Das zweite Mal, manchmal schneller als erwartet

Drei Mädels stoßen gemeinsam an

Insider Mara erzählt von ihrer Jobsuche in Australien:

Man sieht sich immer zwei Mal im Leben und manchmal schneller als erwartet…

Als der Tag der irgendwie ersehnten Abreise aus Brisbane dann kam, war der Abschied von Freunden, Hostel und Stadt tatsächlich recht schmerzhaft. Die etwa dreistündige Busfahrt über haben Heike und ich viel über unsere bisherigen Erlebnisse in Australien gesprochen, aber auch über unsere Erwartungen an Job und Hostel.

Drei Mädels stoßen gemeinsam anIn Stanthorpe angekommen sahen wir erstmal nichts, denn es war mittlerweile dunkel und das Hostel lag am nördlichen Ende der Stadt. Beim Einchecken bekamen wir direkt unsere Arbeitsunterlagen in die Hand gedrückt, mit der Ansage, sie bitte bis zur Abfahrt um 5:30 Uhr fertig zu haben. Doug, der Hostelbesitzer, führte uns dann noch im Hostel herum und drückte uns einen Zettel mit den Hausregeln in die Hand, bevor er uns in unserem Zimmer, einem halben Haus mit sechs Betten, eigenem Bad und Dusche alleine ließ. Wir waren tatsächlich auch wirklich alleine in dem Zimmer und konnten so die freie Auswahl an Betten und Platz genießen, um uns gemütlich einzurichten. Nachdem auch das erledigt war, ging es in die zwar geräumige, aber super volle Küche, in der wir schon mal erste Kontakte knüpfen und nach 20 Minuten auch mit dem Kochen anfangen konnten.

Bei der Erwähnung des Namens unserer Farm wurden so manche Gesichter ein wenig mitleidvoll verzogen, was uns natürlich gleich beruhigt hat… Wir wurden aber sehr freundlich behandelt und darüber aufgeklärt, dass wir vermutlich Pfirsiche pflücken würden und gefragt, ob wir vielleicht das Babypuder haben wollten, dass eines der Mädchen gegen den Ausschlag gekauft hatte, den viele von den Pfirsichhaaren bekämen. Mit etwas gemischten Gefühlen ging es dann zurück auf unser Zimmer, wo wir uns noch schnell versucht haben, durch den Papierkram zu arbeiten, was gar nicht mal so einfach war. Dann ging es ins Bett, schließlich mussten wir ja früh raus.

Bild eines Farm- oder HostelgebäudesAm nächsten Morgen klingelte dann also um Viertel vor Fünf der Wecker. Um halb 6 hatten wir das Frühstück heruntergeschlungen und unsere reichlichen Wasserflaschen gefüllt, sowie das Mittagessen eingepackt. Wir stiegen also mit fünf weiteren Leuten aus unserem Hostel in den Bus (darunter mal wieder zwei Deutsche) und fuhren zur Farm. Dort wurden wir erstmal nicht begrüßt und nur angewiesen, auf die Anhänger hinter dem Trecker dort hinten zu steigen. Und dann ging es los. Auf den Teil der Plantage voller Nektarinen. Angekommen, hieß es nur „Holt euch die Leitern am Ende der Reihe und fangt an zu Picken. Und zwar schnell. Okay?“ Was jetzt genau, worauf muss ich achten, und wie schnalle ich überhaupt diesen Bucket um? Ich hab dann, glaube ich, auch erstmal alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. Ich wurde dann prompt auch zwei Mal von einer der anderen Arbeiterinnen von der Leiter wieder heruntergeholt, bis ich schließlich ungefähr eine Ahnung hatte, was ich pflücken sollte und wie. Vom Chef keine Spur.

Um 10 war die erste kurze Pause, „Smoko“. Es war bereits um die 30 Grad heiß und die Sonne brannte unerbärmlich. So arbeiteten wir dann auch nur noch weitere 1,5 Stunden, bis es Schluss für heute hieß. Wieder vorne am Parkplatz der Farm gab es dann auch noch einen schönen Einlauf. „ Wenn ihr nochmal wiederkommen wollt, dann müsst ihr euch schon deutlich mehr anstrengen, sonst könnt ihr am Montag zuhause bleiben.“ Bitte was? Alle der anderen Arbeiter hatten eben noch zu uns gesagt, für den ersten Tag wären wir echt nicht schlecht gewesen und außerdem hatte er uns doch nicht mal arbeiten sehen? Und sowieso, warum erst Montag?

