreten und lernte die drei Franzosen, die am nächsten Tag abreisen würden, die Irin Claire und den Deutschen Thomas kennen, die mich alle äußerst freundlich begrüßten. Belinda war noch unterwegs und für die anderen standen noch die Abendfütterung und eine Runde Reiten an. Sandra führte mich solange ein wenig herum und erklärte mir schon einmal ein bisschen was über die Aufgaben, das Füttern und die Abläufe der oftmals langen Tage. Ich war einfach nur begeistert!

Die anderen übernahmen zu fünft die Fütterung der Pferde und Sandra und ich bereiteten die Flaschen für die Fütterung der Babyziegen und Schafe vor. Hab ich schon erwähnt, dass ich mir vorkam wie im Paradies? Wir machten noch ein paar Fotos von den anderen beim Reiten und dann lernte ich Belinda kennen, die ebenfalls sehr freundlich zu mir war. Nachdem alle geduscht hatten, half ich bei der Vorbereitung des Abendessens und hätte glücklicher nicht sein können. Ein riesiger Salat, Kartoffeln, Kürbis und Fleisch aus eigener Zucht. Wahnsinnig gut! Hinterher habe ich mit Sandra noch einen Film angefangen, bevor alle früh ins Bett sind, denn wie das auf einer Farm so ist, der Tag beginnt um 6:00 Uhr.

Die Nacht war sehr unruhig für mich auf dem Sofa, aber das lindert nicht im Geringsten meine Motivation am nächsten Morgen. Ziegen füttern, mit dem kleinen Truck auf dem Anhänger nach unten zu den Ställen fahren, beim Pferdefutter vorbereiten helfen und dann Sandra bei der Arbeit mit den Jungpferden helfen, bevor wir wieder nach oben fuhren und mit einem weiteren Highlight weitermachten: Phil hat nämlich ein Abkommen mit den Supermärkten aus der Umgebung, aufgrund dessen er die übriggebliebenen Brötchen, Brote, Backwaren, Kekse und Kuchen aus deren Bäckereien bekommt, die dann die Pferde kriegen – nachdem die Backpacker sich durch all diese Sachen gearbeitet haben und sich herausgesucht haben, was immer sie wollen: Muffins, Kekse, Käsebrötchen, Bretzeln richtiges Vollkornbrot, alles! Genial!

Pferde auf der KoppelNach einem ausgiebigen Frühstück nahmen wir Abschied von den Franzosen, die weiter nach Cairns zogen und fuhren dann wieder runter zu den Pferden, wo ich mit Sandra die jungen Ponys an Gebiss und Zügel gewöhnen durfte. Dann war irgendwann Lunchpause und am späten Nachmittag ging es wieder los mit der Fütterung. Ein paar Ponys mussten wir dazu von der Koppel holen, der Rest bekam sein Futter in große Eimer auf der Weide geschüttet. Das dauert so seine Zeit bei 22 Ponys, 16 Stuten mit Fohlen und nochmal 27 Pferden. Es macht aber auch unglaublichen Spaß, auf und von dem Anhänger zu springen, sich einen Eimer zu schnappen und ihn den Pferden hinzuschütten. Abends wurden die Ziegen noch einmal gefüttert, wir haben geholfen, die Ponys nach der Reitstunde zurück auf die Koppel zu bringen, nacheinander geduscht, mehr oder weniger zusammen gekocht und dann zusammen gegessen. Dabei haben Phil und Belinda uns immer etwas Interessantes über ihre Erfahrungen mit anderen Backpackern auf ihrer Farm erzählen können. Hinterher war meist jeder für sich selber beschäftigt, oder hat Fernsehen geschaut, bevor es dann nicht allzu spät ins Bett ging und am nächsten Morgen wieder früh raus. Von nun an war ich bei den Fütterungen mit dabei und ich muss sagen, ich habe es geliebt!

