Australiens Outback – definitiv eine Reise wert

Rote Felsen vor einem wolkenverhangenen Himmel

Unser Insider Mara berichtet von ihrem Ausflug ins Australische Outback und ihren Begegnungen mit vielen neuen Menschen.

26 Stunden sollten es werden, die mich nach mehr als 4 Monaten von der Westküste Australiens wegbringen sollten. 28,5 Stunden wurden es letztendlich, da ein Reifen unseres Anhängers zwischendurch zerfetzt wurde. 28,5 Stunden voller Gedanken an die vergangene, nicht immer einfache aber doch alles in allem wundervolle Zeit im Sunshine State Queensland, auf Farmen, in Hostels, auf Campingplätzen oder in gastfreundlichen Familien. Und Schlaf. Zwischendurch wurden wir immer mal wieder aus dem Bus gescheucht, um uns zu bewegen oder die Toiletten der Rastplätze zu nutzen, oder um Sehenswürdigkeiten wie die Devils Marbels (riesige Felsen, die aussehen, als hätten Riesen mit ihnen Türme gebaut) oder das Ufo Capital of Australia zu betrachten (ich habe bis heute nicht rausgefunden, was es mit diesem Ort auf sich hat). Als wir dann endlich in der Hauptstadt des Outbacks ankamen wurden wir mit der Mahnung entlassen, ja nicht alleine durch das nächtliche Alice Springs zu gehen. Grund dafür sei die vergleichsweise hohe Kriminalitätsrate in der Stadt, verursacht durch die Aborigines. Ich machte mir keine besonders großen Sorgen, denn tatsächlich war meine Gruppe von 5 Mädchen, die ins YHA Alice Springs Hostel wollte, das einzig Lebendige auf den vollkommen ausgestorbenen Straßen der Stadt. Im Hostel nahmen wir nur den Schlüssel aus dem Nachtkasten, gingen Duschen und ins Bett. Die nächsten zwei Tage verbrachte ich mit Sandra damit, Alice Springs und ein bisschen der Umgebung zu erkunden. Von Kriminalität keine Spur in dieser schönen Stadt. Zwar waren mehr Aborigines anzutreffen als in irgendeiner Stadt zuvor, aber immerhin befanden wir uns ja auch auf ihrem Land.

Und dann kam der Tag, an dem wir tiefer in ihr Land vordringen, mehr über ihre Geschichten erfahren und einige ihrer heiligsten Orte sehen sollten, der Tag an dem unsere Outback Tour begann. Ich war tierisch aufgeregt und freute mich unglaublich darauf, eine ganz andere Seite Australiens kennenzulernen und stieg freudig in unseren Bus, aus dem uns schon 20 andere, ganz unterschiedliche Gesichter entgegenblickten. Menschen aus 9 verschiedenen Ländern, unterschiedlichen Alters und noch unterschiedlicheren Hintergründen, die in den nächsten 6 Tagen unsere kleine Familie werden sollten, wie Ross, unser australischer Tourguide, gleich betonte. In unserem Bus, Lloyd, den wir bei Steigungen gerne anfeuern sollten, würden wir zuerst den Kings Canyon, dann den Uluru und Kata Tjuta, Coober Pedy und Clare Valley bereisen, bevor wir letzten Endes in Adelaide landen würden. Soweit der Plan.

Rote Felsen vor einem wolkenverhangenen Himmel

Den ersten Stop, ein Campingplatz in der Nähe vom Kings Canyon, erreichten wir drei Stunden später. Genügend Zeit, sich schon einmal ein wenig zu beschnuppern und erste potenzielle Freundschaften auszukundschaften, sowie die ersten freilebenden Kamele zu sichten. Am Campingplatz ging es nur mal schnell auf die Toilette, es gab 30 Minuten Zeit um Wraps zuzubereiten und zu essen, der Anhänger wurde abgekoppelt und zurück ging es in den Bus für eine erste Erkundung des Kings Canyon. Erste Erkundung, denn für den gesamten Weg war es viel zu heiß. Für den etwa halbstündigen Weg wurden wir dennoch angewiesen, mindestens einen Liter Wasser zu trinken. Ross ist an sich ein sehr offener Mensch mit ziemlich viel (wenn auch gewöhnungsbedürftigem) Humor. Wenn es aber um Wasseraufnahme geht, ist mit ihm nicht zu spaßen. Und recht hat er. Denn bei mehr als 40 Grad ist es schon essenziell, nicht zu dehydrieren und so zur Katastrophe für die ganze Gruppe zu werden. Also, Wasserflaschen zur Hand und los ging es. Die ersten Fotos vom roten Gestein wurden gemacht, ein Gruppenfoto angefertigt und die Entstehung eines Canyons erklärt. 45 Minuten später saßen wir wieder im Bus und wurden mit Wasser aus Sprühflaschen besprüht; Ross‘ Art, Leute zu bestrafen, wach zu halten, oder zu erfrischen. Meistens eher Ersteres. Auf dem Campingplatz ging es gemeinsam in den Pool, man lernte auch die Leute kennen, die im Bus zu weit weg gesessen hatten und hatte gemeinsam Spaß. Dann gab es die Einweisung, wie man mit den sogenannten Swags, einer Art Matratze mit regendichtem Schlafsack darauf, umzugehen hatte und nach Dusche und Abendessen schlugen die meisten von uns auf diese Weise ihre Swags auf und gingen schlafen. Oder versuchten es zumindest. Denn es war heiß, man lag unter dem offenen Sternenhimmel, hörte wilde Dingos heulen und so mancher bekam Besuch von ganzen Kompanien von Ameisen in seinem Schlafsack. Dementsprechend gedrückt war die Stimmung zunächst als wir am nächsten Morgen um halb 4 aufstanden, unsere Swags zusammenrollten und zum Frühstück in die Hütte gingen, in der die Küche untergebracht war. Als wir jedoch den Sonnenaufgang am Kings Canyon sahen, war der Stress der Nacht bei den meisten vergessen, Wasserflasche um Wasserflasche wurde geleert und Foto um Foto geschossen, denn der Kings Canyon war und ist definitiv eines der Highlights des Outbacks (und für mich ganz Australiens). Das einzige wirklich nervige waren die Millionen von Fliegen, die immer wieder in Auge, Nase und Mund zu fliegen versuchten. Wir stiegen noch hinab in den Garden Eden, ein idyllisches Wasserloch in der Mitte des Canyons und dann waren wir schon fast am Ende unserer Erkundung.

