Ein Leben im Dreieck

Monte Verde y La Fortuna (26. – 29.4.13)

Das war eine Reise, die sich wirklich mehr als gelohnt hat, nicht zuletzt wegen meiner tollen Begleitung Simone. Aber ich beginne von Anfang:

Am Donnerstag vor der Reise war ich noch mit meinen Leuten im Castros und habe einen Abend in neuen High Heels und neuem Kleidchen durchgetanzt. War mal wieder der Wahnsinn und ich kam kaum zum Sitzen 🙂 Im Endeffekt war ich um halb 3 im Bett und musste um halb 5 schon wieder aufstehen, denn der Bus nach Monte Verde ist um halb 7 in San José abgefahren und man musste um 6 schon dort sein. Aber ich kann ja im Bus schlafen – dachte ich 🙂
03.05. Ramona 1
Der Bus war wieder ein komfortabler Reisebus und gerappelt voll. Wir haben auf der Strecke auch immer wieder angehalten und Passagiere aufgenommen und andere aussteigen lassen. Nach ca. der Hälfte haben wir eine Pause eingelegt, während der der ganze Bus geräumt werden musste. Simone und ich waren natürlich schlau und haben unsere Taschen mitgenommen – die Koffer waren im Gepäckfach unten. Kaum waren wir ausgestiegen, haben wir dann mitbekommen, dass einer Reisenden aus den USA ihr Rucksack geklaut wurde. Sie hatte ihn nicht mit nach draußen genommen und dann hat der Dieb sich den einfach geschnappt, als seinen ausgegeben und sich vom Acker gemacht. Auf der Fahrt hat der Busfahrer noch gemeint, dass wir auf unser Gepäck gut aufpassen sollen und hat auch die Leute nur vorne aussteigen lassen (war also sehr verantwortungsvoll!). Wie auch immer, wir haben dann auf die Polizei gewartet und die haben den Komplizen verhaftet, den der Busfahrer enttarnt und festgehalten hat. Aber die Tasche war natürlich futsch. Es tut mir für das Mädchen schon leid, aber Dummheit muss einfach bestraft werden. Wir haben ca. 45 Minuten verloren, aber okay. Während der restlichen Busfahrt war dementsprechend auch nicht mehr an Schlaf zu denken, zudem gingen die letzten 20km über Schotterpiste. Aber genau in der Zeit muss ich doch mal 20 Minuten eingenickt sein 🙂

03.05. Ramona 2
03.05 Ramona 3
Kurz noch allgemein zu Monte Verde: Das liegt in den Bergen von Costa Rica und dementsprechend ist es da auch kalt und windig. Ich hatte meine Jeans dabei und war echt froh darum. Auch um meine Jacke und mein Langarmshirt! In der ersten Nacht war es sogar so kalt, dass ich mir die Tagesdecke des Bettes stibitzen musste, um nicht zu frieren und Simone hat sich ihre Klamotten angezogen (weil ich ja die Decke hatte…). An sich ist es auch nicht groß. Das Leben spielt sich mehr oder weniger in einem Dreieck ab, in dem unsere Bar und auch unser Backpackers lag. Also alles sehr nah beieinander.

03.05 Ramona 4

Nach der Ankunft so um halb 12 rum sind wir in unser Backpackers und haben uns erstmal einen Überblick über die möglichen Aktivitäten verschafft. Unser Rezeptionist, Roland (soooowas von in Ordnung), hat sich 10 Minuten mit uns hingesetzt und uns alles erzählt und uns ehrlich gesagt, was sich lohnt und was eher nicht. Von Infos überhäuft, haben Simone und ich uns auf die Suche nach etwas Essbarem gemacht, um dabei dann einen genauen Plan auszuhecken. Das Essen war super und der Plan auch schnell erstellt:

Fr: Ausritt mit Sonnenuntergang

Sa: Canopy und Night Walk
So: Nebelwald, Transfer nach La Fortuna (Taxi-Boot-Taxi) und Hot Springs
Mo: Frühschoppen am Pool und Heimfahrt

Roland hat uns alles am selben Tag noch gebucht und somit konnten wir uns um eine Unterkunft in La Fortuna kümmern. Die haben wir am Samstag durch die Empfehlung von Jerry (Intercultura) gefunden und auch gleich gebucht.

