Deutscher als Deutschland: Blumenau

Statue des Stadtgründers Dr. Hermann Bruno Otto Blumenau

Unser Insider Sabine war in Blumenau und berichtet von der deutschen Stadt:

Trotz dem Regenwetter fuhren meine Sprachlehrerin und ich am Samstag nach Blumenau. Die kleine Stadt ist nach dem Stadtgründer Dr. Hermann Bruno Otto Blumenau benannt. Sie wurde 1850 von deutschen Siedlern, die nach Brasilien gekommen waren, gegründet. Dies kann man heute noch an den vielen Fachwerkhäusern, ganz im deutschen Baustil, sehen. Neben dem Denkmal für Herrn Blumenau schauten wir uns auch sein Haus an.    Statue des Stadtgründers Dr. Hermann Bruno Otto BlumenauEs steht zusammen mit zwei anderen Häusern in einem sehr hübsch angelegten Garten. Er gehörte Edith Gaertner. Ihre Familie war mit der von Dr. Blumenau befreundet und sie erbte schließlich das Grundstück mit den drei Wohnhäusern. Edith war oft alleine und schaffte sich deshalb viele Katzen an, die alle im Garten auf einem extra für die Katzen angelegtem Friedhof beerdigt worden sind. Die toten Tiere wurden feierlich mit einer Zeremonie und Grabsteinen auf dem „Cemitério dos Gatos“ bestattet.

Die Häuser der Siedlerfamilien sind heute für Touristen zu besichtigen. Ich fühlte mich wie in einem Museum über deutsche Geschichte, weil die Einrichtung wirklich deutsch aussah. An den Wänden hingen zum Beispiel Häkeldecken mit deutschen Schriftzügen, auf denen Gott um Schutz für das Haus und Glück im Leben gebeten wurde. Interessant fand ich auch, dass jedes Haus damals mit Dachboden errichtet wurde, da Blumenau sehr unter der Gefahr von Hochwassern liet. Durch die Stadt fließt der Rio de Itajai, der zweimal dafür sorgte, dass die Stadt vollständig überschwemmt und somit zerstört wurde. Nachdem die Blumenauer damals zweimal ihre Stadt wieder neu aufbauen mussten, waren sie so gut wie ruiniert und fanden eine ungewöhnliche Lösung, um wieder an Geld zu gelangen. Sie beschlossen, ein großes Fest zu feiern, damit die Besucher wieder Geld in die Stadt brachten. Der Plan ging auf: Heute hat Blumenau das zweitgrößte Oktoberfest der Welt. Es orientiert sich ganz am Münchner Original und wird in der Villa Germanica gefeiert. Um diese große Festhalle sind kleine Häuser im deutschen Fachwerkhausstil errichtet, in denen sich Läden mit „deutschen“ Produkten sowie Restaurants befinden, die „deutsche“ Speisen anbieten. Das musste ich natürlich sehen. Aber ich konnte nicht aufhören, den Kopf zu schütteln. Diese deutsche Kopie ist deutscher als Deutschland selbst!!!! Und ich glaube, man findet nirgendwo in Deutschland ein Fleckchen, das so übertrieben deutsche Traditionen auslebt. Zudem wird hier vor allem Bayern verkörpert und nicht Deutschland. Lustig zu sehen war es trotzem. 🙂

Was mich auch schockiert hat, war das Museu da cerveja, das Biermuseum. Bier ist für mich definitiv ein deutsches Produkt, aber in diesem Museum schien es eine Erfindung der Brasilianer zu sein. Ich fühlte mich ein bisschen wie in einer Puppenwelt, in der ein Kind Deutschland nachspielt. Mittags aßen wir in einem typisch brasilianischen Kilo-Restaurant. Man kann sich an einem Buffet bedienen und stellt seinen Teller anschließend auf eine Waage. Der Preis richtet sich dann nach dem Gewicht des Essens. Die vielen verschiedenen Speisen waren total lecker, vor allem das Farofa und die Batata dolce schmeckten mir besonders gut. Letzteres sind Süßkartoffeln, die gekocht in Karamellsauce warm serviert werden. Das Beste war, dass der sobremesa, der Nachtisch, frei war. Ich probierte mich durch und naschte auch vom sago ao vinho. Das sind Pflanzensamen, die in Rotwein eingelegt sind. Sie sehen ein bisschen aus wie rote Frosch- oder Fischeier und sind sehr glibberig, aber auch lecker, wenn man nicht zu viele isst. 🙂

Leider sind unsere Projekte in Brasilien ausgebucht, allerdings haben wir viele tolle Alternativen in Südamerika.
► Hier findest du z. B. Sozialarbeit mit Kindern in Argentinien