Eyers Rock beziehungsweise UluruZurück ging es zum Camp, alles wurde eingepackt und weiter ging es nach Yulara, der Stadt neben dem Uluru. Das Camp wurde wieder ausgepackt, es gab einen schnellen Lunch und dann fuhren wir auch schon zum Uluru oder Ayers Rock. Im Cultural Center lasen wir die uralte Geschichte, die die Formung des Uluru aus der Sicht der Aborigines erklärt, wie die australische Regierung den Aborigines das Land wegnahm und wie diese es sich rechtmäßig zurückholten. Alleine diese ganzen Dinge zu wissen, ist schon ein Privileg, denn die Geschichten sind den Aborigines heilig, so gibt es auch Stellen am Uluru, die nicht fotografiert werden dürfen. Aber mit all diesem privilegierten Wissen war es zumindest für mich mehr als beeindruckend genug, die Geschichten mit eigenen Augen nachvollziehen zu können. Nach der Umrundung des Uluru betrachteten wir dann den „Sonnenuntergang“ von etwas weiter weg. Erst im allerletzten Moment, bevor sie nämlich ganz hinter den Wolken unterging, zeigten sich ein paar Sonnenstrahlen, die den Uluru zum Leuchten brachten. Schade war, dass es durch die anderen mindestens 10 Tourbusse alles andere als ruhig oder idyllisch war, aber der Anblick war schon ziemlich überragend.

Abendessen, Dusche, rein in die Swags, raus aus den Swags und zurück zum Sonnenaufgang am Uluru. Ebenfalls beeindruckend, ebenfalls gestört von hunderten anderen Menschen, so begann der nächste Tag. Hinterher durften wir Kata Tjuta besichtigen, eine weitere unglaublich beeindruckende riesige Felsformation aus rotem Sandstein. Ich kann mit Worten nicht beschreiben wie beeindruckend Kings Canyon, der Uluru und Kata Tjuta waren und auch Bilder können die Magie an diesen Orten nicht wiedergeben.

Ein Bagger steht auf einem Gerüst. Auf einem Schild steht Cooper Peddy

Wir hatten den Rest des Nachmittages in Yulara frei, spielten Karten, gingen in die Stadt und hatten dann einen heftigen Regensturm am Abend. Die Gruppe neben uns wurde eiskalt beim Essen erwischt und ein bisschen überflutet, wir konnten uns und unsere Sachen in die trockene Ecke der Hütte retten, bevor irgendwas außer Ross ernsthaft durchnässt wurde. Obwohl es nach etwa einer halben Stunde wieder aufhörte zu regnen und die meisten Pfützen schnell wieder trockneten, schlug ein Großteil unserer Gruppe nach einigen gemeinsamen Runden Karten spielen seine Swags unter den Zelten auf. Ich verbrachte meine Nacht draußen, denn es war angenehm kühl und man sah unglaublich viele Sterne, die Milchstraße und einige Sternschnuppen.

Am nächsten Morgen saßen wir alle um Punkt 4 im Bus, leider war ich die letzte und musste auf den Beifahrersitz neben Ross klettern. Leider, denn der Beifahrer schläft nicht, wenn eine 800km Strecke vor einem liegt und es noch dunkel draußen ist. Zeitweise schliefen alle, außer Ross und mir, Ross hörte in ohrenbetäubender Lautstärke Metal, aber er bekam es immer mit, wenn ich mal kurz wegdöste. Ich kann nicht sagen, wie oft ich an diesem Vormittag Wasser abbekommen habe, angemalt oder angeschnippst wurde, oder Ross irgendwas auf mich geworfen hat, um sich zu beschäftigen, wenn er grade mal keine Kühe, Pferde, Emus oder Kängururs auf der Straße anhupte. So war ich froh, als wir in Coober Pedy, der Opalhauptstadt Australiens, ankamen und ich aussteigen durfte. Wir besichtigten unsere in den Berg geschlagene Unterkunft, in der es angenehm kühl war, verglichen mit den 47 Grad draußen, erkundeten das Opalmuseum, bekamen Einsicht in eine Känguruwaisen-Aufzuchtstation (meine Güte, sind Kängurubabys niedlich), aßen gemeinsam Pizza und spielten Karten in einer unterirdischen Bar.