Zurück zu Freitag. Die Tour mit den Pferden war toll. Die waren wohlgenährt und auch die Besitzer waren richtig nett. Waren nur eine Gruppe von 4 Leuten und daher alles sehr gemütlich und ohne Stress. Mein Pferd – Pinto – hat sich auch immer benommen und lief quasi auf Autopilot xD Der Guide ist vorneraus geritten und wir in einer Linie hinterher. Die Finca, auf der wir unterwegs waren, umfasst 60 Hektar und darauf finden sich auch Bananen und Kaffeepflanzen neben einem tollen Wald mit teils echt alten Bäumen und Grünflächen. Die meiste Zeit sind wir Schritt geritten und nur zwei Mal kurz getrabt. Das Traben war nicht nur wegen dem Tempowechsel lustig, sondern auch, weil das Pferd vor mir (Simone…^^) mit jedem Schritt einen fahren ließ xD Wir sind ca. um 4 los und waren gut zweieinhalb Stunden unterwegs, was heißt, dass wir den Sonnenuntergang gesehen haben 🙂 Der war an dem Tag einfach der Wahnsinn. Alle Farben waren vertreten, die man sich nur wünscht! Während dem Ritt war es echt gemütlich, nur die ersten Schritte auf dem Boden fielen uns echt schwer, sind gelaufen wie Omis 🙂

03.05 Ramona 603.05. Ramona 7
03.05 Ramona 8
03.05. Ramona 5
Danach war erstmal eine heiße Dusche nötig, war doch recht frisch! Abendessen haben wir uns selbst gemacht. Baguette mit Avocado und Queso Crema (Frischkäse), dazu gabs dann Cuba Libre aus der Dose xD Nach dem Vorglühen haben wir uns dann in DIE Kneipe der Einheimischen gemacht. In der waren allerdings auch viele Backpacker, aber egal, denn die Live-Musik war einfach spitze (Salsa, Bachata, Merengue und Cumbia, versteht sich ja von selbst^^). Simone und ich haben viel getanzt und auch einem Münchner ein paar Grundschritte beigebracht xD Es war also ein wunderbarer Abend, an dem wir erst so um halb 2 ins Bett sind. (Nur zur Erinnerung: in der Nacht vorher hab ich nur 2h geschlafen!!) Aufgestanden sind wir um halb 9 zum Frühstück, das in der Unterkunft inbegriffen war. Lecker Obst und Tortillas mit Ei, Picadillo und Gallo Pinto.

03.05. Ramona 9
03.05. Ramona 10
Dann gings zum Canopy. Für die Unwissenden, das sind Stahlseile (in unserem Fall ca. 10), die über eine große Distanz gespannt werden und man hakt sich dann da mit Klettergurt und Rollen ein und fährt auf die andere Seite. Das gibt’s in einer sitzenden Position, oder auch wie Superman. Ich hab bei Letzterem aber gekniffen xD Es gab auch noch eine Tarzan-Swing, sprich 40 Meter in die Tiefe Springen (kein Bungee!) und dann ein paarmal hin und her schwingen. Hier hab ich auch gekniffen, wie die meisten ^^ Kurz und knapp: Die Aussicht über dem Dach des Waldes ist einfach spitze und es ist einfach Adrenalin pur so hoch über allem entlang zu rasen! Wir sind von Plattform zu Plattform gefahren und an jeder einzelnen hat ein Guide alles mit dem Geschirrzeug arrangiert. War toll organisiert und wir waren hier gut 3 Stunden unterwegs. Simone und ich haben dort sogar eine Mannheimerin kennengelernt, mit der wir uns super verstanden haben. Wie klein die Welt doch wieder ist. Erst das Mädchen aus Lampertheim in Sámara und jetzt die Mannheimerin beim Canopy xD Nach der Rückkehr haben wir wieder gegessen und eine Siesta eingelegt, damit wir für den Abend fit waren.

03.05. Ramona 11
03.05. Ramona 12
03.05. Ramona 13
03.05. Ramona 15
Der Night Walk hat um 6 angefangen, als es schon fast ganz dunkel war. Sind mit ca 10 Leuten, Guide und Taschenlampe durch den Wald gelaufen. Alles auf Spanisch, nur ab und zu auf Englisch 🙂 Was haben wir alles gesehen… Eine riesige Tarantel, ein schlafender grüner Tukan, ein Faultier und nochmal ein anderes Faultier – mit BABY!!! So süß, aber leider echt schwer zu fotografieren. Ich habs mal versucht, vielleicht erkennt ihr ja doch was. Es war insgesamt eine echt tolle Erfahrung, die ganzen Geräusche des Waldes bei Nacht zu erleben. Nicht zuletzt war unser Guide auch super und hat uns echt viel erzählt. Faultiere verlassen zum Beispiel nur einmal in der Woche die Bäume, um sich zu erleichtern. Wenn er Baby runterfällt, holen sie das nicht wieder hoch, weil es entweder eh schon tot ist oder, falls es noch lebt, mit seinem Geheul die Tiere anlockt, die es zum Fressen gerne haben. Einmal haben wir auch alle die Taschenlampen ausgemacht und uns bei den Händen genommen und sind ein Stück in völliger Dunkelheit gelaufen. Was eine Erfahrung 🙂 Um 8 War das dann auch rum und nach neuem Abendessen (Baguette mit Avocado, Queso Crema und Schinken mit Cuba Libre) sind wir wieder in die Bar des Abends davor gegangen. War aber nicht so gut, wie der Abend zuvor.