Aber so sah es aus. Wir hatten die nächsten beiden Tage frei, die wir damit verbrachten, das kleine, aber äußerst schnucklige Stanthorpe zu erkunden, uns in der Hitze zu sonnen, einzukaufen und stundenlang Karten mit unseren Zimmernachbarn zu spielen. Man kann nicht sagen, dass es keinen Spaß gemacht hätte, aber eigentlich war ich ja nach Stanthorpe gekommen, um dort zu arbeiten. Mit dem Sonntag bekamen wir auch eine Zimmergenossin, die zwar auf der gleichen Farm arbeiten sollte wie wir, allerdings im Shed, zum Packen.

So standen wir Montag zu unterschiedlichen Zeiten auf, bei uns ging es wieder um 5:30 Uhr los, bei ihr erst später. Wir bekamen dieses Mal direkt zu Beginn alle die Ansage, wir hätten drei Stunden, um zu beweisen, dass wir arbeiten könnten, ansonsten dürften wir gehen. Ich habe also mit mindestens der doppelten Geschwindigkeit gearbeitet, wie zuvor und war meiner Meinung nach auch sehr erfolgreich, denn der Bucket Boy, der dieses Mal immer unsere Eimer für uns ausleerte, war schwer beschäftigt und hatte Mühe, immer alle mit neuen Eimern zu versorgen. Wir waren alle sehr engagiert und meiner Meinung nach gingen wirklich viele voll beladene Trucks von unserem Feld.

Nach der Mittagspause, nach mittlerweile 7,5 Stunden Arbeit in der Hitze kam der Farmer tatsächlich aber nochmal vorbei und rief alle zusammen. Er hätte jetzt die Nase voll, von der Art, wie wir arbeiten würden, immer nur mit einer Hand am Pflücken und davon wie wir uns an der Leiter festklammern würden, statt mal zu arbeiten. Mit diesen Worten stieg er das erste Mal auf die Leiter und machte mal vor, wie er es machen würde. Hinterher hatten wir noch ganze fünf Minuten Zeit, ihm zu zeigen, dass wir es genauso machen könnten, denn dann war unsere Schicht zu Ende. Wir fuhren alle sehr erschöpft, aber doch zufrieden zurück ins Hostel, schließlich hatten wir ja lange und hart gearbeitet. Nach dem Duschen ging es noch schnell zu Aldi, um für das nächste Lunchessen einzukaufen. Hinterher ging es dann an die Verarbeitung eben jener Zutaten, bevor Heike und ich auf dem Zimmer einen Film schauten.

Weihnachtsmarkt mit buntem TannenbaumIrgendwann um kurz vor 7 klopfte es an der Tür und Doug, der Hostelbesitzer kam ins Zimmer. „Girls, ihr braucht morgen nicht mehr arbeiten gehen.“ Wir waren beide so perplex, dass wir nur okay sagen konnten, bevor Doug auch schon wieder weg war. Danach brach zumindest bei mir erst einmal Panik aus. Wie keine Arbeit? Wir gingen vor die Tür, wo unsere Nachbarn zusammensaßen. Max, einer der Deutschen, der ebenfalls mit uns arbeitete, erzählte stolz, Doug hätte ihm mitgeteilt, er habe den Test des Farmers bestanden. Zwei der Mädels, die mit uns zusammengearbeitet hatten sagten, sie gingen morgen nicht mehr hin. Sie hätten keine Lust mehr, sich immer so fertigmachen zu lassen. Tja, und wir sagten „ Wir sind gefeuert worden.“ Dann brach auch bei den anderen die Panik aus. Vor allem, als irgendjemand anmerkte, in den Hausregeln stehe doch, man müsse das Hostel verlassen, wenn man den Job verliert. Es wurde also dringend Zeit, noch einmal mit Doug zu reden, um herauszufinden, ob wir tatsächlich packen und gehen müssten, oder bleiben dürften und er einen andern Job für uns hätte.

Wir mussten 45 Minuten warten, bevor er wieder da war. Resultat des Gespräches war, dass wir zwar noch nicht am nächsten Morgen, spätestens aber am Morgen danach abreisen müssten und der Farmer gesagt hätte, genau wir beide hätten einfach viel zu langsam gearbeitet und er hätte uns ja mehrmals ermahnt. Wir waren natürlich stinksauer, da der Farmer nie etwas Derartiges zu uns in Person gesagt hatte; immer nur allgemein… Dann war da natürlich noch das Problem, dass wir theoretisch obdachlos waren, obwohl wir eigentlich noch für eine Nacht mehr bezahlt hatten. Wohin gehen? Was machen? Ich hatte das Gefühl, dringend mal wieder Geld reinbekommen zu müssen und etwas zu tun. Und jetzt hatte ich den Job innerhalb von zwei Arbeitstagen verloren, nachdem ich mehr als eine Woche gesucht hatte. Den nächsten Tag verbrachten wir also im 30 Minuten entfernten McDonalds, wo es das nächste WLAN gab, um nach Alternativen in Stanthorpe oder irgendwo zu suchen. Erfolglos.

