Das Heilige Tal um Olataytambo

Peru Das Heilige Tal der Inkas

Unsere Stipendiatin Marah teilt in ihrem vierten Bericht ihre Gedanken über den geschichtsträchtigen Wochenendausflug in das Heilige Tal der Inkas in Peru mit uns. Mehr Informationen zu unserem Programm findest du unter Freiwilligenarbeit in Peru.


Hallo aus Cusco! Sechs Wochen bin ich nun schon hier, um Land und Leute besser kennenzulernen. Ich möchte mir einen eigenen Eindruck von Peru machen und an den Wochenenden die Umgebung erkunden. Nachdem wir ganz zu Beginn meiner Reise den Titicacasee besucht haben, ging es am letzen Wochenende für einen Tagesausflug in das Heilige Tal der Inka. Dieses ist auch als Urubumba-Tal bekannt. Als entspannter Ausgleich zu dem schrecklich touristischen Cusco genossen wir einen langen Tag lang die Ruhe der wunderschönen Natur des Heiligen Tals.

Peru roter Kleinbus

Entspannt zurücklehnen

Zwar kann man einen Ausflug wie diesen mit Sicherheit auch selbstständig organisieren – Taxifahren ist nämlich unglaublich günstig in Peru – doch bieten die zahlreichen Reiseagenturen in Cusco zum Teil wirklich preiswerte geführte Touren an, bei denen man sich entspannt zurücklehnen kann und sich um nichts sorgen muss. Mit unserer Agentur ging es morgens mit einem Kleinbus und einer bunt gemischten Gruppe los. Pisac, Olataytambo, Urubumba und Chinchero sollten auf uns warten.

Auf dem Weg zu unserem ersten Stop fuhren wir durch die fruchtbare, saftig-grüne Landschaft Süd-Ost-Perus. An manchen Stellen konnte man die Nähe zum angrenzenden Dschungel bereits erahnen. Pisac stellte sich als süßes Städtchen heraus, welches der Geheimtipp für alle Hippies und Alternativen aus aller Welt zu sein scheint. Dort gibt es einen Handarbeitsmarkt, bunte Häuser und entspannte Einheimische.

Markt Peru

In einem Schmuckladen lernten wir etwas über die typische Schmuckherstellung und Natursteinverarbeitung in Peru. Wir wurden auch darin belehrt, echtes und unechtes Silber voneinander zu unterscheiden. Da wir leider nicht ewig Zeit hatten, um durch die engen Gassen Pisacs zu schlendern, verkürzten wir unseren Stadtbummel. Wir genossen eine frisch zubereitete Empanada aus dem Steinofen und fuhren kurze Zeit später weiter nach Olataytambo.

Schattenseiten des Tourismus in Peru

Die als Hauptstadt des Heiligen Tals geltende Kleinstadt hat uns ebenfalls super gefallen. Leider erfuhren wir auch, dass ein zweiter Flughafen neben Cusco für diese Region in Planung ist, um dem Tourismus außerhalb Cuscos etwas unter die Arme zu greifen. Meiner Meinung nach ist das sehr schade, weil dadurch kostbare und wunderschöne Natur zerstört wird. Die heiligen Städte der Inkas könnten durch den Tourismus verändert und entwertet werden. Allerdings kenne ich mich zu wenig aus, um darüber zu urteilen.

Was Tourismus allerdings für Auswirkungen haben kann, spürten wir an unserer eigenen Haut. Unser Minibus wurde in der nur 50-minütigen Mittagspause überfallen, die Memorycard des Autos
gestohlen, das Handgepäck einer Touristin entwendet und das Auto letztendlich fahrunfähig gemacht . Während wir als Touristen lediglich auf einen neuen Bus warten mussten, bedeutete der Diebstahl für den peruanischen Businhaber einen sehr teuren Schaden und schadet ihm weitaus mehr als dem Tourismus.

Peru Olataytambo

So macht Lernen Spaß

Nach der Mittagspause fuhren wir mit einem neuen Bus über holprig-staubige Feldwege nach Urubumba, um uns eine alte Inkaruine anzuschauen. Wie auch bei unserem Wochenendausflug an den Titicacasee hatten wir erneut unglaubliches Glück mit dem Wetter. Wir bestiegen die knapp 250 Stufen der Inkastätte bei sommerlichem Wetter. Unser Guide erzählte uns hin uns wieder interessante Fakten rund um Peru, die Inkas und das Heilige Tal. Mit dem ein oder anderen Witz sorgte er für eine ausgelassene Stimmung innerhalb unser kleinen Reisegruppe, die er immer als seine familia für den heutigen Tag bezeichnete.

Besonders spannend fand ich seine Beschreibungen über die Sprache Quechua: Sprache sei immer auch ein Spiegel des kosmischen Weltbilds einer Kultur, wenn man einmal genauer hinter die Bedeutung der Wörter schaue, lerne man viel über die Ansichten und Lebensinhalte der Völker. Im Quechua gibt es beispielsweise das Wort Auf Wiedersehen/Tschüss/Ciao nicht, sondern man verabschiedet sich mit einem «Bis zum nächsten Mal!», denn die Kultur der Inkas beruht auf einem niemals endenden Kreislauf des Lebens. Spannend oder?

Die beeindruckende Geschichte Perus

Auf unserem Rückweg besuchten wir als letzte Etappe unserer Tour gemeinsam mit einer spanischen Reisegruppe die heilige Stadt Chinchero. Bei Sonnenuntergang bestiegen wir die letzten Stufen bis zu einer schmuckvollen Kirche, die die Koexistenz der Inkakultur und der Spanischen Eroberer in Peru gut widerspiegelt. Etwas müde und voller neuer Eindrücke erreichten wir spät abends Cusco. Dort ließen wir den Tag bei einem Tonkrug Wein und peruanischen Essen ausklingen.

Mein Fazit dieser Tour ist trotz der knappen Zeit und der vielen Eindrücke sehr positiv! Das Heilige Tal um Olataytambo ist von einer faszinierenden Landschaft und einer lebendigen Inkakultur geprägt. Diese kann man zwar innerhalb eines Tages nicht vollständig erfassen, doch deren Schönheit und Spiritualität haben mich sofort gefesselt.


Du möchtest mehr von Marah lesen? Ihre Berichte findest du unter Stipendiatin Marah – viel Spaß beim Lesen!