Was ich noch gar nicht erzählt habe: Am ersten Abend in der Bar und unserer Tanzerei  müssen wir ziemlich Aufmerksamkeit auf uns gezogen haben, denn am nächsten Tag haben unser Rezeptionist Roland und auch noch 2 andere Typen auf der Straße uns angesprochen, ob die Bailerinas (=wir) heute wieder in die Bar kommen. 🙂

Sonntag. Wieder früh aufstehen, denn wir mussten den Bus um 6:15 Uhr Richtung Nebelwald nehmen, denn die Tour hat um halb 8 begonnen. Mussten auch vorher noch Packen, aber alles kein Problem, waren nur irgendwann im Wald einfach mal kurz hundemüde. Wir waren pünktlich an der Bushaltestelle aber es kam und kam kein Bus… Nach einer halben Stunde wurden wir dann echt misstrauisch. Und nach einer knappen Stunde warten mussten wir dann ein Taxi nehmen, um unsere Tour nicht zu verpassen. Toller Beginn für den Tag.

Angekommen im Nebelwald, haben wir unseren Eintritt bezahlt und unseren Guide bekommen. Wir haben die Tour im Voraus auf Spanisch gebucht, doch unser Guide hat Englisch gesprochen, weil die Leute in der Gruppe (ca. 10 Leute) kein Spanisch verstanden haben. Noch ein Minuspunkt für den Tag. Simone und ich haben dann kurz überlegt, was wir machen sollen und haben dann schließlich den Guide gewechselt, was absolut die richtige Entscheidung war! Wir haben dann Oscar bekommen, der uns im Gesamten wesentlich sympathischer war und der nur Spanisch und ein paar Brocken Deutsch gesprochen hat. Er war sich auch nie zu schade, uns Wörter zu erklären, die wir nicht verstanden haben. Und das allerbeste: Nur Simone und ich sind mit ihm auf Tour gegangen 🙂 War einfach super. Konnten ihn alles fragen, was wir wollten und auch so unsere Scherze mit ihm machen. Um die Tiere zu sehen, die er gefunden hatte, hat Oscar ein Teleskop mitgenommen. Wären wir mit der großen Gruppe gegangen, hätte sich das gefundene Tier unter Umständen schon fortbewegt, bevor der Letzte geguckt hätte. Wir haben alles richtig gemacht und das hat alles Negative von vorher wettgemacht!

Der Nebelwald hat seinen Namen eigentlich von dem vorherrschenden Nebel, doch wir haben einen der Tage erwischt (sind lediglich 10%), an denen es keinen Nebel gab, sondern nur Sonne. Und die Sonne erreicht nur 2% des Bodens des Waldes, weshalb alle Bäume sehr schnell wachsen (um ans Licht zu kommen). Alles was wir an Pflanzen gesehen haben war sooo schön! Die Bäume sind der Wahnsinn und auch der Rest. Unbeschreiblich!! Guckt euch einfach die Bilder an, dann wisst ihr, was ich meine. Wir haben auch einige Tiere gesehen. Einen Kolibri, einen Tukan, der gerade aus seinem Nest geflogen kam, einige große Vögel (hab den Namen vergessen) und transparente Schmetterlinge. Oscar – der grade mal 4 Monate dort gearbeitet hat – konnte uns richtig viel erklären und seine Sprüche waren einfach der Hammer!

Zurück ging es dann wirklich mit dem Bus und wir erfuhren, dass unser Bus doch gefahren sei, doch von einer anderen Haltestelle und auch 10 Minuten früher als normal -.- Mala Suerte… Pech gehabt. Zurück gabs wieder Essen, dieses Mal mit Vorspeise: Cerveza für Simone und Smirnoff Ice für mich 🙂

Nach dem Drink haben wir uns jedenfalls für die Aguas Termales fertig gemacht und unseren Taxifahrer vom Nachmittag zu uns bestellt (hatten seine Visitenkarte). Waren dort um viertel vor 7, also als es schon dunkel war. Der Ort war relativ neu, und wir hatten ihn nur über Trip Advisor gefunden, wo er – zu Recht – super Bewertungen hat. Die bekannten Bäder sind wesentlich teurer und überlaufener, selbst zu so später Stunde.