Also buchten wir den Bus zurück nach Brisbane, verbrachten den Tag damit, zu reflektieren, was falsch gelaufen war und packten. Sicherlich spielte der Fakt, dass an dem Tag, bevor wir angefangen hatten, erst drei andere neue Leute auf dieser Farm angefangen hatten, eine große Rolle, da sicherlichünf neue Leute einfach zu viel Geld beanspruchten. Aber egal, was der Grund war, es war einfach feige und unfair von dem Farmer, uns nicht persönlich zu informieren, sondern den Hostelbesitzer damit zu beauftragen, uns zu feuern.

Wie auch immer, am nächsten Morgen stiegen wir um 7 in den Bus zurück, saßen drei Stunden im uns bekannten Transitcenter und suchten nach Jobs, bevor wir schließlich in unser Hostel zurückkehrten. Zurück zu den Leuten, von denen wir gedacht hatten, uns für immer verabschiedet zu haben. Das Wiedersehen war freudig, aber natürlich von allen Seiten mit der Frage gespickt, was passiert war. Das musste dann natürlich auch gefühlte hundert Male erklärt werden.

Mara und Freundin vor WeihnachtsmarktSandra hatte mir eine Internetseite empfohlen, wo Familien oder Farmer Arbeit im Austausch gegen Unterkunft und Verpflegung anbieten können. Ich hatte für Heike und mich einige Farmen kontaktiert und hoffte auf eine Antwort, deshalb buchten wir erst einmal eine Nacht im Hostel. Sandra hatte ebenfalls angefragt, ob ich auch interessiert wäre, mit ihr zusammen auf eine Farm zu gehen. Die Situation sah also gar nicht so schlecht aus, dennoch raubte das Warten ganz schön Zeit und Nerven. Die kontaktierten Farmer sagten leider ab, zudem hatte Heike das Angebot bekommen, wieder im Hostel gegen Unterkunft und Geld zu arbeiten, für sie also perfekt.

Sandra bekam dann eine positive Rückmeldung, dass wir beide auf eine gar nicht so weit entfernte Farm fahren könnten. Super! Einige Stunden später bekam sie dann allerdings eine Absage wegen unvorhersehbarer Umstände. So ging das Ganze tatsächlich noch zwei Mal, bis Samstagabend. Wir waren für Sonntag verabredet, da es dort für Sandra am einfachsten gewesen wäre, ihre derzeitige Farm zu verlassen. Ich verfiel also schon wieder in Panik und Verzweiflung, bis Sandra anrief, um zu fragen, ob ich nicht zu ihr auf ihre Pferde-Farm kommen wollte. Die Betten seien zwar alle besetzt, aber ich könnte eine Nacht auf dem Sofa verbringen, bevor drei der aktuell sechs Backpacker gehen würden. Ich war sofort einverstanden, denn Sandra, die es sonst nie lange irgendwo aushält, war jetzt schon drei Wochen auf dieser Farm und das mit ziemlicher Begeisterung. Verständlich, denn die Farm liegt inmitten von wunderschönen Bergen und beherbergt 70 Pferde und Ponys, drei Hunde, eine Katze, sowie einen mobilen Streichelzoo mit Hühnern, Ziegen, Schafen, Minischweinen, Meerschweinchen und zwei kleinen Ponys, von denen eins eine pinke Mähne hat. Aufgrund der Reitschule, die die beiden Besitzer betreiben, bekämen auch unerfahrene Backpacker eigentlich immer die Chance, zu reiten.

Um es kurz zu machen, ich habe keine Sekunde gezögert, sondern direkt ja gesagt! Endlich wieder Pferde, reiten können und nebenbei noch keine Kosten für Essen und Bett! Großartig!!! Während ich also den zweiten „letzten“ Abend mit meinen Freunden mit gutem Essen, Kartenspielen und Rumalbern verbrachte, buchte ich den Bus, der mich noch am nächsten Tag zu Sandra und in dieses Paradies bringen sollte. Mal wieder zwiegespalten wegen des Abschiedes von allen und allem und der Vorfreude auf eine ganz neue Erfahrung auf einer echten australischen Farm packte ich also wieder meinen Rucksack; in der Hoffnung, dieses Mal ein wenig mehr Glück zu haben und ein bisschen länger zu bleiben, als nur fünf Tage.

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