Ankunft in Perth – Zum ersten Mal alleine

Mara lächelt mit einem Quokka in die Kamera

Unser Insider Mara berichtet von kleinen Anlaufschwierigkeiten bei ihrer Ankunft in Perth. Nach einigen Tagen sind neue Kontakte geknüpft und der Abschied fällt schwer.

Drei Stunden Flug sind es von Adelaide bis nach Perth. Gefühlt 2,5 davon hatten wir Turbulenzen, die ich glücklicherweise zum Großteil verschlafen habe. In Perth angekommen klappte mit dem Gepäck alles gut, doch dann stand ich vor dem Problem: Wie komme ich jetzt in die Stadt und zu meinem Hostel? Der Flughafenbus war grade weg, das hieß der nächste käme in 1,5 Stunden. Weil ich keine Lust hatte, so lange zu warten, lief ich einfach ganz stumpf einigen anderen Reisenden in einen öffentlichen Bus hinterher und sagte City, please. Ich hatte keine Ahnung, ob das schlau war, oder wie ich dann von der City, was ja ziemlich alles sein konnte, weiter kommen sollte. Deshalb suchte ich im Internet nach der Bushaltestelle am nächsten zu meinem Hostel und lief letztendlich 2 km, bevor ich meine Rucksäcke geschafft in meinem neuen Zimmer abstellen konnte.

Aussicht auf eine Skyline vom Strand ausDie Stadt wirkte trotz mäßigem Wetter sehr spannend auf mich, überall standen für Australien alte Gebäude neben Hochhäusern und man konnte vom Citycenter die Straße hinab zum Fluss schauen. Das Hostel hingegen war mir eher unsympathisch. Der Rezeptionist hatte ein wenig Schwierigkeiten mit dem Englischen und war deshalb eher kurz angebunden. An den dreckigen Schuhen und den gelben und orangen T-Shirts überall erkannte man, dass es sicherlich viele arbeitende Backpacker hier gab und in meinem Zimmer war es nicht nur unglaublich kalt durch die Aircon, sondern in zwei der drei bezogenen Betten schliefen bereits die Besitzer (es war 5 Uhr nachmittags). Ich versuchte, über meine Einsamkeit hinwegzusehen, richtete mich kurz ein wenig ein und ging dann mit dem Vorhaben in die Küche, schon mal ein paar neue Leute kennenzulernen. Lächeln und Hey wurden allerdings eher abweisend begutachtet oder gar ganz ignoriert. Das verstimmte mich zwar ein wenig, aber ich wollte mich nicht schon nach 15 Minuten alleine in einer fremden Stadt unterkriegen lassen, schließlich hatte ich bis jetzt ja auch immer neue Leute kennengelernt.

Ich beschloss, mich schon mal ein wenig umzusehen und für das Abendessen einzukaufen und zog los in das Zentrum. Mit ziemlich gemischten Gefühlen der Stadt gegenüber lief ich ziemlich planlos durch die Gegend, genervt von meinem Misserfolg, umgeben von Baustellen und gestresst wirkenden Menschen.

Ich erledigte meinen Einkauf und beschloss, mir beim Kochen noch mal mehr Mühe zu geben, um mit anderen in Kontakt zu kommen, nahm mir noch jede Menge Infomaterial zu Perth mit und suchte mir meinen Weg zurück.

Beim Kochen bekam ich zwei Mal ein Hallo zurück, wenn auch mit einem leicht verwirrten Unterton, ich fragte ein Mädchen, ob ich mich zu ihr setzen dürfte und sie ließ mich. Damit endete dann aber auch mein Erfolg für diesen Tag schon fast. Das Mädchen stand zwei Minuten später schweigend auf und ging, dafür setzten die beiden Jungs die mein Hallo erwidert hatten sich zu mir und wir unterhielten uns kurz. Ich setzte mich nach dem Essen noch kurz raus zu ihnen auf den Hinterhof und schaffte sogar kurz eine Konversation mit zwei Mädchen. Da aber alle ausgehen wollten, der Alkoholpegel dementsprechend hoch war und ich sehr müde, beschloss ich, lieber ins Bett zu gehen.

Um es kurz zu machen, die nächsten Tage wurden nicht besser, ich war wirklich einsam in dem Hostel, hatte keine Chance, in die bestehenden Gruppen von Arbeitskollegen reinzukommen und war so ziemlich froh über jedes Hallo, das ich bekam, wenn ich überhaupt mal im Hostel war, denn ich verbrachte so viel Zeit wie möglich außerhalb.

Eine Stadt bei Nacht von obenLeider musste ich dann auch noch feststellen, dass Perth zwar einiges an Attraktionen zu bieten hatte, diese allerdings alle preislich vollkommen überzogen waren. Zum Beispiel sollte man 14$ dafür zahlen, auf einen etwa 15m hohen Glockenturm zu klettern. Ich lief also stattdessen einfach so durch die Gegend und fotografierte Sehenswürdigkeiten von außen. Nach zwei Tagen beschloss ich, dass ich nicht die nächsten 8 Tage so verbringen wollte und buchte ein Hostel in der Nachbarstadt/dem Vorort Fremantle. 3 Tage Urlaub vom Nichtstun. An meinem vorerst letzten Tag in Perth City machte ich eine kostenlose Stadtführung mit und lernte drei andere deutsche Backpackerinnen kennen. Mit einer verstand ich mich so gut, dass wir den Rest des Tages zusammen verbrachten, erst den Kings Park besichtigten und dann noch einen Markt in der Innenstadt zusammen anschauten. Dadurch durchaus positiver gestimmt konnte ich mich dann auch mit Perth selber anfreunden und bekam wieder bessere Laune.