Eine von den Babyziegen wurde leider krank und verstarb in der nächsten Nacht, was uns alle sehr traurig gemacht hat, aber Belinda hat uns versichert, es war nicht unsere Schuld und so etwas käme leider vor. Sandra fing langsam an, sich zu langweilen und wir haben zusammen eine Farm für Weihnachten kontaktiert, leider aber nie eine Antwort bekommen. Sie wollte auf keinen Fall so lange bleiben und entschloss sich, noch in derselben Woche weiterzureisen und sich noch ein wenig die Küste anzuschauen, bevor sie sich dann zu ihrem Geburtstag am 11. Dezember wieder treffen wollte. Auch Claire entschied, dass sie weiter wollte, auf eine Austernfarm, auf der zuvor Thomas gearbeitet hatte. Die beiden wollten am Donnerstag abreisen, für den Freitag hatten sich zwei neue Backpacker angekündigt. Wir hatten unseren normalen Tagesablauf. Zu zweit dauerte alles ein bisschen länger und manchmal kam ich mir mit Thomas ganz schön einsam vor, da er nicht sonderlich gesprächig war (ganz im Gegenteil zu mir), aber wir machten unser Ding und das nicht zu schlecht. Belinda und Phil ließen uns also am Freitag mit unseren Aufgaben alleine und baten uns, die neuen Backpacker ein wenig herumzuführen, wenn sie ankämen. Es wurde Mittag, es wurde Nachmittag, wir fütterten die Pferde, wir fütterten die Ziegen, wir kochten Abendessen, keine Backpacker. Als Phil und Belinda dann zurückkamen, erzählten sie, die beiden Backpacker hätten sich am späten Nachmittag gemeldet, sie kämen doch nicht. Echt nicht nett, dass sie erst so spät abgesagt hatten…

Wiese mit grasenden PferdenAm Samstag standen dann Pony- und Petpartys an. Das heißt, wir luden nach der Morgenfütterung einige Ponys, Ziegen, Schafe, Schweinchen, Hühner und Meerschweinchen in den Transporter und auf den Truck und Phil fuhr uns zu verschiedenen Events von den Kommunen oder Kirchen, baute einen Kreis aus Zäunen auf, verteilte ein bisschen Heu und ließ dann die Tiere hinein. Mit uns Backpackern unterwegs waren noch vier andere Mädels und so bekamen wir jeweils allein oder zu zweit eine „Farm“ zugeteilt und achteten darauf, dass Kinder und Tiere gut miteinander auskamen. Der arme Phil musste zwischen den verschiedenen Standorten in teilweise weit entfernten Dörfern hin- und herfahren und die Tiere und Betreuer ein- und ausladen. Zwischendurch gab es für uns alle eine kurze Pause mit Essen von McDonalds und einer Cola zum Wachwerden. Wir waren seit 5 auf den Beinen und als wir uns schließlich von hinter Brisbane auf den Weg machten, war es bereits halb 7. Völlig erschöpft luden wir zuhause nur noch alle Tiere aus, fütterten die Ziegen und gingen dann auch ziemlich bald schlafen. Am nächsten Tag hatten wir nochmals zwei Partys, ich betreute alleine eine „Farm“ und Thomas und zwei Mädels boten neben einer anderen „Farm“ noch Ponyreiten an. Weitaus weniger stressig, als der Tag zuvor, aber Phil hatte sich, vermutlich aufgrund der Aircondition eine fette Erkältung zugezogen.

Sandra hatte inzwischen einige (19!!) Farmen angeschrieben und angefragt, ob wir über Weihnachten bei ihnen bleiben könnten. Nachdem das letzte Mal ja so einiges schief gelaufen war, bekam sie dieses Mal innerhalb von Stunden vier positive Rückmeldungen. Ich war zwar ein bisschen traurig, Phil und Belinda mitteilen zu müssen, dass ich schon gehen würde, aber die nächste Farm klang auch sehr vielversprechend. Ebenfalls mit Pferden, Schafen, Rindern, Geflügel, Katzen, Schlangen, Kaninchen und einem kleinen Fitnessraum. Ich arbeitete und genoss also meine letzten Tage bei Phil und Belinda bis zum bitteren Abschied und tat, was immer ich konnte. Diese meine erste Erfahrung wird definitiv ganz tief in mir verankert bleiben, denn es war eine unglaublich tolle, wenn auch anstrengende Zeit! Ich bin Phil und Belinda unglaublich dankbar, dass sie mir ermöglich haben, das so auf diese Weise zu erleben. Schade ist nur, dass ich nicht zum Reiten gekommen bin, aber wer weiß, schließlich geht es ja auf noch eine Pferdefarm. Und mit dem Fitnessraum kann ich mir die ganzen angefressenen Kekse hoffentlich wieder abtrainieren, die ich bei Phil und Belinda so genossen habe.

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