Es gibt dort 3 heiße Becken (33°C, 38°C und 42°C), zwei Becken zum Abkühlen und einen heißen Jakuzzi. Alles so traumhaft zwischen Pflanzen versteckt, wir haben uns ein oder zwei Mal beim Suchen vom Eingang ertappt^^ In 2 warmen Becken waren auch Wasserfälle und Betten im Wasser. Wenn man sich da draufgelegt hat, lag man im Wasser und nur der Bauch hat ein wenig rausgeguckt. Wären das ein oder andere Mal dort einfach eingenickt xD Wir waren auch fast die einzigen Gäste dort, konnten uns also vollkommen fallen lassen von den vielen Wanderungen und der Busfahrt. Um 9 waren wir dann fix und fertig und sind zurück ins Hostel – wieder mit unserem Taxifahrer J Haben uns nochmal ein bisschen was zum Trinken gekauft, uns in die Hängematten gefläzt und den Abend ausklingen lassen. Um 10 rum waren wir dann im Bett und haben den Schlaf der vergangenen Nächte nachgeholt.

Nächster Tag dann Frühstück im Schwester-Hostel und Frühshoppen in der Poolbar. Jeweils 2 Cocktail innerhalb von einer Stunde und ab gings zum Packen uns auschecken (freundlicherweise erst um 12 Uhr). Um viertel vor eins haben wir uns dann auf den Heimweg gemacht. Die Busfahrt war nicht unspektakulärer als die Fahrt nach Monte Verde. Wieder Reisebus (diesmal ohne Klima) und wieder haben wir überall angehalten und Leute ein- und aussteigen lassen. Nach der Erfahrung auf der Hinfahrt waren wir dieses Mal noch wachsamer, denn Simones Reisetasche war im Passagierraum, während mein Koffer wieder unten war. Aber in der Hinsicht war alles reibungslos. Nur nach ca. 20 Minuten fahrt ist uns ein Reifen geplatzt. Zum Glück einer der Zwillingsreifen, also konnten wir noch ein Stück zur nächsten Werkstatt fahren. Dort wurde die Meute dann aufgeteilt: Reisende nach San José (also wir) durften in dem Bus bleiben, der Rest musst aussteigen und auf den Ersatzbus warten. In der Werkstatt wurde dann der Ersatzreifen aufgezogen und wir konnten weiter. Sind mitten durch die Berge gefahren und wieder konnte man meinen, dass wir uns in Bayern befinden. Simone ist schon sehr viel mit den Bussen gereist und sagte, es wäre landschaftlich die schönste Busfahrt gewesen. Glaub ich ihr gerne und ihr bestimmt auch, denn die Bilder unten sind aus dem fahrenden Bus heraus entstanden 🙂

Wir waren dann am Montag so um 5 rum wieder daheim. Wir hatten das ganze Wochenende keinen Regen und kaum war ich zur Haustür drin, beginnt der – hier lang ersehnte – Wolkenbruch.

Soviel dann mal zu meinem Wochenende. Es war super und ich bin froh, dass wir alles geschafft haben zu machen, und das wir mit allem so ein Glück gehabt haben!! Am Dienstag haben mich auch viele auf Arbeit gefragt, wo ich denn am Montag gewesen wäre. So süß 🙂

Noch ein Wort zur Statistik dieses Blogeintrags: Dienstagnachmittag habe ich 2 Stunden lang die rund Fotos (aus)sortiert und bearbeitet, Mittwochmittag habe ich gute 2 Stunden diesen Text (gut 3000 Wörter) geschrieben und heute hat es auch wieder eine Ewigkeit gedauert, bis ich alle Fotos hochgeladen hatte (bestimmt auch 3h, weil das Programm öfter mal gesponnen hat). Aber ich freue mich ja, meine Erfahrungen mit euch auf diesem Wege teilen zu können.

Sonst gibt’s nichts Neues. Es sind nur noch gut zwei Wochen bis ich wieder da bin. Das ging jetzt so schnell rum… Himmel! Was steht jetzt noch an? Dieses Wochenenende fahre ich nach Manuel Antonio. Mit meinem gastbruder aus Frankreich 🙂

Wenn ihr Wünsche für Gastgeschenke habt, dann lasst es mich bitte bald wissen. Gehe jetzt nach und nach auf die Suche. Das eine oder andere habe ich schon gefunden, aber denkt bitte an das Gewicht von meinem Koffer 😛

Ciao Ciao 🙂

https://www.praktikawelten.de/freiwilligenarbeit-costa-rica