Erste Hilfe nach dem Erdbeben

Menschen in Nepal

Unsere Teilnehmer in Nepal berichten von ihrer Hilfe in zwei vom Erdbeben zerstörten Dörfern in Nepal:

Unterstützung für Daare Choke:

Einige Tage nach der Katastrophe wird es uns zu viel, nichts zu tun und auf weitere Nachbeben zu warten. Über tausend Umwege und Hindernisse und geschickt von Person zu Person wird uns ein Dorf in der Nähe von Mugling, Distrikt Chitwan, empfohlen. Wir treffen auf jede Menge uns unterstützende Nepalesen. Nepal-SMR (5)Wir mieten einen Bus mit Fahrer (der Erste, der das Dorf Daare Choke anfährt!!), kaufen, ebenfalls über Umwege, Reis, Kartoffeln, Zelt etc. und machen uns auf die einstündige Fahrt den Berg hinauf. Bei einem Rundgang durch das Dorf wird alles dokumentiert und diskutiert, die Häuser und die Familienmitglieder gezählt. Einen Überblick zu erhalten, wäre ohne die Hilfe der Nepalesen und dem zuverlässigen Übersetzer und Gastbruder Ashok völlig unmöglich.

Auf dem Weg begegnen wir der Zerstörung immer wieder. Manche Häuser hat das Beben dem Erdboden nahezu gleich gemacht. Und wieder hat es die ärmsten Dorfbewohner am schlimmsten erwischt. Ihre traditionellen Steinhäuser sind weit ab vom größeren Dorf und vollständig zerstört. Sie schlafen unter freiem Himmel, ohne Schutz vor Witterung. Die Kinder tragen löchrige Kleidung, alle haben Hunger. Und trotzdem bieten sie uns noch kühles Wasser an.

Wir merken, wie gut es war, bereits mit Lebensmitteln in das Dorf zu fahren. Der Chef des Dorfes verteilt die Lebensmittel und Zeltplanen mit unserer Hilfe an die, die alles verloren haben.
Ein bitterer Nachgeschmack bleibt: Wo haben wir falsche Hoffnungen gemacht auf Hilfe gemacht, die wir nicht garantieren können?

Unterstützung für Chainpur:

Nepal-SMR (4)Nach drei Stunden Fahrt und mit reichlich Verspätung erreichen wir über die schlimmste Straße aller Zeiten das Dorf Chainpur, in dem alle Häuser durch das Beben unbewohnbar wurden. Wir sitzen auf jeweils über 100 kg Reis, Kartoffeln und Gemüse, Seife, Zeltplanen und Öl auf der Ladefläche des Jeeps. Mit der Dämmerung treffen wir ein. Uns empfangen die Dorfbewohner und die Leader der umliegenden Dörfer in der Hoffnung, ebenfalls Hilfe zu bekommen. Wir kommen dadurch eher in eine schwierige Situation, denn wie erklärt man, dass wir einem Dorf helfen können und das andere lassen wir vorerst im Stich? Es ist ein kleiner Kampf, alles zu erklären. Ashok gibt sein Bestes, alles zu übersetzen und zu vermitteln. Ein Dorfbewohner beschreibt, dass in solchen Situationen das Wir-Gefühl dem Ich-Gefühl weicht. Jeder ist um die eigenen Liebsten, die eigene Existenz besorgt.

Im Dunkeln können wir, die auch müde sind von der Fahrt und all dem Stress des Tages, von der Fahrt, der Sonne und vom Reden, die Lebensmittel nicht mehr gerecht aufteilen. Wir beschließen, dem Chef des Dorfes zu vertrauen und ihm die gerechte Aufteilung am nächsten Tag zu überlassen.

Es ist erst der Anfang und wir müssen zugeben, dass wir jeden Tag dazulernen, wie man denn eigentlich am besten hilft. In jedem Ort werden uns hungrige Gesichter, flehende Großmütter und nach Schokolade fragende Kinder begegnen. Es ist eine schwere Aufgabe, die Verantwortung mit sich bringt und Fragen aufwirft, denn Essen hilft kurzfristig, doch was passiert nach der ersten Hilfe? Wie geht es weiter, wenn der Magen gefüllt ist, aber die Regenzeit anbricht und die Menschen kein Zuhause haben? Wie können wir langfristig Gutes tun, um nachhaltig zu helfen?

In ihrem ersten Bericht aus Nepal erzählen euch unsere Teilnehmer wie das Erdbeben Nepal veränderte und warum sie unbedingt helfen wollen.