Die Nacht in einem Bett war sehr entspannt und mit einem Frühstück um 7 vergleichsweise auch sehr lang. Am nächsten Morgen froren alle bei nur 20 Grad Außentemperatur; in der Nacht hatte es stark gewittert. Nach dem Frühstück fuhren wir in den Mt. Remarkable Nationalpark, besichtigten Crocodile Creek und kochten ein gewaltiges Essen, bevor wir mal wieder Karten spielten und dann in Kabinen schlafen konnten. Zum Frühstück des letzten Tages gab es Pfannkuchen und ein letztes Mal wurde alles in Bus und Anhänger gepackt. Bevor es aber nach Adelaide ging, machten wir Stopp in Clare Valley, um eine Weinprobe zu machen und ein letztes Mal gemeinsam Mittag zu essen. Südaustralien ist eine der beliebtesten Weinregionen der Welt (erzählt man zumindest hier), und wir ließen uns die (oder zumindest einige der) Weine schmecken. Auf der Fahrt nach dem Mittag waren alle sehr still. Man war tatsächlich zu einer kleinen Familie geworden. Mit manchen verstand man sich vielleicht besser als mit anderen, aber alles in allem waren wir eine super coole Truppe und ich hoffe wirklich, einige dieser Menschen irgendwann wiederzusehen!

Eine Gruppe schaut in die Kamera. Sie sitzen am Tisch und trinken etwasAber zunächst hieß es Abschied nehmen (daran werde ich mich nie gewöhnen), wenn auch mit meiner Stammgruppe nur bis zum Abend. Sandra, eine Niederländerin, ein Amerikaner und seine französische Ehefrau und ich wurden als erste ausgeladen und checkten ins Backpack OZ ein. Wollten wir zumindest. Denn Sandra und ich hatten erst für den folgenden Tag gebucht und das Hostel war ausgebucht. Wir waren schon dabei, zu planen, wir würden einfach unsere Rucksäcke im Hostel stehen lassen und die Nacht in irgendeinem Park durchmachen, aber Ken und Celine retteten uns eine Nacht im Hostel. Die beiden hatten bereits für den nächsten Tag eine weitere Tour gebucht und hätten deshalb gerne ein wenig Privatsphäre für sich. So boten sie an, sie würden in ein Hotel einchecken und wir könnten ihr Zimmer für die Nacht haben, wenn wir ihnen natürlich das Geld gäben. Wir waren mittlerweile so verzweifelt, weil alle anderen Hostels in Adelaide ebenfalls ausgebucht waren, dass wir das Angebot dankbar annahmen. Die beiden verabschiedeten sich also ins Hotel, wir übernahmen ihre Betten, richteten uns ein und erkundeten ein wenig die Gegend. Dann trafen wir uns mit unserer Stammgruppe zum Abendessen. Wir gingen gemeinsam nach Chinatown, jeder besorgte sich, worauf er Lust hatte und wir saßen zusammen, rekapitulierten unsere gemeinsame, geniale Zeit und zogen dann für einen letzten gemeinsamen Cider und ein letztes Spiel in ein Brauhaus, bevor wir uns dann doch endgültig verabschieden mussten.

Die nächsten Tage verbrachten Sandra und ich wieder mit Sightseeing, wir gingen zu einem ziemlich witzigen Pubcrawl durch Adelaide, lernten neue nette Leute im Hostel kennen, fuhren mit kostenlosen Fahrrädern zum Strand und hatten noch ein paar nette Tage zusammen. Meine Mitfahrgelegenheit nach Perth stellte sich als leichte Psychopathin heraus, sie fragte mich andauernd, ob ich schon einmal etwas überfahren hätte und als ich mit nein antwortete, beharrte sie darauf, dass ich das unbedingt mit ihr ausprobieren müsste, denn es gäbe nichts Spaßigeres. Als ich ihr sagte, ich würde das lieber nicht tun, entschloss sie dann spontan, mich dann nicht mitnehmen zu wollen. Glücklicherweise fand ich dann allerdings zwei Jungs, die Ende Januar von Perth aus nach Adelaide fahren wollten und noch einen Sitz für mich freihatten. Also buchte ich einen Flug und obwohl ich mich nicht wirklich bereit fühlte, jetzt alleine zu reisen, nahm ich vorläufig Abschied vom Hostel mit all seinen netten Leuten, von Adelaide und von Sandra, die mich auf dieser Reise nicht begleiten würde. Etwas mehr als einen Monat vor meinem Rückflug nach Deutschland bin ich jetzt also das erste Mal wirklich alleine unterwegs. Ob das nun gut oder schlecht ist, wird sich herausstellen.

Work and Travel in Australien