Back in Sydney & ab in die Heimat

Mara lacht in die Kamera, im Hintergrund sieht man Sydney

Insider Mara reist nach sechs Monaten wieder zurück in die Heimat. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verabschiedet sie sich von Australien.

So ganz langsam ergriff mich die Panik. Ich würde noch am selben Abend wieder in Sydney sein. In demselben Hostel, in dem ich mein ganzes Abenteuer vor jetzt fast sechs Monaten angefangen hatte. Ich fühlte mich nicht bereit, nur noch zwei Tage zu haben, und dann in das Flugzeug nach Hause zu steigen. Natürlich vermisste ich Freunde und vor allem Familie, aber ich hatte auch hier so viele neue Freunde gewonnen und so viel Fantastisches gesehen, dass die Vorstellung eines geregelten Lebens und vor allem der Studienbeginn Anfang April mir ein wenig Angst bereiteten.

Eine Treppe führt hoch zum Eingang des Hostels. Der Weg wird von Bäumen gesäumtMeine nächsten zwei Tage waren allerdings noch vollgepackt mit Surfkurs, allem möglichen Organisatorischen und vor allem Souvenirbesorgungen, sodass ich hoffte, nicht allzu viel Zeit zum Nachdenken und Depressiv-Werden zu haben. Tatsächlich schaffte ich es, meine Tage umfangreich werden zu lassen. Erst einmal traf ich im Hostel wieder auf ein bekanntes Gesicht aus Bowen und hatte so auch schon einen Gesprächspartner für den Abend, nachdem ich in mein erstes Hostel in Sydney und sogar in das gleiche Zimmer zurückgezogen war. Der nächste Morgen begann verhältnismäßig früh zum Surfkurs. Im Stadtzentrum wurde ich zunächst mit zwei Surflehrern und einem anderen Mädchen abgeholt, bevor wir dann den Bus mit weiteren 13 Leuten füllten. Wir fuhren etwa 1,5 Stunden aus der Stadt heraus nach Umina, wo wir dann den Tag im Wasser oder bestenfalls darauf verbrachten.

Wir wärmten uns auf, trugen die Surfbretter zu unserem Strandabschitt und lernten dann Verhaltensregel und die richtige Technik zum Aufstehen. Blick nach vorne, paddeln, paddeln, paddeln und sobald sich das Brett hinten hebt beginnt die Aktion: Hinteren Fuß mit Fußband auf Kniehöhe anziehen, mit den Händen flach vor der Brust den Oberkörper vom Brett hochstemmen und dann das zweite Bein nach vorne bringen. In einer einzigen flüssigen Bewegung in die Kniebeuge gehen und nur noch das Gleichgewicht halten, dann reitet man auch schon seine erste Welle. Ha ha. Was in der Trockenübung auf dem Land schon recht anspruchsvoll war, erwies sich auf dem Wasser als noch komplizierter. Nicht unmöglich, wir hatten einige echte Naturtalente dabei und auch ich schaffte es ein paar Mal zumindest ein Stück auf der Welle zu reiten bevor diese mich unter sich begrub. Die Instruktoren unterstützten uns grade zu Anfang mit einem weiteren Schubs und genauen Anweisungen wie lange wir paddeln mussten, und dann durften wir unser Glück eigenständig versuchen. Es gab einige ganz schön große Wellen, die einen ziemlichen Teil meiner Zeit beansprucht haben, überhaupt weit genug aufs Wasser rauszukommen, ohne vorher umgeworfen zu werden. Spaß machte es aber unglaublich! Nach einer Mittagspause durften wir nochmal ran, und mir gelangen noch ein paar gar nicht so schlechte Versuche, bevor der linke Zeigefinger der Instruktoren nach oben ging und es hieß, last wave. Ein bisschen enttäuscht war ich schon, dass wir nicht noch mehr Zeit hatten, und ich es vielleicht noch ein oder zwei Mal geschafft hätte aufzustehen, aber ich muss auch gestehen, dass ich von dem ganzen Kampf gegen die Wellen ziemlich erschöpft war. So verschlief ich dann auch den Großteil der Rückfahrt nach Sydney.

Angekommen holte ich noch meinen Koffer in der Memberslounge ab, unterhielt mich noch kurz mit Kim darüber, wie schnell die Zeit verging und bedankte mich dann für die ganze Unterstützung und immer freundliche Antwort auf all meine Fragen und Probleme.

Nachdem ich michMara lacht in die Kamera, im Hintergrund sieht man Sydney im Hostel ein wenig sortiert hatte, ging ich noch durch die botanischen Gärten, den Circular Quay und die Stadt und schwelgte ein wenig in Erinnerung an die ersten Tage hier mit meinen langen und lieben Reisegefährtinnen Anastasia und Sandra. Anschließend verbrachte ich den Abend auf dem Balkon meines Hostelzimmers, quatschte mit meinen Zimmerkameraden, wusch noch meine Wäsche und ging dann schließlich schlafen.

Meinen letzten Tag in Sydney und Australien widmete ich buchstäblich ausschließlich meinen Souvenirbesorgungen. Ich verließ das Hostel um 10:30 Uhr am Morgen und kam um 21:15 Uhr am Abend schwer beladen und vollkommen erschöpft zurück. So ganz legal war es zwar nicht, dass mein Gepäck noch auf dem Zimmer stand und ich den Abend dort verbrachte, aber eine weitere Nacht zu buchen, um dann um 1:00 oder 2:00 Uhr zu gehen, so der Plan, machte auch nicht wirklich Sinn. Informiert hatte ich mich nämlich noch nicht genau, wie ich zum Flughafen kommen wollte. Ich dachte der Abend sei ja dafür perfekt. Ich führte dann ein Gespräch mit meinen frisch angereisten Zimmerkollegen, die zu berichten wussten, dass die öffentlichen Verkehrsmittel zum Einen teurer als ein Shuttle sein sollten und zum Anderen  ihren Dienst um 00:30 Uhr nachts einstellten. Ich ging also runter zur Rezeption um doch einen Shuttle zu buchen, was ich hatte vermeiden wollen, nur um dann festzustellen, dass jene ebenfalls zwischen 10:00 Uhr abends und 4:30 Uhr morgens nicht fuhren. So gab es um kurz nach 12:00 Uhr dann ein ziemlich abruptes Ende meines größten Abenteuers überhaupt. Backpack wieder im Koffer verstaut, die Stufen des Hostels runtergeschleppt, Abschied gewunken und dann schnell zur Station Kings Cross gelaufen, um von dort mit der letzten öffentliche Bahn, zumindest annähernd Richtung Flughafen zu fahren, dort darauf zu hoffen, dass alles gut ginge und dann die 21,5 stündige Flugreise mit Zwischenlandung in Dubai anzutreten.

Tja, letzten Endes brauchte ich 3 Stunden bis zum Flughafen, da ich von der Bahnstation noch immer 8 km zu laufen hatte, die letzten zwei davon ohne Bürgersteig waren und dann auch noch die eine Rolle meines 30,5 kg schweren Koffers kaputt ging und ich ihn hinter mir herschleifen musste. Und das alles an meinem 19. Geburtstag, der vermutlich der längste meines Lebens werden würde, aber vermutlich auch einer, an den ich mich immer erinnern würde, denn schließlich ist eine Heimkehr nach sechs Monaten doch etwas sehr Besonderes und mit einem solchen Start ja schon mal ziemlich interessant!

Also alles in allem ein ereignisreiches Ende für eine ereignisreiche Zeit, die ich mich nicht scheuen würde, die beste meines Lebens zu nennen.

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