Ausflug nach Plymouth

Der Leuchtturm an

Insider Luis hat sich auf den Weg nach Plymouth gemacht um endlich raus zu finden, ob es schöner ist als Exeter.

„Was ist schöner, Plymouth oder Exeter?“ Wie oft bekommt man diese Frage hier gestellt. Meistens von Neuankömmlingen, die sich erkundigen wollen, wo sie als erstes hinsollen. Meine Antwort war bisher immer ein „Keine Ahnung, war noch nie in Plymouth“, doch Ha! Nun nicht mehr!

Letztes Wochenende ging es endlich in die berühmte Hafenstadt, und die Frage Plymouth oder Exeter hatte sich damit endgültig geklärt. Spoiler: Ganz klar Plymouth.

„The Hoe“ is relaxing in Plymouth

Eine gute Stunde dauerte es, bis wir mit dem überfüllten Zug in Plymouth ankamen. So schnell wie möglich raus aus dem überfüllten Wagon und ab zu … Starbucks. Nach der Hitze in der Bahn war es erstmal nötig mit ein bisschen Frappuccino runter zu kühlen. Während dessen hat man auch genug Zeit zu überlegen (oder zu diskutieren), was man denn eigentlich sehen will. “ You have to go to the hoe, it´s very beautiful“ Bitte was? The Hoe? Das war nicht die Art von Ausflug die ich mir vorgestellt hatte. Aber: „The Hoe“ wird von jedem weiterempfohlen den man fragt und  steht in allen Reiseführern. Dabei handelt es sich allerdings nicht um eine Dame mit besonderen Diensten, sondern um einen bestimmten öffentlichen Platz an der Küste. Dort findet man ein Kriegsdenkmal, einen Leuchtturm und im Normalfall jede menge Leute, die einfach nur die Aussicht genießen wollen. Der Leuchtturm kann gegen Eintrittsgeld von jedem besucht werden und erfreut sich bei vor allem bei Touristen großer Beliebtheit. Wer nicht das nötige Kleingeld hat (3 Pfund) oder ausgeben will, der kann es sich einfach auf der Grünfläche drumherum gemütlich machen und von dort aus den regen Schiffsverkehr beobachten.

Unter anderem sieht man auch einige Marineschiffe vorbeiziehen. In Plymouth befindet sich nämlich die größte Marinebasis Europas: der Flottenstützpunkt Devonport der britischen Royal Navy.

Da das Wetter an diesem Tag wirklich wunderbar war (das beste Wetter seit meiner Ankunft vor 3 Monaten) blieben wir erst einmal einfach im Gras liegen und taten einfach nur eins: entspannen.

Von der Hoe ging es dann entspannt weiter in Richtung Barbican. Barbican ist der älteste Teil des Hafens und ebenso der älteste von gesamt Plymouth, da dieser nicht im zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Heutzutage findet man dort Unmengen an Restaurants, was dem ganzen leider einen sehr touristischen Touch verleiht. Schön war´s trotzdem.

Jam or cream first?

Scones mit Marmelade und CreamUm ein bisschen gelebte englische Kultur zu erfahren, ging es als nächstes zum Cream Tea trinken/essen. Cream Tea bezeichnet normalerweise einen schwarzen Tee, der natürlich („wie auch sonst?“ denkt sich der Engländer) mit Milch getrunken wird, serviert mit einem Gebäckstück namens Scone und dazu Marmelade und die namensgebende Cream.  Als wir unseren Cream Tea erhielten ging auf einmal eine Diskussion am Nachbartisch los. Wir wunderten uns, denn es wirkte so, als wäre unsere Bestellung der Auslöser gewesen. Und tatsächlich, der Grund war die Art, wie wir unsere Scones aßen. Für mich war es logisch, erst Cream auf den Scone zu schmieren und dann die Marmelade oben drauf zu setzen. Das Ganze sieht dann aus wie Butter und Marmelade und ist von einem stilistischen Standpunkt aus de Facto ein Marmeladenbrot. Das entspricht der Devon-Art des Cream Teas und sorgte bei der Hälfte des Nachbartischs für Kopfschütteln. Denn für Leute aus Cornwall, gilt ganz klar: „first jam, then cream“. Und so entbrannte eine kleine leidenschaftliche Diskussion darum, welche der beiden Varianten die richtige ist. Diskussion ist vielleicht der falsche Ausdruck, denn es war mehr ein freundliches „Ich hab recht!“-„Nein Ich hab recht!“.

Ich liebe diese kulturellen Eigenheiten, diese kleinen Verschrobenheiten und  besonderen Weltansichten, Gebräuche und Sitten, Dinge, die man nur wirklich versteht, wenn man vor Ort ist.

Erst in solche Momenten, wie oben beschrieben, wird einem wirklich bewusst, um wie viele Erfahrungen reicher einen eine Reise doch machen kann.  Und auch, wenn es sehr pathetisch klingt, es stimmt tatsächlich: „traveling is the only thing you pay for, that makes you richer“.

Luis

Praktikum in England