Ich fuhr mit der Bahn und meinem ganzen Zeug nach Fremantle, schaute mich um und traf mich mit einem der beiden Jungs, die mich Ende der nächsten Woche mit zurück nach Adelaide nehmen wollten. Leon und ich verbrachten den Tag zusammen, lernten uns schon mal ein wenig kennen und waren uns glücklicherweise ziemlich sympathisch. Wir verabredeten uns ein weiteres Mal für die Australia Day Feier in Perth.

Ich lernte einige Leute im Hostel kennen, wenn auch nur oberflächlich, aber immerhin hatte ich jemanden, zu dem ich mich zum Fernsehen auf das Sofa setzen konnte und alle anderen erwiderten wenigstens Lächeln und Begrüßung. Die Tage verbrachte ich wieder viel mit durch die Gegend Laufen, Schwimmen und ich lieh mir ein Fahrrad, mit dem ich durch die Gegend fuhr.

Wie auch in Perth waren alle Attraktionen zu bezahlen und was umsonst war, war momentan wegen Umbau geschlossen. Dennoch verbrachte ich meine Tage zufrieden und konnte mich auf meine Rückkehr nach Perth freuen. Ich hatte mir ein anderes Hostel ausgesucht und als ich ankam gefiel mir das Flair gleich richtig gut. Alle lächelten in dem alten Gebäude und mit dem Briten aus meinem Zimmer fing ich gleich ein Gespräch an, als ich meine Sachen abstellte. Kurze Zeit später lernte ich auch meinen anderen Mitbewohner, Andrew aus Schottland kennen, mit dem Gespräche aufgrund seines Akzents zwar immer kognitiv anstrengend aber doch sehr interessant waren. Ich bekam gleich von beiden eine Einladung, den Australia Day mit ihnen zu verbringen, aber ich war ja mit Leon und Laurin verabredet und wollte vorher noch das Tagesprogramm am Fluss abchecken. Perth hatte nämlich eine riesige Wasserspielfläche für Familien aufgebaut, einen Streichelzoo organisiert, Kamelreiten, eine Motorcross und Flug Show und eine große Auswahl an Fressbuden aus aller Welt. Für den Abend war ein riesengroßes Feuerwerk angesagt, das ich mit Leon und Laurin schauen wollte.

Ich kehrte noch mal für etwas zu Essen und Trinken in das übrigens sauberste Hostel, das ich je gesehen habe zurück, und lief dann 5,5km auf die andere Seite des Flusses, wo die Jungs schon saßen. So lernte ich auch Laurin kennen. Wir unterhielten uns und warteten dann auf das Feuerwerk. Ungefähr 30 Minuten dauerte das Spektakel, die buntesten Farben und Formen, bei Betrachtung aus der Stadt sogar abgestimmt mit Musik. Wir hatten leider nicht den optimalen Platz, sahen längst nicht alles, beeindruckend war es trotzdem. Wir unterhielten uns noch, bis die beiden eine Chance hatten, vom Parkplatz zu kommen und ich machte mich auf den Weg zurück ins Hostel, wo ich noch eine Zeit lang mit einigen anderen Leuten im Hof zusammensaß und mich unterhielt. Ich unterhielt mich mit Andrew und einigen echten Aussies, die mir viel erzählten und mich im Austausch ausfragten, bevor ich gegen 1 todmüde ins Bett fiel.

Ich hatte schon länger überlegt, Rottnest Island vor der Küste Perths zu besuchen und Laurin hatte gesagt, er würde gerne mitkommen. Daher buchte ich die Tour am nächsten Morgen für uns beide, verbrachte den Rest des Tages im Kings Park und botanischen Garten und meinen Abend wieder mit den Leuten aus meinem Hostel.

Mara lächelt mit einem Quokka in die KameraUm nach Rottnest zu kommen, musste man erst mit der Bahn nach Fremantle und dann eine Fähre nehmen, auf der man dann auch Fahrräder zur Erkundung der Insel bekam. Wir sahen uns verboten türkise Buchten an, fuhren durch Wälder, über Hügel und hatten so einige Fotosessions mit den heimischen Quokkas, denen die Insel ihren Namen zu verdanken hat. Der „Entdecker“ hatte nämlich die niedlichen kleinen Tierchen, die eine Mischung aus Ratte und Känguru zu sein scheinen, für große Ratten gehalten und die Insel daher Rottnest (Rattennest) genannt.

Laurin hatte mir Leons Schnorchelsachen mitgebracht und so schnorchelten wir noch durch eine Bucht. Ich sah einen riesigen Rochen direkt neben mir und einige kleine und große Fische. Hinterher beendeten wir unsere Tour, fuhren noch an einigen Salzseen vorbei und kehrten dann zu der Fähre zurück. Wir waren beide ziemlich fertig, aber gelohnt hat sich der Tag zu 100%.

Meine letzten Tage in Perth verbrachte ich nochmal mit viel Umherlaufen und mit einigen Besorgungen, wie einer Matratze für das Camping, auf das ich mich schon sehr freute. Die Abende verbrachte ich immer mit den anderen Leuten aus dem Hostel und so fiel mir der Abschied, der plötzlich und unerwartet vor der Tür stand, dann doch wieder schwer, als ich meine Rucksäcke gepackt hatte und mich mit der Bahn auf zu meinen neuen Reisegefährten machte.

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